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Erste Studie zur Wirtschaftskraft der grünen Branche
Bayerns VGL-Präsident Ulrich Schäfer (links) präsentierte in München das erste Forschungsprojekt zur Wirtschaftskraft der grünen Branche. Foto: Neue Landschaft
Zum ersten Mal in Deutschland ist eine wissenschaftliche Studie zur Wirtschaftskraft der grünen Branche vorgelegt worden. Sie betrifft das Bundesland Bayern. Danach erwirtschaftete der wirtschaftliche Teil des Gartenbaus im Freistaat 2009 mindestens 9,62 Mrd. Euro.

Die Summe entspricht einem Vielfachen des Umsatzes der bayerischen Brauereien und liegt sogar über dem Umsatz der einheimischen Molkereien. Angefertigt wurde die Forschungsarbeit im Auftrag der neugegründeten Landesvereinigung Gartenbau Bayern und des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums von einem Team der Fachhochschule Weihenstephan unter Leitung von Prof. Dr. Holger Beiersdorf.

Gesamtumsatz ca. 10 Mrd. Euro

Die neue Studie berücksichtigt die bayerischen Umsätze des Garten- und Landschaftsbaus inkl. Grünpflege und öffentlicher Hand (1,2 Mrd. Euro), der Landschaftsarchitekten (0,1 Mrd.), der Baumschulen, des Zierpflanzenbaus und der Staudengärtnereien (1,6 Mrd.), der Friedhofsgärtnereien (0,5 Mrd.), des Gartenbedarfs (mindestens 0,9 Mrd.), der Gartenreisen (0,82 Mrd.), des Obst- und Gemüsebaus, inkl. Verarbeitung und Veredelung (4 Mrd.) sowie des Exports. Insgesamt lassen sich so mindestens 9,62 Mrd. Euro nachweisen.

Die Liste ist nicht ganz vollständig, weil die Umsätze der rund 2.000 Floristen in Bayern bislang noch nicht vollständig erhoben werden konnten. Auch sind die Ausgaben für Wintergärten, Weiterbildung und Fachliteratur noch nicht erfasst.

Insgesamt zählt der wirtschaftliche Teil des bayerischen Gartenbaus rund 33.000 Unternehmen. Die meisten Betriebe gibt es im Garten- und Landschaftsbau (7.284), dicht gefolgt vom Obstbau (7.000), dem Gemüsebau (5.300), der Haus- und Ziergartenpflege (3.527), den Bauhöfen (2.150), dem Blumenhandel (2.000), dem Zierpflanzenbau (1.435) sowie den Landschaftsarchitekturbüros (1.000). Die Anzahl der Betriebe in den übrigen grünen Branchen beträgt weniger als 1.000.

Lohn und Brot für 84.000 Menschen

Autor der bahnbrechenden Studie ist Prof. Dr. Holger Beiersdorf. Foto: Neue Landschaft
Autor der bahnbrechenden Studie
ist Prof. Dr. Holger Beiersdorf. Er
leitete das Projektteam der Fach-
hochschule Weihenstephan.
Foto: Neue Landschaft
Rund 84.000 Menschen gibt die grüne Branche in Bayern Lohn und Brot, so die Studie. Größter Arbeitgeber ist der Garten und Landschaftsbau mit 18.287 Mitarbeitern. Nebenbranchen des GaLaBaus wie Bauhöfe und Grünpflege beschäftigen zwischen 10.000 bis 15.000 Arbeitnehmer. Allein im Pflanzengroßhandel des Großraums München arbeiten 6.000 bis 7.000 Menschen. 6.000 Mitarbeiter zählt der Blumenhandel. Bei den Baumschulen sind es rund 3.632, in den Landschaftsarchitekturbüros etwa 3.000.

„Diese Ergebnisse zeigen, dass unsere Wirtschaftskraft wesentlich höher ist als bisher angenommen wurde“, sagte der Sprecher der Landesvereinigung Gartenbau, Ulrich Schäfer, der zugleich Präsident des Verbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Bayern ist. Er forderte Bayerns Politik und Verwaltung dazu auf, die Belange des Gartenbaus besser als bisher zu berücksichtigen. „Nur so können wir auch in Zukunft als klein- und mittelständisch strukturierte Branche unsere positive Wirkung für unser Land entfalten.“

Politische Schwerpunkte anders setzen

Schäfer verwies auf ein Missverhältnis bei der Anzahl der für den Gartenbau zuständigen ministeriellen Verwaltungsstellen. Obgleich die grüne Branche so stark sein, gäbe es im Landwirtschaftsministerium bisher nur zwei Beamte, die sich um die Belange des Gartenbaus kümmerten. „Es ist mein Wunsch, dass die Schwerpunkte anders gesetzt werden“, so der VGL-Präsident.

Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner bemühte sich auf der Pressekonferenz, die Sorgen der grünen Branche zu zerstreuen. Man solle nicht nur an die Beamten im Staatsministerium denken, sondern auch an die vielen Fachberater in den Landkreisen. Unter seiner Regie werde die grüne Branche keinesfalls „stiefmütterlich behandelt“. Er kündigte an, die angewandte Forschung für den Gartenbau weiter auszubauen. Dabei solle vor allem die Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim zu einem „Kompetenzzentrum“ ausgebaut werden. cm

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