| Das Gesetz, wonach eine intensive Pflege städtischer Grünflächen in Zeiten knapper öffentlicher Kassen nicht finanzierbar ist, scheint widerlegt. In New York hat sich der vor einem Jahr eröffnete High Line Park zu einem lokalen Wirtschaftsmotor entwickelt. Die Geschäftswelt rund um den auf einer stillgelegten Hochbahntrasse gebauten Park boomt und zeigt sich bei Spenden für das Grün nicht knickerig.
83% der Pflegekosten aus Privatmitteln
Experten haben den Ertragswert der Einnahmen aus dem Park auf 750 Millionen US-Dollar veranschlagt. Das ist über fünfmal so viel wie die Erstellungskosten von 150 Millionen Dollar. Allein 2009 konnte die Sponsoreninitiative „Friends of the High Line“ rund 24 Millionen Dollar Spenden akquirieren. Von den jährlich für Betrieb und Pflege des intensiv bewirtschafteten Grüns eingeplanten Kosten über 4,2 Millionen Dollar trägt die Initiative 3,5 Millionen. Das sind rund 83 Prozent. Die Stadt New York muss lediglich 700.000 Dollar beisteuern.
Die lokale Geschäftswelt zieht aus dem High Line Park enormen Nutzen. Zwischen Juni 2009 und Juni 2010 lockte er über zwei Millionen Besucher herbei. Rund um das längste Gründach der Welt eröffnen immer neue Hotels, Restaurants und Bars. Über 30 Projekte sind in der Planung oder bereits im Bau. Im Mai 2011 will das Whitney Museum of American Art direkt am Südeingang des Parks den ersten Spatenstich für ein neues Gebäude vornehmen. Es wurde vom italienischen Stararchitekten Renzo Piano geplant und soll auf 4.650 Quadratmeter Ausstellungsfläche vor allem Werke des 20. und 21. Jahrhunderts präsentieren.
Parfümkäufer spenden für Grün
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Hält das New Yorker Modell auch
für Deutschland anwendbar: DBG-
Geschäftsführer Jochen Sandner.
Foto: Gustmann |
Der New Yorker Parfümhersteller Bonds No.9 hat einen High Line-Duft kreieren lassen. Für den „Duft von Wildblumen, grünen Gräsern und urbaner Erneuerung“ muss der Käufer 222 Dollar pro 100 Milliliter-Flacon hinlegen. Dafür hat der Produzent eine größere Spende an die Sponsoreninitiative entrichtet und angekündigt, dass vier Prozent aller USA-Verkäufe der Parkpflege mit monatlich variierenden Pflanzplänen zugute kommen sollen.
Der Erfolg des High Line Parks hat viele Städte aufhorchen lassen. Städteplaner aus Rotterdam, Hong Kong, Singapur und Jerusalem haben die Trasse bereits besichtigt. Planer aus Paris überlegen, das Modell zur Revitalisierung von Europas größter Bürostadt, dem Geschäftsviertel La Défense, einzusetzen. In Chicago soll eine stillgelegte Eisenbahnlinie in einen Grünanlage verwandelt werden. In Philadelphia hat man ein rund 18 m Viadukt dazu auserkoren.
Interesse aus Rotterdam, Singapur, Jerusalem
Atlantas Stadtverwaltung hat gleich die Planer und Berater des High Line Parks engagiert, um ein eigenes Grüngürtel-Projekt zu realisieren. Dafür wird ein rund 35 km langer Bahn-Ring rund um die Innenstadt genutzt, der neben Fußgängern auch Radfahrern offenstehen soll. Das „Beltline“-Projekt, das mehrere städtische Parks anbindet, ist noch um ein mehrfaches größer als das in New York.
Deutsche Stadtverwaltungen haben sich in New York bislang noch nicht gemeldet. Der Geschäftsführer der Deutschen Bundesgartenbau-Gesellschaft (DBG) Jochen Sandner allerdings findet das High Line-Projekt „spannend“. Ein Modell auf privater Initiative sei „grundsätzlich zu begrüßen“.
Die deutschen Kommunen seien bei der Pflege von Anlagen häufig an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angelangt. Da müsse man schauen, wie man solche Modelle einbeziehe. „Im Kleinen gibt es das bereits“, so Sandner: „In Berlin werden 260 öffentliche Brunnen, Kaskaden und Fontänen aus Mitteln von zwei Werbefirmen finanziert.“ Außerdem würden sich in zahlreichen Gemeinden bereits Vereine am Betrieb und der Finanzierung von Schwimm- und Strandbädern beteiligen.
Ähnlich sieht es der Präsident des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau, Hanns-Jürgen Redeker. Deutsche Sponsoren konzentrierten sich nicht länger nur auf Kultur und Sport. Ein Beispiel dafür sei die Straße Hohe Bleichen in Hamburg. „Dort haben die Eigentümer der anliegenden Immobilien die Umgestaltung des Freiraums von der Planung bis zur Pflege komplett aus privaten Mitteln finanziert“, so Redeker. cm
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