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-   Kernbeiträge
Standortbestimmung Bauwerksbegrünung
  Gunter Mann
Seit etwa 20 Jahren wird Bauwerksbegrünung wirtschaftlich betrieben. Wohin hat sich die Branche seither entwickelt? Welche Akteure und Faktoren bestimmen den Markt der Dach-, Fassaden- und Innenraumbegrüner? Welche Rolle spielen die Normen und die Forschung? Vor allem die Tendenzen der letzten zwei Jahre werden kritisch unter die Lupe genommen.
Die Dachbegrünung ist gefragt – hier das FBB-Gründach des Jahres 2010. Foto: Optigrün
Die Dachbegrünung ist gefragt – hier das FBB-Gründach des Jahres 2010. Foto: Optigrün
 
Unter dem Sammelbegriff „Bauwerksbegrünung“ sind Dach-, Fassaden- und Innenraumbegrünungen zu verstehen. In der genannten Reihenfolge sind auch die Umsatzgrößen der drei Begrünungsarten im deutschen Markt zu sehen. Mit dem größten Flächenanteil liegen begrünte Dächer klar an der Spitze. Viel kleinere Flächen nehmen zwar die Fassadenbegrünungen ein, doch auch sie sind zurzeit spitze - was die Medienpräsenz betrifft. Kaum ein Fachblatt aus dem Garten- und Landschaftsbau- und dem Architektur-Bereich hat noch nicht in den letzten ein bis zwei Jahren über „living walls“ berichtet. Die Innenraumbegrünung spielt bei der Bauwerksbegrünung eher eine untergeordnete Rolle, wobei die umgesetzten Projekte meist tolle Referenzobjekte sind.

1. Die Verbände der Bauwerksbegrünung

Im Bereich Bauwerksbegrünung sind einige Verbände mehr oder weniger aktiv. Allerdings ist zu differenzieren zwischen neutralen Verbänden und „Firmen-Verbänden“ und den Aktionsradien der Verbände, bei denen sich nur wenige ausschließlich mit der Bauwerksbegrünung befassen und darüber hinaus auch andere „grüne“ Themenfelder abdecken.

Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. (FLL)
So beispielsweise die FLL. Sie befasst sich vorrangig mit der Erstellung von Richtlinien und das nicht nur zur Bauwerksbegrünung, sondern ganz aktuell u.a. auch zu Bewässerung, Baumsubstraten, Gabionen. Der Rolle „Forschungsgesellschaft“ wird der Verband nicht mit eigenen Forschungsvorhaben gerecht, sondern über das von Mitgliedsverbänden, Hochschulen und anderen Experten eingebrachte Fachwissen.

Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e.V. (BGL)
Der BGL ist der starke Berufsverband der Garten- und Landschaftsbaubetriebe und einer tollen Werbekampagne für den Berufsstand. Die Bauwerksbegrünung fällt dabei allerdings ebenso wenig auf wie der Arbeitskreis Dach- und Innenraumbegrünung, der derzeit nicht aktiv ist.

Fachvereinigung Bauwerksbegrünung e.V. (FBB)

Die FBB ist im Vergleich zu den vorgenannten Verbänden der kleinste Verband, auch wenn bald das 100. Mitglied zu begrüßen ist. Die FBB ist vor genau 20 Jahren aus der FLL hervorgehend gegründet worden mit der Mission, Werbung und Aufklärungsarbeit zur Bauwerksbegrünung zu leisten. Die FBB ist der einzige firmenunabhängige Verband, der sich ausschließlich mit der Bauwerksbegrünung (vorrangig Dach- und Fassadenbegrünung) beschäftigt. Die FBB führt seit Jahren das FBB-Gründachsymposium und das FBB-Fassadenbegrünungssymposium durch, um die Branche und Baubeteiligten auf dem Stand der Wissenschaft und Technik zu halten. Seit letztem Jahr ist das „Basis-Seminar Dachbegrünung“ dazugekommen, das den noch „Unbedarften“ den Einstieg in die Dachbegrünung ermöglicht. Die FBB ist Mitglied bei der EFB (Europäische Föderation der Bauwerksbegrünungsverbände) und vertritt dort die deutschen Interessen.

Weitere Verbände

Hinter den darüber hinaus vorhandenen und mehr oder weniger aktiven Verbänden stehen Firmen aus der Begrünungs-Branche. Ihre Aktivitäten sind eher unter dem Aspekt „Firmen-Lobbyismus“ zu sehen. Wobei das nicht heißen soll, dass solche Verbände keine Tradition hätten und nicht auch Aktionen durchführen, die eine gute Werbung für die Dachbegrünung sind und der ganzen Branche dienen. Dagegen ist ein kleiner erst vor wenigen Jahren gegründeter Verband aus Westdeutschland in Sachen Öffentlichkeitsarbeit nicht wahrnehmbar aktiv und wurde offensichtlich nur gegründet, um sich den Zugang zu FLL-Regelwerksausschüssen zu ermöglichen.

2. Normen und Richtlinien zur Bauwerksbegrünung

Dachbegrünung auf Reisen: Begrüntes Luxus-Kreuzfahrtschiff mit bespielbaren Golfrasen. Foto: Optigrün
Dachbegrünung auf Reisen: Be-
grüntes Luxus-Kreuzfahrtschiff mit
bespielbaren Golfrasen.
Foto: Optigrün
In Deutschland gibt es keine Normen zu einer der genannten Bauwerksbegrünungsformen. An Stelle der Normen treten in diesem Bereich die Richtlinien der FLL. Sie werden unter der Leitung der FLL durch Mitgliedsverbände und Experten erarbeitet und geben den Stand der anerkannten Regeln der Technik wider. Die „Dachbegrünungs-Richtlinie“ wurde erst kürzlich überarbeitet und neu aufgelegt und ist mit dem Stand 2008 noch etwa zwei bis drei Jahre aktuell. Die Richtlinien zur „Fassadenbegrünung“ und „Innenraumbegrünung“ werden derzeit aktiv in den FLL-Regelwerksausschüssen bearbeitet und noch in 2010 bzw. 2011 veröffentlicht. Ergänzend dazu ist der RWA „Verkehrsflächen auf begehbaren Decken“ aktiv und wird aller Voraussicht nach auch im nächsten Jahr seine überarbeiteten „Empfehlungen“ herausbringen. Diese Empfehlungen werden der immer stärker werdenden Nutzung der Dachfläche als Park- und Aufenthaltsfläche (begeh- und/oder mit Fahrzeugen befahrbar) gerecht.

Viele Länder in Europa haben die FLL-Richtlinie übernommen bzw. verweisen darauf, so beispielsweise Niederlande, Schweiz, Ungarn, Österreich. Wobei unser letztgenanntes Nachbarland es zu Beginn des Jahres geschafft hat, diese ergänzte und modifizierte Richtlinie als Österreichische Norm (ON L 1131) herauszubringen. Die Italiener haben vor einigen Jahren eine eigene UNI-Norm zur Dachbegrünung veröffentlicht und haben sich dabei ganz bewusst nicht an den deutschen Vorgaben orientiert.

Die EFB (Europäische Föderation der Bauwerksbegrünungsverbände) hat vor etwa zwei Jahren über den italienischen Verband den Versuch gestartet, eine europäische Dachbegrünungs-Norm auf den Weg zu bringen. Doch aufgrund interner Unstimmigkeiten in Italien ist die EFB nun auf der Suche nach einem anderen Land, das die Leitung übernehmen kann. Es bleibt abzuwarten, wie es in dieser Sache weitergeht.

3. Der aktuelle Markt: Dachbegrünung

Von einer Krise war im Gründachmarkt im letzten und diesem Jahr nichts zu spüren – ganz im Gegenteil. Die angesprochenen marktbekannten Unternehmen sprechen alle von Umsatzsteigerungen.

Interne FBB-Umfrage

Eine interne Umfrage bei den Substratherstellern und –anbietern unter den FBB-Mitglieder hat ergeben, dass der Anteil Extensiv- zu Intensivbegrünung 85% zu 15%. Das Zahlenverhältnis hat sich damit von 2008 auf 2009 etwas verschoben (89% zu 11%) und bekräftigt die „gefühlte“ Tendenz, dass immer mehr Intensivbegrünungen umgesetzt werden. Die Frage nach der Quadratmeterzahl der jährlich neu begrünten Dachflächen konnten immer noch nicht abschließend beantwortet werden. Die FBB geht von etwa acht Millionen Quadratmeter pro Jahr aus.

FBB-Förder-Umfrage

Die Fachvereinigung Bauwerksbegrünung e.V. FBB hat zusammen mit dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) eine Umfrage an alle Städte Deutschlands mit Einwohnerzahlen ab 10.000 durchgeführt. Die 1.488 Städte wurden nach den direkten und indirekten Förderungen von Dach- und Fassadenbegrünung befragt.

FBB-Gründach des Jahres 2010

Ein klassischer Dachgarten mit Nutzung durch die Patienten der Wiegmann-Klinik in Berlin wurde gleich zweimal zum Gründach des Jahres gewählt worden – und das unabhängig voneinander! Die Fachvereinigung Bauwerksbegrünung e.V. und der Optigrün-Partnerverbund haben ihre jährlichen Gründach-Wettbwerbe durchgeführt und das Gewinnerobjekt wurde von beiden Gruppen jeweils eindeutig zum Sieger gewählt.

Nachhaltiges Bauen

Ökologisches und nachhaltiges Bauen wird vor allem in diesem Jahr neu durch den noch jungen Verein „Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen“ (DGNB) wieder stärker geprägt. Die DGNB möchte Wege und Lösungen aufzeigen und fördern, die nachhaltiges Bauen ermöglichen. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht die Vergabe eines Zertifikats für nachhaltige Bauwerke. Die Bauwerksbegrünung spielt schon jetzt in den Bewertungskriterien eine gewisse Rolle, soll jedoch noch stärker berücksichtigt werden. Die DGNB führt dazu mit Mitgliedern der FBB einen Workshop zu einem ersten Erfahrungsaustausch durch und man muss sehen, wie sich die Zusammenarbeit weiter gestaltet.

„Verrücktes“: Schiffsbegrünung am Laufband und Briefmarken

Genauso ungewöhnlich und erwähnenswert wie die erste Gründach-Briefmarke ist die serienreife „Dach-Begrünung“ von Kreuzfahrtschiffen. Mittlerweile sind drei Luxusliner (der Erste war die „Celebrity Soltice“) mit einem Golfrasen auf dem Schiffsdeck ausgestattet worden. Dabei diente der Aufbau einer mehrschichtigen Dachbegrünung als Vorlage.

Nun ist es endlich soweit - es gibt eine 55-Cent-Briefmarke mit einem Gründach-Motiv. Nach Angaben der Deutschen Post, ist es die erste und einzige Briefmarke mit so einer Darstellung in Deutschland. Ein zweites Gründach-Motiv ist seit wenigen Tagen nun ebenfalls bei der gleichen Firma erhältlich.

Marktteilnehmer

Der Wettbewerb im Gründachmarkt hat sich nicht wesentlich verändert. Es gibt nur wenige große Systemanbieter, die aktiv Werbung für sich und die Dachbegrünung betreiben, neue Produkte entwickeln und sich auch bei den Verbänden engagieren. Dafür gibt es mehr Unternehmen, die versuchen mit einem bestimmten Produkt auf im Markt Fuß zu fassen. Es gibt einen Franchiseverbund, der mit seinen Partnerbetrieben (Garten- und Landschaftsbaubetriebe) bundes- und sogar europaweit aktiv ist und die Beziehung Dachbegrüner/Dachdecker hat sich auch nicht verändert. Der langjährige Betrachter der Gründachbranche kommt eher zu der Meinung, dass eine gewisse Marktauslese stattgefunden hat und die „Karten“ auf die im Markt bekannten Spezialisten verteilt sind. Es kommen kaum noch neue Anbieter und Ausführungsfirmen dazu.

Preissituation

Die Preise für ein begrüntes Dach sind auf einem relativ stabilen, recht günstigen Niveau und die größeren Objekte sind oftmals stark umkämpft. Es ist vor allem bei den großen Projekten nach wie vor üblich, dass die Dachbegrünung im Gewerk Dachabdichtung ausgeschrieben ist und der Dachbegrüner als Subunternehmer des Dachdeckers agiert. Das hat sich in den letzten Jahren ganz gut eingespielt - mit seinen Vor- und Nachteilen. Die Dachdecker begrünen je nach eigenem Auftragsbestand auch mal selbst, nutzen jedoch meist die Fachkunde und Effektivität der Garten- und Landschaftsbaubetriebe.

Aktuelle Forschungsergebnisse zur Umweltwirkungen

Neue Erkenntnisse zur Feinstaubminderung oder CO2-Bindung durch begrünte Dächer gibt es nicht in Deutschland. Es sind eher voreilige und marktschreierische Meldungen aus Übersee, die begrünte Dächer als Allheilmittel gegen alle Umweltkatastrophen sehen. Die deutschen Wissenschaftler sind eher realistischer, zurückhaltender oder noch nicht soweit. Als der österreichische Gründachverband (VfB) im letzten Jahr mit der Meldung aufwartete, dass ein Quadratmeter Gründach 1 kg CO2 pro Jahr binden würde, kam die Hoffnung nach belegbaren Fakten auf. Das Hinterfragen hat dann jedoch ergeben, dass sich die Werte ursprünglich auf Acker- und Grünlandflächen bezogen und für das Gründach umgerechnet wurden.

Wettbewerb Photovoltaik

Mur Vegetal de Patrick Blanc: Fassadengebundene Begrünungssyteme sind derzeit in Mode. Foto: Optigrün
Mur Vegetal de Patrick
Blanc: Fassadengebunde-
ne Begrünungssyteme
sind derzeit in Mode.
Foto: Optigrün
Der Photovoltaikboom stellt für die Dachbegrüner tatsächlich einen gewissen Wettbewerb da. Das meist eh schon geringe Budget des Bauherrn kann nur einmal ausgegeben werden und im Zweifelsfall entfällt oftmals die Begrünung. Auch die Städte sind verunsichert. Immer wieder ist zu hören, dass sie ihre Bebauungspläne mit festgesetzten Dachbegrünungen aufweichen und eher Photovoltaik zulassen und festlegen. Dabei ist der Spagat ja möglich und Photovoltaik und Dachbegrünung im gegenseitigen Nutzen kombinierbar. Durch die Kühleffekte der Begrünung und damit verbundenen Effektivitätssteigerung der Photovoltaikanlage amortisiert sich diese schnelle und das Gründach ist damit auch finanziert. Und so „nebenbei“ bietet ein Gründach eine Vielzahl an weiteren Möglichkeiten wie z.B. Schutz der Dachabdichtung, Regenwasserrückhalt, ökologischer Ausgleich u.v.m. Zudem gibt es auch Systemlösungen aus der Gründachbranche, die mit der Last des Begrünungsaufbaus die Photovoltaikaufständerungen lagesicher auf dem Dach fixieren, ohne in die Dachabdichtung einzugreifen. Diese Produktentwicklungen zeigen, wie die Gründachsystemanbieter mit innovativen Produkten auf neue Markttendenzen eingehen.

Windsog-Norm

Aufgrund neuer Erkenntnisse hat sich die Norm zur Windsogsicherung (DIN 1055-4) in den letzten Jahren geändert, so dass auch das Gründach davon betroffen ist. Die Berechnung der Windsog- und Verwehsicherheit ist nun umfangreicher und geht mehr auf die regionalen Verhältnisse ein. Die Gründachbranche geht bisher, bis auf eine Ausnahme, eher zurückhaltend mit der neuen Thematik um. Eines der marktführenden Unternehmen hat seine Systemlösungen schon im Windkanal testen lassen und kann die Auflast zur Windsogsicherung nicht nur berechnen, sondern mit den ermittelten Minderungsfaktoren auch ggf. minimieren.

CE-Kennzeichnung

Vor etwa drei Jahren hat die neu aufkommende Diskussion um „pro und contra“ CE-Kennzeichnung von Festkörperdränagen für unnötige Grabenkämpfe geführt. Die marktpräsenten Firmen haben sich (meist wider der eigenen Überzeugung und Vernunft) entschieden, eine CE-Kennzeichnung vorzunehmen, so dass die Sache bis Anfang diesen Jahres ruhte, doch dann kamen Signale vom Europäischen Norminstitut aus Brüssel, dass es keine Normengrundlage für eine CE-Kennzeichnung gäbe und eine Kennzeichnung sogar nicht statthaft wäre. Wie es aussieht, wird sich diese Diskussion in der Branche noch halten, hat jedoch i.d.R. für den Kunden keine Relevanz, da die Produkte mit oder ohne CE-Kennzeichen gleich sind.

Düngemittelverordnung

Wie für viele Marktteilnehmer schon die Diskussion um die CE-Kennzeichnung bei Festkörperdränagen realitäts- und praxisfern war, ist es ähnlich mit der seit Anfang des Jahres gültigen Düngemittelverordnung (DüMV). Dachbegrünungssubstrate unterliegen nun diesen Vorgaben mit der Folge, dass i.d.R. Recyclingstoffe (wie z.B. Ziegel und Schlacke) nicht mehr verwendet werden dürfen. Doch wie schon zu hören ist, steht demnächst wieder eine Novellierung der Verordnung an und es ist zu hoffen, dass Gründächer nach ihren Einsatzbereichen entsprechend berücksichtig werden.

Grundsatzurteile zu gesplitteten Abwassergebühr
 
Durch das Urteil des Verwaltungsgerichtshofs in Mannheim (Baden-Württemberg) haben die Städte eines weiteren Bundeslandes (nach Hessen und Nordrhein-Westfalen) die Aufforderung bekommen, eine gesplittete Abwassersatzung einzuführen. In der Regel werden dabei begrünte Dächer bei der Niederschlagswassergebühr als kostenmindernd berücksichtigt.

Europäische Norm zur Wurzelschutzprüfung

Was Lobbyismus bewirken kann, hat die Verabschiedung und Einführung der DIN EN 13948 „Abdichtungsbahnen – Bitumen-, Kunststoff- und Elastomerbahnen für Dachabdichtungen – Bestimmung des Widerstandes gegen Wurzelpenetration“ gezeigt. Die eigentlich weltweit anerkannte und seit Jahrzehnte bewährte FLL-Methode zur Prüfung der Wurzelfestigkeit von Bahnen und Beschichtungen wurden nicht einfach übernommen, sondern die Methode wurde „modifiziert“ (= entschärft) und mit der Quecke eine hinsichtlich Rhizomschutz aussagekräftige Testpflanze gestrichen.

4. Der aktuelle Markt: Fassadenbegrünung

Forschung

Im Unterschied zur Dachbegrünung gibt es bei der Fassadenbegrünung Untersuchungen und Fakten zur Wärmedämmung, Feinstaub- und CO2-Bindung und, beispielsweise durch Bepflanzungen mit Efeu und Wein.

Patrick Blanc, living walls und neue Systematik

Durch die gute Öffentlichkeitsarbeit und die vielen sehenswerte Projekte von Patrick Blanc ist eine bestimmte Art von Fassadenbegrünung in den letzten zwei Jahren extrem in den Fokus der Presse gerückt. Durch die populär gewordenen „living walls“ (lebende Wände) erfährt die Fassadenbegrünung momentan eine Wiedergeburt. Anhand der neu hinzugekommenen Mitglieder der Fachvereinigung Bauwerksbegrünung e.V. FBB ist schon zu erkennen, dass sich im Fassadenbegrünungsmarkt etwas tut. Es sind gerade aus diesem Bereich viele Firmen, die mit der Anregung von Patrick Blanc, oder auch mit einer eigenen ähnlichen Philosophien, die neue Fassadenbegrünungssysteme in Form von Vliesmatten, Kassetten o.ä. anbieten. Die „living walls“ sind Systeme, die losgelöst vom ebenerdigen Bodenanschluss sind. Es werden dabei verschiedene Stauden und Kleingehölze verwendet, die keine kletternde Eigenschaften haben. Die Pflanzen können bewusst in ihrer Auswahl und Zusammenstellung im wahrsten Sinne des Wortes so eingesetzt werden, dass Formen und Muster entstehen und die Fassaden eine Gestaltung erfährt. Da die Pflanzen keinen Kontakt mehr zu gewachsenen Boden mehr haben, ist eine erweiterte Bewässerungs- und Nährstoffversorgungstechnik zu integrieren.

Aufgrund der neuen Entwicklungen ändert sich auch die Systematik (Sprachgebrauch) der Fassadenbegrünungsarten. Man spricht jetzt von den „bodengebunden“ (= bisher üblichen Verfahren von Kletterpflanzen mit Bodenanschluss) und „fassadengebunden“ (ohne Bodenanschluss) Begrünungssystemen.

Da es nur wenige Firmen und Verfahren gibt, die sich über Jahre hinweg bewährt haben und eigentlich nur wenige (publizierte) Langzeiterfahrungen vorhanden sind, bleibt abzuwarten, wie sich das Thema entwickelt und längerfristig im positiven Sinn auch etabliert. Hier gibt es noch eine Fülle an Forschungsbedarf.

Preissituation

Für die „neuen“ fassadengebundenen Systeme sind relativ hohe Quadratmeterpreise anzusetzen (ca. 500 Euro) – doch offensichtlich sind die Bauherren bereit, das für besondere Imageprojekte auszugeben. Die Preise für die bisher üblichen, und nicht minder attraktiven bodengebundenen Systeme, sind in etwa gleich geblieben.

FBB-Förder-Umfrage

Bei der aktuellen FBB-Umfrage zur Dach- und Fassadenbegrünung hat sich gezeigt, dass die Städte, die „pro Gründach“ eingestellt sind, dies auch ähnlich für die Fassadenbegrünung sehen und diese ebenso oft wie die Dachbegrünung bezuschusst und in Bebauungsplänen festgelegt sind.

5. Der aktuelle Markt: Innenraumbegrünung

Die Innenraumbegrünung führt neben den Dach- und Fassadenbegrünungen eher ein Schattendasein. Es gibt nur wenige Firmen, die sich voll und ganz darauf spezialisiert haben und über das notwendige technische und vegetationstechnische know how verfügen. Ebenso gibt es keinen Verband, der das gesamte Spektrum der Innenraumbegrünung abdeckt. Durch die so stark beworbenen „living walls“, die auch im Innenraum eingesetzt werden können, gibt es auch hier neue Perspektiven.

Innenraumbegrünungen finden in den Fachzeitschriften meist dann Erwähnung, wenn namhafte, größere Projekte damit gestaltet wurden, wie beispielsweise das Verwaltungsgebäude der Lufthansa in Frankfurt.

6. Ausblicke

Verbandsarbeit

Es gibt verschiedene Verbände, die in der Summe zwar alle in irgendeiner Form Öffentlichkeitsarbeit für die Bauwerksbegrünung betreiben. Doch dabei lässt sich Doppel- und Mehrfacharbeit nicht vermeiden. Die Zusammenführung zu einem Verband zur Bauwerksbegrünung ist sicherlich effektiver und zielführender und das große Ziel des Vorstands der FBB.

Europa-Norm

Früher oder später wird es eine europäische Norm zumindest für die Dachbegrünung geben. Empfehlenswert ist es, wenn sich Deutschland dazu mehr engagiert als bisher und sich aktiv für die Federführung dieser EU-Norm über das Deutsche Institut für Normung bzw. die FLL bewirbt und kämpft.

Photovoltaik vs Gründach

„Miteinander und nicht gegeneinander“ ist auch hier das Motto. Die Gründachbranche und ihre Verbände müssen noch mehr die Nähe der Photovoltaikanbieter suchen und über Aufklärungsarbeit und Praxisbeispielen von den positiven Wirkungen überzeugen.

Lobbyarbeit/Politik/Städte
Eine richtige Lobbyarbeit pro Bauwerksbegrünung gab es bisher eigentlich nicht, wäre jedoch dringend von Nöten. Eine Voraussetzung dazu wäre wie angesprochen die Vereinigung der verschiedenen Branchen-Verbände und Erhöhung der Mitgliederzahlen und einem damit steigenden Budget. Viele Stadt- und Gemeinderäte müssen noch von den vielen Vorteilen begrünter Dächer und Fassaden überzeugt und alte Vorurteile ausgeräumt werden. Der Politik blieb der Themenbereich „Bauwerksbegrünung“ bisher weitestgehend verschlossen, zu dieser Erkenntnis muss man kommen, wenn man sieht, mit welchen gleichlautenden „Entschuldigungen“ zu Veranstaltungen eingeladen Politiker ihr Fernbleiben begründen und wie wenige Politiker sich mit Sachverstand für die Begrünung einsetzen. Man kann sich viel öfters vom Gegenteil überzeugen und von vorschnellen Aussagen gegen die Bauwerksbegrünung lesen.

Forschungsbedarf

Vor allem bei der Dachbegrünung gilt es Fakten zu CO2-Bindung, Feinstaubfilterung, Schallschutz und Wärmedämmung zu schaffen. Hierzu sind vor allem die Hochschulen und Verbände zum Handeln aufgefordert.

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