| Am Anfang steht ein Bauwille. Der Wunsch des Bauherrn zum Bauen. Mehr oder weniger klar und vollen Hoffens. Beim Bauen geht es ums Geld in Form von Beziehungen zwischen Menschen. Rechtlich als Auftraggeber (AG) und Auftragnehmer (AN). Kaufmännisch inmitten von Einkäufer und Verkäufer. Der springende Punkt aller Vereinbarungen sind der Leistungs-gegenstand, die Vergütung und die Fristen. Und sofort stellt sich die Frage nach den Kosten. Für die Bauherren und für die Firmen. Sichere Kosten stehen im Einklang mit der Qualitäts- und Vertragssicherheit. Der Bauherr als Auftraggeber will erfahren, was er für sein Geld bekommt. Und der Auftragnehmer sollte in der Ausführung wissen, wie viel Werksleistung für welche Vergütung zu erbringen ist. Kosten und Leistungsbeschreibung sind zwei Seiten einer Medaille.
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Praktisch kann mit einer
maßstäblichen Skizze
oder Fotographie begon-
nen werden. Bis zum Lei-
stungsverzeichnis sind es
jedoch viele Schritte.
Foto: fczuardi, Creative
Commons Attribution 2.0 |
1. Bau- und Leistungsbeschreibung samt Plänen
Von der Skizze über das Leistungsprogramm (LP) bis zum Leistungsverzeichnis (LV). Die Baulust wird mit Bildern geweckt. „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.“ Die Sprache des Architekten ist die Zeichnung. Sein Alphabet sind Striche. Aus dem Geflecht von Strichen entstehen Pläne. Ein graphischer Rahmen für die Bauleistung im Ganzen. Die zeichnerische Klärung ist eine wichtige Voraussetzung für das Aufstellen der Leistungsbeschreibung. Nach dem Vergabehandbuch (VHB 2008) müssen dafür sogar „die Ausführungspläne“ vorliegen. Siehe Vorbereitung der Vergabe, Punkt 4.3.1.
a) Graphische Leistungsbeschreibung mit DBD-Kostenkalkül
Praktisch kann mit einer maßstäblichen Skizze oder Fotographie schon begonnen werden. In Form von Bild- oder pdf-Dateien, die modellbasiert für die Ausschreibung aufbereitet werden. Unabhängig von CAD. Eingelesen als Hintergrundbild wird ein Referenzmaß festgelegt und die unterlegte Grafik nachgezeichnet. Daraus entstehen Kombinationen mathematischer Figuren. Über Koordinaten berechnen sich nach Gauss-Elling Mengen. Bauteilorientiert werden Linien, Flächen und Symbole markiert. Diesen werden Qualitäten zugeordnet. Nach der Kalkülmethode von Leibniz lassen sich aus den Beziehungen zwischen den Bauteilen mit deren Mengen und Eigenschaften Bauleistungen ableiten. Kalkülisierte Skizzen und Zeichnungen entschlüsseln Leistungen und Kosten.
Ein Gesamtprojekt wird in Projektbereiche, wie z.B. Geschosse, Dach, Erdberührte Bauteile gegliedert. DBD-Kostenkalkül gibt es derzeit für Geschosse sowie Steil- und Flachdächer. Die Bereiche Tiefbau, TGA und Außenanlagen sind in Arbeit und bald verfügbar.
Mit dieser graphischen und modellorientierten Leistungsbeschreibung kann das Mengen- und Vollständigkeitsrisiko für den Bauvertrag gemindert werden.
Einheitspreisvertrag: Mengen- und Vollständigkeitsrisiko hat Auftraggeber (AG)
Detailpauschalvertrag: Mengenrisiko hat AN, Vollständigkeitsrisiko hat AG
Globalpauschalvertrag: Mengen- und Vollständigkeitsrisiko hat Auftragnehmer (AN)
Eine wichtige Prämisse hierfür sind verursachungsgerechte Rezepturen von Leistungen für die Bauteile mit ihren Qualitäten und Beziehungen. Diese kann man in DBD-Kostenkalkül selbst anlegen oder es werden einfach die vorgefertigten DBD-Kostenelemente benutzt.
b) Leistungsprogramm (LP) und Elementmethode mit DBD-Kostenelemente
Die Bauteile sind das Bindeglied zwischen der baulichen Anlage und den Bauleistungen. Durch die Bauteile an sich entstehen keine Kosten. Verursacht werden Kosten durch Arbeiten an den Bauteilen. In Form von Leistungen. Egal ob sie lt. VOB/A § 1 "hergestellt, instand gehalten, geändert oder beseitigt" werden. Und Bauleistungen sind vertraglich zu beschreiben im Neubau, Bauen im Bestand und Rückbau.
Die bauliche Anlage und deren konstruktiven Bauteile können zusammenfassend auch als Leistungsprogramm (LP) beschrieben werden. Die VOB/A § 7 nennt zwei Formen für die Beschreibung der Leistung: LV und LP. Konzentriert werden funktionale und konstruktive Qualitäten dargestellt. Ein Programm von Leistungen, ergänzt mit Zeichnungen. Bekannt ist das LP vor allem als funktionale Ausschreibung.
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Ein Leistungsprogramm lässt sich in
ein Leistungsverzeichnis auflösen.
Im Bild die Vorstufe zur Berech-
nung einer elektrischen Anlage.
Foto: René Golembewski/pixelio.de |
Jedes LP lässt sich in ein Leistungsverzeichnis (LV) auflösen. Bauteilorientiert und verknüpft mit Kosten wird die Methode der Kostenelemente benutzt. Gebündelt und ursachenbezogen werden 1 bis n Teilleistungen aus der Besonderheit eines Bauteils generiert. Eine Checkliste von Einzelleistungen mit Mengen und Kosten. Für den Galabau haben wir mit Prof. Niesel und Prof. Thieme-Hack z.B. die DBD-Kostenelemente Freianlagen aufgebaut. Für Hochbau, Tiefbau und TGA gibt es weitere DBD-Kostenelemente, die aus einer LP-Beschreibung dynamisch LV-Positionen ermittelt. Dargestellt am einfachen Beispiel eines Gehweges.
Beschreibung LP: Gehweg LV-Positionen: Gehweg
60 m Gehweg einfach 2m breit Menge Kurztext EP € GB €
- Unterbau: Schottertragschicht 36 m³ Oberboden abtragen… 32,00 1152,00
- Dicke: 19 cm 120 m² Planum … 0,70 84,00
- Bodenklasse: 4 120 m² Schottertragschicht … 6,50 780,00
- Betonsteinpflaster: einfach 120 m² Nachverdichten DPr1 … 1,20 144,00
- Entwässerung: Linienprinzip 120 m Betonbord TB 10/25 … 18,60 2232,00
- Rinnenart: Muldenrinne 1 St Strassenablauf 1a- … 148,00 148,00
- Rinne: Natursteinpflaster 120 m Pflasterstreifen Granit …31,80 3816,00
- Randeinfassung: Betontiefbord 120 m² Betonpflaster 80mm …33,20 3984,00
pauschal: 12.340,00 € zzgl. 19 % M.wst. Nettosumme 12.340,00
Mit den DBD-Kostenelementen erfolgt auf der linken Seite eine flexible Auswahl zur LP-Beschreibung. Global und Pauschal. Dynamisch wird daraus ein Kostenelement ermittelt. In der Struktur von Menge, Kurztext, EP und GB. Detailliert und Pauschal durch Weglassen der Menge, EP und GB sowie der Wandlung des Kurztextes in einen Langtext. Betrachtet man die Zeilen des Kostenelementes als Positionen, die man Löschen, Ändern und Hinzufügen kann, so leitet sich daraus ein Leistungsverzeichnis für den Einheitspreisvertrag ab.
c) Leistungsverzeichnis (LV) mit STLB-Bau Dynamische BauDaten
Die Beschreibung der Leistung soll nach der VOB/A §7 “in der Regel durch … ein in Teil-leistungen gegliederte Leistungsverzeichnis beschrieben werden.“ Dabei sollten folgende Grundsätze beachtet werden, die ich gerne als VENTO-Prinzip bezeichne:
Vollständig - erschöpfend den Leistungsumfang beschreiben
Eindeutig - AG und AN (Bieter) verstehen sie im gleichen Sinne
Neutral - Grundlage des Wettbewerbes, europäisches Recht
Technisch richtig - anerkannte Regeln der Technik, z.B. nach DIN
Objektindividuell - passgenau zur Baustelle und zur baulichen Anlage
Für die VOB- und DIN gerechte Beschreibung der einzelnen Leistungen dient das STLB-Bau. Ausgereift und Standardisiert. Zweimal im Jahr gepflegt. Vom GAEB aufgestellt, vom DIN herausgegeben und von Dr. Schiller & Partner GmbH mit Dynamischen BauDaten technisch umgesetzt. Durch den „baugenetischen“ Code lassen sich aus den Kosten-elementen automatisch die originalen Langtexte generieren. Aber auch Baupreise und Kostenansätze. Für das obige Beispiel würde auszugsweise dieser Text bereitgestellt:
STLB-Bau 2010-04 80 KG 522
Bordstein Beton TB 10/25 Absenkungen Fundament Beton C12/15 D 20cm
Bordstein aus Beton, DIN EN 1340, Maße DIN 483, Form TB 10/25, Witterungswiderstand A,
Abriebwiderstand F, Biegezugfestigkeit S, einschließlich Absenkungen mit Fundament aus
Beton mit einer Zusammensetzung C 12/15 DIN EN 206-1 und DIN 1045-2, Dicke 20 cm.
Das Leistungsverzeichnis ist mit dem dynamischen STLB-Bau schnell und aktuell zu VOB und DIN aufgestellt. Rationell werden mit Schlagworten automatisch Texte vervollständigt. Und die variablen Favoritenlisten verbinden STLB-Bau mit der herkömmlichen stammdaten-orientierten Arbeitsweise. Modellbasiert wird im Zusammenspiel mit DBD-Kostenelementen und dem graphischen DBD-Kostenkalkül eine hohe Effizienz erreicht. Nicht nur für die Beschreibung der Leistung, sondern auch für die Ermittlung der Kosten.
2. Berechnung und Kalkulation der Kosten mit Dynamischen BauDaten
Kosten sind Mengen-Wert Gerüste. Qualitäten werden mit Geld bewertet und über die Mengen verknüpft. So berechnen Planer die Kosten nach der DIN 276. Analog kalkulieren Ausführende ihre Angebotspreise und Arbeitsvorbereitung.
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Auch Elemente dieses Gartens las-
sen sich mit DBD-Baupreisen be-
schreiben. Qualitäten werden mit
Geld bewertet und über die Mengen
verknüpft. Foto: BGL |
a) Kostenberechnung nach DIN 276 mit DBD-Baupreise
Für eine Bauleistung gibt es nach Marktlage viele angebotene Baupreise. Von mehreren Bietern. Abhängig vom Projekt und der Beschreibung der Leistung. Zur Orientierung helfen Vergleiche. Orientierungspreise mit Zeitwert und Preisanteilen zur Kostenberechnung und Beurteilung von Angeboten. Für das obige Beispiel wäre ein mittlerer Baupreis (Deutschland) von 15,80 €/m - 22,00 €/m. Der Zeitwert mit 0,35 h/m aufgeteilt in Verlegen und Betonieren. Der PA Lohn von 9 bis 14 €/h und PA Stoffe von 6 bis 8 €/m. Regional verschieden. Mit DBD-Baupreise werden diese regional und nach Preisanteilen aufgeschlüsselt. Zeitwert, Löhne, Stoffe, Geräte und SoKo sind zur Interpretation ausgewiesen. Ändert sich die Leistung, ändert sich der Baupreis. Mit der zugeordneten DIN 276 kann danach eine Kosten-berechnung automatisch durchgeführt werden.
b) Kostenkalkulation mit DBD-Kostenansätze
Der Baupreis vereint die Einzelkosten (EKT) und den Deckungsbeitrag (DB). Zum einen die direkt von den Leistungen abhängigen EKT. Zum anderen die Umlagen für Baustelle, Betrieb sowie Wagnis und Gewinn - als DB (BGK+AGK+W&G) indirekt den Leistungen zugeordnet. Mit den DBD-Kostenansätzen werden für STLB-Bau sofort die EKT bereitgestellt. Detailliert die Bedarfsmengen und Verrechnungspreise für Löhne, Baustoffe (Material), Bauhilfsstoffe, Geräte, Betriebsstoffe sowie Sonstige Kosten. Ohne vorheriges Anlegen von Stammdaten können projektbegleitend Erfahrungswerte eingepflegt werden, die bei Datenaktualisierung erhalten bleiben. Liegt ein Leistungsverzeichnis mit STLB-Bau vor, wird dies wie von selbst mit den DBD-Kostenansätzen und den von ihnen „gelernten“ Erfahrungswerten kalkuliert.
c) Kalkulation von Angeboten und Nachträgen mit x:bau
Mit dem Leistungsverzeichnis und den dynamisch kalkulierten Einzelkosten werden nunmehr die Angebots- und Nachtragskalkulation rechnerisch zusammengefasst. Über vorbestimmte Zuschläge oder über die Endsumme werden die Angebotspreise berechnet. Das beauftragte Angebot (Bau-Soll) kommt zur Ausführung. Bei Vertragsabweichungen ist auf Verlangen die Vergütung anzupassen. Solche Nachträge sind kalkulatorisch nachzuweisen und zu prüfen. Auf der Basis des Preisniveaus des Hauptangebotes und der kalkulatorischen Grundlagen, wie Urkalkulation oder EFB-Preisangaben.
Vergütungsanpassungen nach VOB/B § 2 für Zusätzliche Leistungen, Leistungsänderungen, Wegfall von Leistungen oder Minder- und Mehrmengen sind zu vereinbaren. Gesondert für jeden einzelnen Nachtrag durch eine vereinbarte EP-Anpassung. Oder zusammengefasst durch eine Ausgleichsberechnung in der Schlussrechnung. Des Pudels Kern bei den Nachträgen ist die Über- oder Unterdeckung. Teilkündigungen und Mindermengen führen zu Unterdeckungen - Mehrmengen und zusätzliche Leistungen zu Überdeckungen. Im Saldo sind sie auszugleichen. Damit schmelzen die einzelnen Nachtragsforderungen ab. Von den EKT zusätzlicher Leistungen abgesehen. Nachträge können sich durch Überdeckungen in Luft auflösen. Die Ausgleichsberechnung kann Auftraggeber oder Auftragnehmer angenehm oder unangenehm überraschen.
Fazit
Bauaufträge sind das Wahre von der Wiege bis zur Bahre. Solange die Preise stimmen. Im Kreislauf von Angebot, Ausführung, Nachtrag und Abrechnung. Letztendlich entscheiden die Kosten. Zu kalkulieren über die Leistungsbeschreibung. Effektiv und modellbasiert mit Dynamischen BauDaten: Von der Skizze bis zum Nachtrag.
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