Friday, July 30, 2010 Schrift: Schriftgröße: Normal Schriftgröße: Grö�er
-   Kernbeiträge
Vergessene Pflanzenschätze
  Asimina, Clerodendrum & Co.

Frank Angermüller
Seit über 300 Jahren werden Pflanzen aus allen Kontinenten nach Europa gebracht. Waren sie zunächst nur für mildere Gebiete in Deutschland geeignet, so hat sich das durch neue Klimabedingungen für einige besondere Arten geändert. Dazu zählen die Indianerbanane, der Losbaum und das Kentucky-Gelbholz.
Früchte des Losbaumes mit sternartigen roten Kelchen. Foto: Frank Angermüller
Die Zahl der heimischen Gehölzarten in Mitteleuropa ist im Vergleich zu anderen Teilen der Erde sehr gering. Vor den Eiszeiten war die Flora in Mitteleuropa wesentlich artenreicher. Viele Pflanzen gingen jedoch während der Eiszeiten zugrunde, da sie den vordringenden Eismassen nach Süden, bedingt durch die Alpen und das Mittelmeer, nicht ausweichen konnten. In Nordamerika und Ostasien hingegen konnten die Pflanzen nach Süden ausweichen und nach dem Ende der Eiszeiten diese Gebiete wieder neu besiedeln.
Schon sehr früh gelangten viele neue Arten aus Südosteuropa und Vorderasien in unsere Gärten. Zu einer verstärkten Bereicherung der Arten in den Gärten Mitteleuropas kam es jedoch erst ab dem 17. Jahrhundert, nachdem Pflanzen auch aus anderen Kontinenten durch Pflanzensammler nach Europa gebracht wurden. Eine ganze Reihe dieser Pflanzen konnte auf Grund der klimatischen Verhältnisse bisher jedoch nur in milderen Gebieten verwendet werden.

Die veränderten Klimabedingungen lassen eine verstärkte Verwendung einiger besonderer Arten mittlerweile zu. Damit diese Arten sich auch zur Freude des Gartenbesitzers entwickeln können, ist die Wahl des Standortes und die Kenntnisse über Pflegemaßnahmen von entscheidender Bedeutung. Die folgenden Arten stellen dabei nur eine kleine Auswahl der möglichen Arten dar.

Dreilappiger Papau (Asimina triloba)

Blüte der Indianerbanane. Foto: Frank Angermüller
Eindrucksvolle rote
Blüte der Indianerbanane.
Fotos (5): Frank Anger-
müller
Der Dreilappige Papau (Asimina triloba), auch als Indianerbanane bezeichnet, gehört zur Familie der Anonnengewächse (Annonaceae) und kommt von Natur aus im östlichen Nordamerika vor. Er stellt auf Grund seiner Frosthärte eine Besonderheit dar, weil die anderen Arten dieser Familie sonst ausschließlich in den Tropen beheimatet sind. Am Naturstandort bildet er meist Büsche oder kleine kurzstämmige Bäume mit Wuchshöhen von 3-5 (-8) Metern. Die auffälligen purpurroten Blüten, die mit den Blättern im Mai /Juni erscheinen, vermitteln seiner Umgebung einen Hauch von Exotik. Jede Blüte enthält mehrere Fruchtknoten, aus denen sich ein dichtes Bündel von zwei bis sieben gelbgrünen Früchten entwickeln (Indianerbanane). Die Fruchtgröße variiert stark in Abhängigkeit von der Sorte, mit einer Länge von zwischen zehn und zwanzig Zentimetern und einem Gewicht von 50 bis 500 g. Die Früchte besitzen einen an Mango oder Banane erinnernden aromatischen Geschmack. Mit zu den besten Asimina-Fruchtsorten für den Hausgarten gehören z. B. ‘Overlese‘,‘Sunflower‘ (benötigt keinen Bestäubungspartner) oder ‘Sweet Alice‘. Die reifen Früchte sind jedoch nur wenige Tage haltbar und sollten deshalb frisch verzehrt werden. Im Herbst färben sich die großen Blätter goldgelb. Bei der Wahl des Standortes (Lebensbereich (LB) 2.3.1.4) ist ein geschützter und sonniger Platz mit sauerem bis neutralem, frischem Boden notwendig. Bei der Pflanzung ist insbesondere das empfindliche Wurzelwerk vorsichtig zu behandeln. Auf Grund seiner einzigartigen Früchte und seiner imposanten Herbstfärbung sollte er als Solitär gepflanzt werden. Es empfiehlt sich, junge Pflanzen zur Vermeidung von Frostschäden zu schattieren (Winterhärtezone (WHZ) 6b). Allgemein gilt der Dreilappige Papau als sehr widerstandsfähig gegenüber Krankheiten und Schädlingen. In den USA werden Schäden durch eine kleine, ca. fünf Millimeter große Motte (Talponia plummeriana) hervorgerufen, die in Mitteleuropa noch keine Rolle spielt. Die Larven dieser Motte entwickeln sich in den Blüten und bringen diese dann zum Absterben.

Losbaum, Losstrauch (Clerodendrum trichotomum var. fargesii)

Türkisfarbene Beeren auf roten Kelchen. Foto: Frank Angermüller
Türkisfarbene Beeren auf roten
Kelchen: Der Losbaum.
Foto: A. Barra, Creative Commons
Attribution-Share Alike 3.0
Beim dem Losbaum (Clerodendrum trichotomum var. fargesii) handelt es sich um einen mittelhohen, mehr oder weniger straff aufrechten Strauch, der von Natur aus in den Trockenwäldern Chinas vorkommt. Er kann eine Höhe von ca. 1,5 bis 2,5 m erreichen — im Weinbauklima auch höher. Durch Ausläuferbildung wird er oft genauso breit wie hoch. Durch sein sehr dichtes Laub ist er ein besonders attraktives Gehölz. Die Ende Juli bis Ende September erscheinenden, ca. 3 cm breiten, weißen, in Dolden stehenden Blüten duften exotisch nach Vanille. Eine Besonderheit stellen die glänzend (künstlich aussehenden) türkisfarbenen Beeren auf sternartigen roten Kelchen dar. Diese Frucht ist jedoch nicht genießbar. Mit dieser außergewöhnlichen Farbe gehört der Losbaum sicherlich mit zu den faszinierendsten Zierfruchtsträuchern des Sortiments.

Leider fallen die Blätter im Herbst ohne Färbung nach dem ersten Frost ab. Er toleriert jeden mäßig trockenen bis frischen und schwach saueren bis alkalischen Gartenboden (LB 6.3.1.4). Insbesondere ist auf ein durchlässiges und nicht zu nährstoffreiches Substrat zu achten, damit die Triebe im Herbst gut ausreifen können. Da er etwas frostempfindlich ist, benötigt er einen geschützten Platz. Als junger Strauch kann er in sehr harten Wintern bis zum Boden zurückfrieren. Im Frühjahr treibt er jedoch aus der Wurzel wieder gut aus. Er ist empfindlich gegenüber Arbeiten im Wurzelbereich. Die Wurzeln sollten mit einer Mulchschicht vor Frost geschützt werden. Im Hinblick auf die Verwendung sollte in klimatisch nicht so begünstigten Lagen unbedingt auf C. trichotomum var. fargessii zurückgegriffen werden, da er frosthärter als die Art (WHZ 7b) selbst ist. Als Partner mit interessanten Früchten bzw. Blütenfarbe eignen sich Callicarpa bodinieri 'Profusion' (mindestens zwei Exemplare für üppigen Fruchtansatz), Cornus kousa var. chinensis ' Weiße Fontäne‘, Decaisnea fargesii, Hibiscus syriacus, Hydrangea paniculata 'Grandiflora` bzw. 'Kyushu`. Als Staudenbegleiter bieten sich Hosta in Arten und Sorten an.

Kentucky-Gelbholz (Cladrastis lutea)

Blüte des Kentucky-Geldholzes. Foto: Frank Angermüller
Blüte des Kentucky-Gelb-
holzes.
Das noch weitgehend unbekannt Amerikanische- oder Kentucky-Gelbholz (Cladrastris lutea) kommt im östlichen Nordamerika auf feuchten, nährstoffreichen Böden entlang von Flussufern vor. Der meist kurzstämmige Baum oder große Strauch besitzt eine markante Baumgestalt. Vor allem im Alter entwickelt er weit ausladende Äste. Durch sein hellgrünes Laub und die duftenden weißen Blütentrauben stellt er ein beachtenswertes Solitärgehölz dar. Leider blüht er nicht immer regelmäßig. Ein Nachteil ist, dass sich eine Vollblüte nur alle zwei bis drei Jahre nach warmen Sommern entwickelt. Besonders beeindruckend ist die leuchtend gelbe sehr auffallende Herbstfärbung, die oft schon im September/Oktober einsetzt. Er benötigt einen genügend großen Pflanzplatz und kommt sowohl mit alkalischen als auch sauren Standorten gut zu recht und übersteht zudem Trockenzeiten relativ gut (LB 2.5.2.3). Gegenüber Windbruch ist er etwas gefährdet, da er häufig Astgabeln ausbildet. Im Rahmen der Pflege durch Entlastungsschnitte sollten diese Schnittmaßnahmen nur während der Vegetationsruhe durchgeführt werden, da die Gefahr des Blutens besteht. Das Gelbholz ist wenig anfällig gegenüber Krankheiten. Nur in der Jugend ist das Kentucky-Gelbholz empfindlich — ansonsten ist es frosthart (WHZ 5b). Auf Grund des späten Austriebs eignet es sich sehr gut zur Unterpflanzung mit Frühjahrszwiebelblumen wie z.B. Anemone, Crocus oder Scilla.

Virginischer Schneeflockenstrauch (Chionanthus virginicus)

Blüten, die an Schneeflocken erinnern. Foto: Frank Angermüller
Blüten, die an Schnee-
flocken erinnern.
Der Virginische Schneeflockenstrauch (Chionanthus virginicus) ist ein außerordentlich attraktiver, langsam wachsender Blütenstrauch. In seiner Heimat, dem südöstlichen Nordamerika, entwickelt er sich zu einem Strauch oder kleinem Baum mit einer Höhe von 3-(5) m mit sehr spätem Austrieb. Er ist zweihäusig. Die männlichen Exemplare besitzen die längeren Blütenrispen. Bei den Früchten handelt es sich um blauschwarze Beeren, die jedoch meist schwer erkennbar unter dem Laub verborgen sind. Da er auf Fremdbestäubung angewiesen ist, werden in vielen Fällen keine Früchte angesetzt. Im Herbst färben sich die Blätter gelbbraun und bleiben sehr lange haften. Er bevorzugt feuchte Standorte, toleriert aber auch trockenere und schwachsaure Böden (LB 2.3.2.4). So werden auch kurze Trockenzeiten gut ertragen. Auf trockeneren Böden besteht zudem der Vorteil, dass die Triebe besser ausreifen. Es empfiehlt sich eine Pflanzung im Frühjahr. In der Regel sind Schnittmaßnahmen nicht notwendig. Als junge Pflanze ist er durch Frost gefährdet, dann jedoch weitgehend frosthart (WHZ 5b). Als Nachbarn eignen sich die Blauschote (Decaisnea fargesii), Echter Gewürzstrauch (Calycanthus floridus) oder Bambus, aber auch Stauden wie z. B. Hemerocallis-Arten und Sorten, Iris sibirica oder Ligularia-Arten.

Echter Gewürzstrauch, Carolina Nelkenpfeffer (Calycanthus floridus)

Dunkelrotbraune Blüten des Echten Gewürzstrauches. Foto: Frank Angermüller
Dunkelrotbraune Blüten des Echten
Gewürzstrauches mit verführeri-
schem Erdbeerduft.
In einem exotischen Garten darf natürlich auch ein Duftgehölz nicht fehlen. Der aus dem südöstlichen Nordamerika stammende Echte Gewürzstrauch (Calycanthus floridus) mit seinen 1,5 bis 3 m Höhe und 2 m Breite bietet sich insbesondere für kleinere Gärten an. Die olivbraune Rinde duftet im getrockneten Zustand nach Gewürznelken. Eine Besonderheit stellen ohne Zweifel die dunkelrotbraunen 4 bis 5 cm breiten urtümlichen Blüten dar, die besonders in den Abendstunden den Duft von Erdbeeren verströmen. Nur in wärmeren Gebieten werden die weniger attraktiven Früchte meist in größerer Zahl ausgebildet. Dieser interessante Strauch benötigt einen geschützten Standort (WHZ 6b) in sonniger bis leicht schattiger Lage. Er gedeiht gut auf allen nicht zu trockenen, schwach alkalischen bis sauren Böden (LB 3.2.5.5 (2.3.5.5)). Im Rahmen der Verwendung sollte er in Einzelstellung in der Nähe eines Sitzplatzes oder Eingangs gepflanzt werden, damit die interessanten Blüten und der weitstreichende Duft wahrgenommen werden kann.

SERVICE
Aktuelle Ausgabe
Aus dem Inhalt
Umweltgerecht bauen und dokumentieren
Standortbestimmung Bauwerksbegrünung
Langzeitentwicklung pflegeloser Dachbegrünungen
Grünflächen kreativ pflegen
mehr...
GaLaBau-Wissen
GaLaBau Wissen
„Der Weg nach oben“
Der Bau einer Treppe erfordert absolute Genauigkeit, denn der Benutzer sollte mit der letzten Stufe genau oben ankommen – nicht zu tief und auch nicht zu hoch. Manchem treibt das die Schweißperlen auf die Stirn.
mehr...
Alle Artikel

Patzer Verlag Berlin Hannover
Koenigsallee 65, 14193 Berlin, Tel.: 030 - 89 59 03-0  | Alter Flughafen 15, 30179 Hannover, Tel.: 0511 - 674 08-0 
 

AktuellesAboShopMediadatenKontakt | Verlag | TerminkalenderBaubörse | Leistungs- und Lieferverzeichnis | Archiv | Links | Newsletter 

Copyright 2008 Patzer Verlag GmbH & Co. KG   Impressum Login