| Das Pflanzen von Bäumen und Großsträuchern nimmt einen breiten Raum im Tätigkeitsfeld des Landschaftsgärtners ein. Ob diese Pflanzen richtig anwachsen und gedeihen und damit ihrem neuen Besitzer lange Zeit den Garten oder die öffentliche Anlage dominieren und verschönern, hängt maßgeblich von der richtigen Pflanzung und der richtigen Versorgung während des Anwachsprozesses ab.
Viele Faktoren spielen dabei eine nicht zu unterschätzende Rolle. Zum Einen sind da die Vorbereitungsarbeiten: die Analyse des Bodens und die Auswahl der richtigen Standorte und Materialien. Zum Anderen hängt ein sicheres Anwachsen von der richtigen Anbindung und der nachfolgenden Pflege des Baumes oder Großstrauches ab.
Viele Hinweise und Anhaltspunkte findet man in den entsprechenden DIN-Normen und in den Dokumenten der FLL.
Kriterien und Arbeitsschritte beim Anlegen einer Pflanzgrube nach DIN 18916
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| Grafiken: Uwe Bienert |
1.) Die Pflanzgrube soll der Ballen- oder Wurzelgröße (bei ballenloser Ware) angepasst sein und in der Länge und Breite ca. 1,5mal so groß sein wie der Durchmesser des Ballens oder Wurzelraumes. Dieser Spielraum wird benötigt um die Pflanze in die richtige Position zu bringen, Ballentuch oder Drahtkorb in der Pflanzgrube problemlos unterbringen zu können und um selbst genügend Arbeitsraum beim Antreten zu haben. Es ist dabei anzustreben, dass die Abweichung vom geplanten Standort +/- 10cm nicht überschreitet.
2.) Die Trennung des Oberbodens vom Unterboden ist eine wichtige Maßnahme zur Erhaltung der Bodenstruktur. Im Oberboden sind Bodenlebewesen (Edaphon) für die Zersetzung der vorhanden en organischen Bestandteile des Bodens verantwortlich. Diese organischen Substanzen werden von ihnen unter Verbrauch von Sauerstoff in pflanzenverfügbare Nährstoffe umgewandelt. Bringt man nun diesen „Minilebensraum“ in untere Bodenschichten fehlt zum Überleben der Sauerstoff. Die Bodenlebewesen sterben ab und das organische Material bleibt für die Pflanzen nicht erreichbar zurück. Bei auftretender Bodennäss entwickelt sich (da kein Sauerstoff vorhanden ist) ein Fäulnisprozeß, dessen Endprodukte, wie z.B. Methangas, pflanzenschädlich sind und den Wachstumsprozeß der Pflanze negativ beeinträchtigen können.
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3.) Stoffe zur Verbesserung der Bodenqualität setzt man in der Regel dann ein, wenn der vorhandene Boden nicht die für das Pflanzenwachstum optimalen Parameter aufweist. Man unterscheidet dabei zwischen organischen (Komposte, Mulchstoffe, Strohhäcksel u.ä.) und mineralischen Stoffen (Kalk, Sand, Kies, Bims, Lava, Steinmehl, Blähton usw.). Während die mineralischen Stoffe in erster Linie zur Verringerung oder Verstärkung der Plastizität, der Verbesserung der Wasserdurchlässigkeit, der Erhöhung der Belastbarkeit, zur Vergrößerung oder Verkleinerung des Porenvolumens und der Strukturstabilität des Boden benötigt werden, sind die organischen Stoffe unter anderem für die Verbesserung des Wasserhaushaltes (Speicherung und Verfügbarkeit), für den Nährstoffgehalt und zur Versorgung der Mikroorganismen verantwortlich.
4.) Die Grubensohle der Pflanzgrube kann durch verschiedene Einwirkungen in einen verdichteten Zustand gebracht worden sein.. Zum Einen kann von der Bodenstruktur her ein sehr bindiger Boden (Lehm, Ton usw.) vorhanden sein, zum Anderen wird die Grubensohle beim Aushub mit Maschinen (Minibagger) mechanisch verdichtet. Diese Bodenverdichtung muss beseitigt werden, da sich sonst an dieser Stelle Stauwasser bildet. Eine Aufrauhung der Grubenwände ist nur bei bindiger Bodenkonsistenz notwendig. Dadurch wird der Pflanze eine bessere Möglichkeit geboten sich im Umland zu verankern und einen „Drehwuchs“ in der Grube zu verhindern.
5.) Die Düngung von neugepflanzten Bäumen sollte in der Grube mit einem Startdünger erfolgen, welcher der Pflanze schnell zur Verfügung steht. Im Traufbereich der Pflanzung verwendet man besser einen Depotdünger um der Pflanze auf lange Sicht Nährstoffe zur Verfügung zu stellen.
6.) Steine und Unrat sind aus der Pflanzgrube zu entfernen.
Anmerkung zur Grubenverfüllung als Praxistipp
Besonders wichtig ist es, das Material der Grubenverfüllung abhängig
von dem Material des gestandenen Bodens auszuwählen. So wirken lockere Substrate mit großem Porenvolumen im Pflanzloch bei einem bindigen Boden im Umfeld der Pflanzung wie eine „Sickergrube“. Das Wasser fließt in der Grube zusammen.
Noch dazu kommt die Tatsache, das die Jungpflanze nicht in den harten Boden des Umlandes eindringt und im Pflanzloch weiter wächst. Sie kann sich nicht richtig verankern. Sie findet in der Pflanzgrube nach kurzer Zeit keine Nährstoffe mehr. Es tritt der so genannte „Blumentopfeffekt“ ein.
Auszug DIN 18916
… Pflanzlöcher oder -gruben sind in einer Breite auszuheben, die dem 1,5fachen Durchmesser des Wurzelwerkes oder des Ballens entspricht….
…Beim Aushub des Pflanzloches ist der Oberboden vom übrigen Aushub zu trennen und bei der Pflanzung wieder als oberste Schicht einzubringen….
… Verfestigungen der Pflanzlochwände und –sohlen sind zu beseitigen…
… Bei einer Verbesserung des Bodens durch Zuführen geeigneter Stoff müssen eine gleichmäßige Verteilung und Einarbeitung erfolgen…
… Vorratsdüngung ist im Regelfall vor der Pflanzung oder Rasenherstellung einzuarbeiten. Menge und Art der Düngung sind dem Nährstoffgehalt des Bodens, der Jahreszeit und dem Verwendungszweck anzupassen…
Der Pflanzschnitt bei Bäumen
Was sagt die DIN 18916 (Auszug)?
… Gehölze ohne Ballen sind in der Regel unter Berücksichtigung der Art und Größe, sowie der Standortbedingungen und Jahreszeit zurück zu schneiden oder auszulichten. Bei Heistern, Stammbüschen, Halb- und Hochstämmen ist dabei die natürliche Wuchsform zu erhalten...
…Containerpflanzen werden… nicht geschnitten. Bei Ballenpflanzen erfolgt bei Bedarf ein Auslichtungsschnitt….
… Beschädigte Pflanzenteile müssen entfernt und Wunden glatt geschnitten werden…
… Bei Gehölzen sind Wunden mit einem Durchmesser >3cm mit Wundbehandlungsmittel zu behandeln…
Diese Aussagen gelten allgemein und insbesondere für Bäume einer Sortierung H 3-4xv.
Der Pflanzschnitt an Jungbäumen (H 1-2xv) stellt an den Landschaftsgärtner besondere Anforderungen. Dieser Schnitt bildet in der Regel die Grundlage für ein natürliches, Habitus gerechtes Wachstum. Fehler und Versäumnisse beim Jungbaumschnitt rächen sich in späteren Jahren. Korrekturen im Alter sind, wenn überhaupt noch ausführbar, aufwendig und kostspielig. Außerdem führen sie zu großen Verletzungen des Baumes.
Auszug aus dem Fachbericht zur Pflege von Jungbäumen und Sträuchern (Ausgabe 2008) der FLL
…Nach fachgerechter Pflanzung sind an Jungbäumen Erziehungs- und Aufbauschnitte durchzuführen...
…Wesentlicher Zweck dieser Schnittmaßnahmen ist die frühzeitige Beseitigung von Fehlentwicklungen und der Aufbau eines stabilen, artgerechten Konengerüstes..
…Dabei handelt es sich… um Beseitigung von Konkurrenztrieben, Zwieseln, Drehästen, sich reibenden und kreuzenden Ästen sowie instabilen Trieben…
Das Grundprinzip der Schnittmaßnahmen an Solitärbäumen und an Hochstämmen (Sol / H 4-5xv) die schon in den Bereich der Großbaumverpflanzung zu zählen sind, ist in der DIN 18916 (siehe oben) beschrieben. Abweichend davon empfiehlt die FLL Folgendes:
Auszug aus den ZTV Großbaumverpflanzung (Ausgabe 2005) der FLL
…Abweichend von der DIN 18916,… soll das Kronenvolumen dem verringertem Wurzelvolumen angepasst werden...
…Die Schnittmaßnahmen sind nach der ZTV – Baumpflege (Kronenpflege und Kronenauslichtung) auszuführen….
Auszug aus den ZTV Baumpflege(Ausgabe 2006) der FLL
…unerwünschte Entwicklungen im Kronenbereich (Zwieselbildung) sind vorzubeugen...
…tote, kranke, absterbende, sich kreuzende oder reibende Äste sind abzuschneiden….
…überzählige Wasserreiser sind auszudünnen…
…Der Habitus des Baumes darf nicht verändert werden…
…Werden Stamm- oder Stockaustriebe entfernt, sind sie an der Basis flach und nur im Triebdurchmesser abzuscheiden…
Jetzt wird gepflanzt!
Ganz recht, auch da gibt es Regeln, die eingehalten sein wollen. Im Schema sind die einzelnen Punkte aufgeführt.
Nächsten Monat lesen Sie: „Drei Dinge die ein Mann tun sollte – Teil 2 (Die Baumanbindung
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