Die Funktionen einer Hecke
Nun hat der Mensch nicht aus reiner Nächstenliebe einen tollen Nistplatz für Vögel schaffen wollen und auch der Versteckplatz für kleine Nager war ihm relativ egal. Sein Interesse galt vielmehr den anderen Eigenschaften von Pflanzen, die ihm in seinem Garten von Nutzen sein sollten.
Der ursprüngliche Zweck der Hecke war der mechanische Schutz einer Anpflanzung, das Einzäunen einer vom Menschen genutzten Fläche. Jeder, ob Mensch oder Tier war egal, sollte von Weitem schon sehen: „Halt, das ist meins. Du kommst hier nicht rein.“
Erst viel später stellte der findige Gärtner fest, dass da noch mehr geht. Hecken werden im Gartenbau immer häufiger als Gestaltungselemente genutzt. Gerade Formschnitthecken galten in der Zeit der Renaissance und des Rokoko als „todschick“ und wurden bis in Form der Baumwände zur Hochkultur getrieben. Noch heute kann man solche Konstruktionen im Park des „Alten Fritz“ in Potsdam Sanssouci oder in den Herrenhäuser Gärten in Hannover bewundern. Historisch belegt ist dabei die Nutzung von Taxus baccata, Carpinus betulus und Buxus sempervirens, um nur ein paar wenige in Frage kommenden Pflanzen zu nennen. Neben der Abgrenzung, als häufigster Variante des Heckeneinsatzes, kamen im Laufe der Zeit Funktionen wie Lärmschutz, Sichtschutz und Windschutz hinzu. Pflanzen ermöglichen durch ihren dichten Wuchs eine erhebliche Dämpfung von Lärmpegeln und grenzen natürlich auch optisch bestimmte Bereiche im Garten ab. Für den Windschutz eignen sich besonders immergrüne Exemplare, beispielsweise Thuja, Chamaecyparis, Prunus laurocerasus, aber auch sommergrüne Pflanzen wie Carpinus betulus und Fagus sylvatica, die durch ihren dichten Wuchs und zum Teil auch durch die Eigenschaft abgestorbenes Laub noch bis zum Neuaustrieb zu halten, kommen für diesen Zweck in Frage.
In der Neuzeit finden Hecken auch ihren Einsatz als Ausgleichpflanzung. Sie werden als Ersatz für Vegetationsflächen gepflanzt, die für Baumaßnahmen benötigt wurden. Seltener findet man in Gärten die „Nutzhecke“. Das klingt komisch, ist aber so. Hecken deren Sinn darin besteht, irgend etwas für die Nutzung für den Menschen zu produzieren. In großen Bauerngärten hat man die Möglichkeit, freiwachsende Hecken beispielsweise aus Corylus avellana, Cornus mas oder Amelanchier lamarckii zu installieren.
Zum Schluss sind natürlich auch alle Funktionen vorhanden, die man allen Pflanzen zuschreibt: Sie sind nicht nur Sauerstoffproduzenten, sondern auch Staubfänger oder Klimaverbesserer.
Die Formschnitthecke
Unter dem Begriff „Formschnitthecke“ versteht man eine meist einreihige Hecke, die aus schnittverträglichen Gehölzen besteht und die in eine bestimmte Form geschnitten wurde. Dabei unterscheidet man im Großen und Ganzen zwischen drei verschiedenen Schnittformen.
Der Kastenschnitt (A) bei Hecken ist die wohl am häufigsten angewandte Art des Formschnittes. Sie wird bei fast allen Heckenhöhen (Ausnahme sind die Baumwände) praktiziert. Kastenförmig geschnittene Hecken mit einer abgerundeten Oberseite (B) sind bei hohen Hecken unüblich. Bei Einfassungshecken sieht man diesen Schnitt in historischen Parkanlagen wieder häufiger.
In Trapezform (C) werden Hecken bei größerer Heckenhöhe geschnitten (Baumwände), aber auch Hecken in einer Höhe von 1,00-2,00 m sehen als Trapezschnitt sehr dekorativ aus.
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| Grafiken, Fotos: Uwe Bienert |
Reihenfolge der Arbeiten beim Pflanzen von Formschnitthecken mit Ballenware
Beim Pflanzen von Hecken, die zu Formschnitthecken erzogen werden sollen, lohnt es sich immer statt mehrerer Pflanzlöcher einen Graben für die Pflanzen aus zu heben. Erst ab einem Pflanzabstand von über 0,80 m werden einzelne Pflanzgruben effektiver. Der Graben sollte 1,5mal so breit sein wie der Ballen. Die Kriterien für ein Pflanzloch aus der DIN 18916 gelten auch hier. Um die Hecke gut ausrichten zu können ist es empfehlenswert sich eine Schnur in Wurzelhalshöhe zu spannen. (1)
Danach erfolgt das Ausstellen der Pflanzen nach vorgegebenen Pflanzabstand entlang der gespannten Schnur. Es lohnt sich dabei immer schon durch die Baumschule vorgezogene Heckenpflanzen zu nutzen, da dort der erste Formschnitt entfällt. Die Ballenware erhält dabei keinen Pflanzschnitt. Schon beim Ausstellen wird auf einen späteren Dichtegrad geachtet. (2)
Die Ballentücher werden gelöst und seitlich in die Grube verbracht. Der Pflanzgraben wird unter Berücksichtigung des Ausrichtens der Pflanzen geschlossen. (3) Letzter Schritt ist die Anlage eines Gießgrabens oder einer Gießrinne, da nicht um jede Pflanze ein Gießring gezogen wird. (4)
Reihenfolge der Arbeiten beim Pflanzen von Formschnitthecken mit wurzelnackter Ware
Wurzelnackte Ware wird in Bündeln geliefert. Dies müssen vor der Verarbeitung der Pflanzen geöffnet und die Einzelexemplare auf Beschädigungen und Krankheiten untersucht werden. (5) Danach erfolgt der Pflanzschnitt bei den Wurzeln. Da man davon ausgehen muss, das die Pflanzen nach der Pflanzung noch um etwa ein Drittel bis die Hälfte ihrer Höhe zurückgeschnitten wird, erfolgt der Wurzelschnitt im gleichen Verhältnis. (6) Danach erfolgt das Auslegen der Pflanzen in den vorbereiteten Pflanzgraben. Es ist auf den erforderlichen Pflanzabstand zu achten (7)
Unter Zuhilfenahme der in Höhe des Wurzelhalses gespannten Schnur werden die Pflanzen eingesetzt und durch kräftiges Festtreten der Bodenschluß garantiert. Ein um die Hecke gezogener Gießrand oder eine Gießrinne helfen bei der Versorgung mit Wasser. (8) Die Schnur wird an den Eisen jetzt in die vorgesehene Anfangshöhe der Hecke gebracht und mit geeignetem Schnittwerkzeug die Heckenpflanzen gekürzt. (9)
Die freiwachsende Hecken
Als freiwachsende Hecken werden solche Hecken bezeichnet, die nicht durch einen strengen Schnitt in eine klare geometrische Form gebracht werden. Der Vorteil liegt klar auf der Hand: der Schnittaufwand ist geringer als bei Formschnitthecken.
Allerdings benötigen diese Hecken deutlich mehr Platz wie ihre geschnittenen Verwandten. Der Durchschnitt der Heckenbreite liegt bei 1,50 bis 2,00 Meter. Dies ist ungefähr die Hälfte der gewünschten Wuchshöhe. Sie werden in der Regel mehrreihig gepflanzt. Ausnahmen bilden die Feldrainhecken, die als Begrenzung in der freien Landschaft durchaus schon mal 4,00 bis 6,00 Metern Breite und auch eine entsprechende Höhe erreichen dürfen. Die Funktion der freiwachsenden Hecke ist nicht nur die Begrenzung sondern durch die Auswahl der Pflanzen werden auch optische Blickfänge (Blütenhecke) geschaffen.
Fertigstellungs- und Entwicklungspflege
Die Fertigstellungspflege bei freiwachsenden und Formhecken entspricht der bei Gehölzpflanzungen. Bei der entwicklungspflege ist der Auswand bei einer Formhecke umfassender als bei anderen Gehölzpflanzungen. Dazu legt die DIN 18919 Folgendes fest: „Während der Entwicklungszeit sind Formhecken durch Erziehungsschnitt aufzubauen. Fertige Hecken sind zur Erhaltung der Form entsprechend dem Zuwachs zurückzuschneiden.“
Beim Schnittzeitpunkt ist darauf zu achten, dass aus Natur- und Umweltschutzgründen Formhecken nur zu festgelegten Zeiten geschnitten werden dürfen. Das Ordnungsamt der Stadt oder der Gemeinde erteilt dazu Auskunft. Hecken aus sommergrünen Pflanzen werden im Jahr zweimal geschnitten. Der erste Schnitt sollte erst gegen Ende Juni durchgeführt werden (Brutvögel!), der zweite Ende August bis Ende September.
Bei den meisten immergrünen Gehölzen und speziellen Nadelgehölzen genügt meistens ein Schnitt pro Jahr, der am besten vor dem Austrieb im März/April oder nach dem Triebabschluss im Herbst erfolgt.
Es darf immer nur der ein-, bzw. diesjährige Zuwachs beschnitten werden, da sich die entstandenen Löcher nicht oder nur sehr langsam reparieren lassen. Bei Taxus baccata und Prunus laurocerasus kann diese Regel auch außer Acht gelassen werden, da sich diese Pflanzen bis ins ältere Holz zügig regenerieren.
Der Schnitt des Buxus sempervirens erfolgt im Mai, da ein zu früher Schnitt im April die Gefahr der Beschädigung durch Spätfröste an den Schnittstellen mit sich bringt. Danach erfolgt der Neuaustrieb. Bei immergrünen Laubgehölzen darf nicht bei starkem Sonnenschein geschnitten werden, da dann die Schnittstellen übermäßig eintrocknen. Bei großblättrigen Laubholzhecken ist auf verdeckten Schnitt zu achten. Diese Arbeitsweise sichert, dass die Blätter nicht beschädigt werden.
Abnahmefähig sind Gehölzpflanzungen zu dem Zeitpunkt, an dem die Sicherheit über den Anwuchserfolg besteht. Bei Gehölzpflanzungen ist der Anwuchserfolg im Regelfall ab letztem Drittel des Monats Juni m Durchtrieb zu erkennen. Direkt nach der Pflanzung abnahmefähig sind Gehölzpflanzungen bei einem vereinbarten Verzicht auf Leistungen der Fertigstellungspflege.
Nächsten Monat lesen Sie: „Hau den Lukas – Kleine Plattenlegekunde“
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