| Seit zwei Monaten ist August Forster Präsident des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL). Der 54-jährige steht vor der Aufgabe, den Verband zu professionalisieren und der grünen Branche gemeinsam mit dem Produktionsgartenbau ein neues Dach zu geben. Der Neuen Landschaft gab er Einblick in das, was ihn beruflich antreibt und wo er ganz privat seine Batterien wieder auflädt.
Wohnsitz auf dem Betriebsgelände
Die Ernst-Robert-Curtius-Str. 31 in Bonn-Buschdorf ist das Zentrum des Forsterschen Lebens. Das 5.000 m² große Betriebsgelände beherbergt nicht nur die Forster Garten- und Landschaftsbau GmbH, es ist auch der Wohnsitz des BGL-Präsidenten und seiner Ehefrau Petra. Der Betrieb wurde von seinem Vater 1950 als Friedhofsgärtnerei mit fünf Mitarbeitern gegründet. Nach der Übernahme durch die zweite Generation wurde er konsequent in Richtung GaLaBau ausgebaut. Heute hat das Unternehmen 75 Mitarbeiter.
Dabei ist das Unternehmen ein typischer Familienbetrieb geblieben. Zu den Mitarbeitern zählt nicht nur Forsters Ehefrau Petra. Seit kurzem ist auch Sohn Mathias Assistent der Geschäftsleitung. Rund 50 Prozent des Umsatzes werden durch Pflege und Unterhalt erwirtschaftet. Waren es bis 1990 meist öffentliche Auftraggeber, die Geld brachten, stellte sich der Betrieb nach dem Hauptstadtumzug vom Rhein an die Spree erfolgreich auf Privat- und gewerbliche Kunden um.
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Für Besucher wurde unmittelbar am
Eingang zum Park ein Kulturhaus
gebaut. Bis zu 50 Personen finden
dort Platz. |
Ausgeprägter Sinn für das Marketing
Drei Standorte mit einem eigenen Geschäftsprofil spiegeln die Schwerpunkte wider: Am Hauptsitz in Bonn-Buschdorf ist neben der Geschäftsführung die Bautechnik beheimatet. In Bonn-Auerberg, kaum einen Kilometer von der Zentrale entfernt, werden Privatgartenkunden betreut. Mit einem Showroom in einem historischen Gewächshaus, Mustergärten und der Planungsabteilung soll dort bald ein Beratungszentrum für Privatkunden entstehen. In Alfter am Bonner Stadtrand ist die Pflegeabteilung mit etwa 50 Prozent der Mitarbeiter beheimatet.
Was die die Forster Garten- und Landschaftsbau GmbH auszeichnet, ist ein ausgeprägter Sinn für das Marketing. Der Wunsch nach Investitionen ins Grün soll mit lustvollen Gefühlen mobilisiert werden. Eine 20-seitige Imagebroschüre zeigt großformatige Fotos von gemütlichen Terrassenplätzen, weiten Baumkronen und bunten Hanggärten. Im Garten-Showroom arbeitet eine im Verkauf und Kundenbindung geschulte Floristin. Potenzielle Auftraggeber werden regelmäßig mit Einladungen zu Garten-Events beschickt. Von Forsters Sinn für Marketing hat auch der BGL profitiert. 2001 wurde er zum Ideengeber der Image- und PR-Kampagne der Landschaftsgärtner, die eine Trendwende im Ansehen der grünen Branche herbeigeführt hat.
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Forster widmet dem Landschafts-
park in Königswinter-Thomasberg
einen großen Teil seiner Freizeit. |
Ein Park am Hang des Siebengebirges
Vor zehn Jahren erwarb der Bonner Landschaftsgärtner, den Park am Blauen See. Der 3,5 Hektar große Garten wurde in den 60er Jahren vom Landschaftsarchitekten Heinrich Raderschall auf dem Gelände eines früheren Basaltsteinbruchs in Königswinter-Thomasberg angelegt. Er liegt an einem Hang des Siebengebirges, bietet auf verschiedene Ebenen immer wieder neue, reizvolle Perspektiven. Wiesenflächen und Waldbereiche mit verwunschenen Wegen wechseln einander ab.
Die schönsten Plätze sind mit lauschigen Terrassen ausgestattet. Je nach persönlicher Gefühlslage gibt es die Wahl zwischen einem Panorama des Siebengebirges, eine Aussicht in weite Baumkronen, einen Blick auf hügelige Rasenflächen mit blühenden Beeten und Gehölzen oder auf den von alten Bäumen umschlossenen Blauen See. Er hat eine Wasseroberfläche von 7.000 m², ist 15 Meter tief. Gespeist wird er von unterirdischen Quellen, entstand nach Schließung des Steinbruchs ganz von selbst.
Delikate Aufgaben sind Chefsache
Forster widmet dem Landschaftspark einen großen Teil seiner Freizeit. Wenn andere am Wochenende mit Carry- oder Cartbag auf den Golfplatz ziehen, nimmt er Säge und Schere, um edle Pflanzen fachgerecht zu beschneiden. Zwar gibt es Mitarbeiter, die den Garten gut in Schuss halten, um delikate landschaftsgärtnerische Aufgaben kümmert sich der Chef jedoch gerne selbst. Abends sitzt er dann auf seinem Lieblingsplatz, einer Bank am Hang hoch über dem Blauen See. Dort fängt sich die Wärme der Sonne selbst an kalten Wintertagen und in der Nacht spiegeln sich Mond und Sterne im dunklen Wasser.
Bei den Pflanzengruppierungen achtet Forster auf eher selten verwendete Arten, die sich gut mit der heimischen Vegetation vergesellschaften lassen. Beim Besuch im Herbst fallen besonders der orangerot-violette Wald-Tupelobaum (Nyssa sylvatica), der scharlachrote Sauerbaum (Oxydendron arboreum) und die gelbe Schlitzblättrige Buche (Fagus sylvatica ‚Asplenifolia’) ins Auge. Ansonsten heißt es im Sinne Karl Foersters: „Es wird durchgeblüht.“ Am Eingang des Gartens sind die Stauden bunter als tiefer im Garten: Dort überwiegen helle Farbtöne, die nicht zu auffällig sind.
Fünfmal im Jahr fürs Publikum geöffnet
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Die schönsten Plätze im Park sind
mit lauschigen Terrassen ausge-
stattet. Dieser bietet einen Blick auf
den von alten Bäumen umschlos-
senen Blauen See. |
In der Ära Raderschall blühte der Park am Blauen See eher im Verborgenen. Forster hat ihn auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Fünfmal im Jahr wird er für ein interessiertes Publikum geöffnet. Oft sind es Kunden, die eingeladen werden. Kürzlich wurde eine geführte Tour durch die Anlagen aber auch unter den Lesern des „Bonner Generalanzeigers“ verlost. Ihnen allen möchte der GaLaBau-Unternehmer die Gartenkunst und den Beruf des Landschaftsgärtners nahebringen.
Für die Besucher wurde unmittelbar am Eingang, direkt neben dem Haupthaus ein Kulturhaus gebaut. Bis zu 50 Personen finden Platz in einem 110 m² großen Wintergarten mit Terrasse, Cateringküche, Fußbodenheizung und bequemen Sitzmöbeln. Die Gartenakademie am Blauen See, organisiert von Petra Forster, bietet garteninteressierten Menschen dort ein Forum für neue Ideen und Erfahrungsaustausch. Einmal im Jahr geht es mit Interessenten auf Gartenreise, meist ins angelsächsische Ausland. Das Haus wird auch an Festgesellschaften, für Klausurtagungen und Präsentationen vermietet.
Die Möglichkeiten der Schönheit
Seminargruppen sind zu Beginn einer Veranstaltung im Park oft noch ganz aufgeregt, hat Forster festgestellt. Es dauert jedoch nicht lange, dann sind sie entschleunigt. Im Sommer findet man sie dann ganz entspannt in kleinen Gruppen verstreut im Grün. Gelegentlich fragt ein Besucher, wie er das Muster des Parks denn auf seinen Privatgarten anwenden kann. Der Landschaftsgärtner zitiert in solchen Fällen gerne aus einem Aufsatz des Schriftstellers Hugo von Hoffmannsthal: „Es ist ganz gleich, ob ein Garten klein oder groß ist… Die Möglichkeiten der Schönheit, die sich in einem Raum von fünfzehn Schritten im Geviert, umgeben von vier Mauern entfalten können, sind einfach unmessbar.“ Der Landschaftspark des BGL-Präsidenten dient der Inspiration, umsetzen muss jeder seine Ideen aber selbst. cm
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