| Pflege beginnt bei der Planung
Bereits die Formgebung von Pflanzflächen und deren Erschließung durch Wege hat Einfluss auf den späteren Pflegebedarf. Unerwünschte Wildkräuter treten bevorzugt an den Rändern der Beete auf, insbesondere wenn sie an Rasenflächen grenzen, die selten gemäht werden. Es ist also günstiger, auf unnötige Mäander der Pflanzflächenkanten zu verzichten.
Auch wenn im Siedlungsgrün Beetflächen zur Bepflanzung einladen, ist nicht in jedem Fall der Einsatz von Stauden sinnvoll. Auf sehr großen Flächen werden Ansaaten oder bodendeckende Sträucher durch ihre deutlich kostengünstigere Ausbringung und einfacheren Ansprüche an die Pflege zu bevorzugen sein. Gehobene Nutzeransprüche können andererseits farbintensive Wechselpflanzungen rechtfertigen, obwohl deren Kosten und Pflegebedarf erheblich höher liegen als bei Stauden. Im Eingangsbereich von Gartenschauen, in Kurparks und ähnlichen repräsentativen Anlagen mit hoher Besucherfrequenz werden diese aufwändigen Pflanzthemen auch zukünftig nicht wegzudenken sein.
Ist die Entscheidung für Stauden gefallen, sollte die Analyse der Nutzerwünsche, des Charakters der Umgebung und der gegebenen Standortverhältnisse zur Themenfindung führen. Im allgemeinen wird die Pflanzenzusammenstellung auf einen spezifischen „Lebensbereich“ zugeschnitten. Innerhalb eines solchen Standorttyps finden wir Arten, die nicht nur bezüglich ihrer „Physiognomie“, also dem standortangepassten Erscheinungsbild, sondern auch hinsichtlich der Pflegebedürfnisse zusammenpassen.
Pflegevorbild Natur?
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Wiesenartig gemischte C-Konzept-
pflanzung mit Präriestauden. Flä-
che in gemischter Anordnung: der
dichte Bewuchs verhindert weitge-
hend das Aufkommen von Unkräu-
tern. Foto: Wolfram Kircher |
Von Stauden geprägte Pflanzengemeinschaften am Naturstandort wirken oftmals ästhetisch sehr ansprechend. Jedoch kann auch bei dieser nicht bewusst vom Menschen angelegten Vegetation nicht von völliger Pflegefreiheit ausgegangen werden, wie einige Beispiele zeigen sollen:
1. Pflege durch Mahd + Düngung -> Futterwiesen: Wiesen mit blühenden Stauden wie Wiesen-Salbei (Salvia pratensis), Wiesen-Storchschnabel (Geranium pratense) oder Schafgarbe (Achillea millefolium) verbringen zwar viele Jahre ohne Bodenumbruch, werden aber jährlich zwei- oder mehrmals gemäht. Zum Ausgleich des Biomasseentzuges erfolgt Nachdüngung. Je mehr Schnitte pro Jahr stattfinden, um so höher ist der Anteil von Süßgräsern. Ohne Mahd setzt mehr und mehr Verbuschung und schließlich Bewaldung ein
2. Pflege durch Beweidung + Düngung + Tritt -> Weiden: beweidete Grünländer zei-gen oft sehr ausgeprägtes Vegetationsrelief. Vom Vieh gemiedene, oft dornige oder giftige Arten stehen in voller Größe zwischen durch den Verbiss niedrig gehaltenen Gräsern und Kräutern.
3. Pflege durch Mahd/Beweidung ohne Düngung -> Halbtrockenrasen: Auf grund-wasserfernen Standorten entsteht bei extensiver Mahd oder Beweidung ohne Düngung mit den Jahren ein ausgehagerter oft sehr blumenreicher Halbtrockenrasen. Im Gegensatz zum „echten“ Volltrockenrasen ist eine Verbuschung nur durch die Pflege mit Mähgerät oder Schaf aufzuhalten. Im Mittelmeerraum ist die „Garigue“ als Pflanzenge-meinschaft mit hohem Anteil an Halbsträuchern (Gewürz-Salbei, Heiligenblume und Thymian-Arten) zu finden: Hier sind vor allem Ziegen und Schafe „Pflegegärtner“.
4. „Pflegefrei“ ? -> Volltrockenrasen: Steppen im extrem kontinentalen Klima Zentral-asiens zeigen auf nährstoffreichem, tiefgründigen Substrat (Schwarzerde) im Frühjahr kräftige Blühaspekte aus Wild-Tulpen und anderen Zwiebel- und Knollenpflanzen. Im trockenen Spätsommer jedoch bestimmen vor allem braune Gräser das Vegetationsbild. Hier ist Stress durch das extreme Klima mit frostigen Wintern und heißen, trockenen Sommern „Pflegegärtner“ und verhindert das Aufkommen größerer Gehölze, leider auf Kosten der optischen Qualität im Sommer und Herbst. In Mitteleuropa ist vergleichbares nur kleinflächig auf flachgründigen Felsbändern zu finden. Das rasche Austrocknen der sehr dünnen Substratauflagen ersetzt die „Pflege“ analog zu den trockenen Sommern der Steppe.
5. Pflege durch Feuer + Beweidung -> Prärien Nordamerikas: Auf nährstoffreichen Böden im „Mittleren Westen“ der USA finden sich – wenn auch heute selten geworden – Langgrasprärien mit spektakulären Blühaspekten von Hochsommer bis Herbst. Rudbeckien, Astern, Indianernesseln, Sonnenblumen und Sonnenbraut sind nur einige Beispiele der spektakulären Farbträger dieser Pflanzengemeinschaft. Die Verbuschung verhindern vor allem regelmäßige Frühjahrsbrände nach den dort eher trockenen Wintern. Mochten früher Indianer durch gezieltes Feuermanagement für Baumfreien Lebensraum für ihre Bisonherden gesorgt haben, so werden heute im Zuge des Natur-schutzmanagementes die letzten Prärie-Restflächen durch Abrennen gepflegt.
Fazit dieser Freiflächen-Beispiele in der Landschaft
1. Auf „günstigen“ Standorten (gute Nährstoff- und Wasserversorgung, tiefgründiges Substrat) ist eine krautige Vegetation nur durch regelmäßige Pflege durch Umbruch, Mahd, Beweidung oder Abbrennen zu erhalten. Unterbleibt dies, so läuft die natürliche Sukzession in Richtung Wald weiter.
2. Je „ungünstiger“ der Standort, um so weniger häufig müssen diese Maßnahmen erfolgen und um so höher ist der Anteil an attraktiv blühenden Arten.
3. Nur unter extremen „Stress“-Bedingungen ist langfristig eine Pflanzengemeinschaft aus Stauden und Kleinsträuchern pflegefrei möglich, die dann aber nur zeitlich sehr begrenzt visuell attraktiv ist (zB. Steppe im Frühjahr)
Gestört oder gestresst? Drei Pflegekonzepte
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Auf reinem Kies stockt der berühm-
te Garten von Derek Jarman an der
englischen Südküste. Kurzlebige
Eschscholzien und Centranthus va-
gabundieren umher, aber lästige
"Unkräuter" haben keine Chance.
Foto: Wolfram Kircher |
Der englische Vegetationskundler Grime unterscheidet drei wesentliche Strategien, nach denen sich Pflanzen am Standort durchsetzen können (z.B. Grime, Hodgson & Hunt, 1988). Schmidt (2005) leitet daraus 3 grundsätzliche Pflegekonzepte ab:
1. Die Ruderal-Strategen (R-Strategen) sind raschwüchsig, blühen reichlich und produzieren hohe Saatgutmengen, sind aber kurzlebig. Um sich als Population behaupten zu können, benötigen sie aber regelmäßige Störungen, zB. durch Bodenumbruch. Hierher gehören die Ackerbrachen. Bezogen auf Flächenpflanzungen sind diesem Strategietyp Pflanzungen mit kurzer Standzeit zuzuordnen, die jährlich meist zweimal neu angelegt werden: der Wechselflor.
Zum R-Pflegekonzept gehört häufig Neupflanzung mit vorherigem Bodenumbruch, Düngung und Bewässerung in Trockenperioden. Zur Unkrautkontrolle ist Hacken möglich -> hoher Pflegebedarf.
2. Die Wettbewerbs-Strategen (C-Strategen; Wettbewerb = Competition) bauen dauerhafte, den Boden gut bedeckende Bestände auf. Sie wachsen etwas langsamer als R-Strategen, werden aber größer, dichter und sind sehr langlebig. Um ihr stark verdrängendes Potential aufbauen zu können benötigen sie ein gutes Angebot an Nährstoffen und Feuchtigkeit, wie etwa Futterwiesen oder Langgrasprärien. Pflanzungen dieses Typs benötigen wenig Pflege, wenn ein Standort ohne Trockenstress und mit guter Nährstoffversorgung vorliegt. Die eher platzbedürftigen Arten lassen sich gut du Gruppen arrangieren. Auf dieses Konzept gehen die Blockpflanzungen des Landschaftsarchitekten Wolfgang Öhme in den USA zurück. In Deutschland entwickelte z.B. Petra Pelz dieses Pflanzprinzip weiter. Zum C-Pflegekonzept gehört Bewässerung in Trockenperioden, eventuell Düngung aber möglichst wenig Bodenstörung, also Unkrautkontrolle nur durch gezieltes Jäten mit Distelstecher. -> Pflegebedarf ist dann gering, auf Trockenstandorten ist aber eine automatische Bewässerungsanlage empfehlens-wert.
3. Die Stress-Toleranz-Strategen (S-Strategen) besetzen Standorte, an denen das Angebot bestimmter Faktoren, wie Feuchtigkeit oder Nährstoffe in ein Minimum geraten ist. So wachsen auf den extrem sommertrockenen Steppen und auf den sehr flachgründigen Felsbändern nur sehr robuste Xerophyten. Auf feuchteren Standorten wären diese zwar weitaus wüchsiger, jedoch in der Konkurrenz gegenüber den dort auftretenden C-Strategen unterlegen. Dieses Prinzip der Verwendung von stresstoleranten Stauden wird aktuell besonders für trockenheitsverträgliche Arten propagiert. Durch Einsatz von Schotter, Splitt oder Kies als Substrat entstehen Standorte mit Mangel an Wasser und Nährstoffen. Arten der trockenen Freifläche (Fr1), Steppenheide (SH) oder vergleichbarer Lebensbereiche nach Sieber (1990) stehen hier im ökologischen Optimum. In Mitteleuropa wird das Klima auch in näherer Zukunft nicht ermöglichen, Stau-denpflanzungen allein durch extreme Substrate völlig frei von Pflege konzipieren zu können, der Zeitaufwand lässt sich dadurch jedoch erheblich reduzieren. Im S-Pflegekonzept ist Bewässerung nur in der ersten Vegetationsperiode zum Einwachsen nötig. Später erfolgt eine regelmäßige Unkrautkontrolle, die aber wenig zeitlichen Aufwand verursacht und Mahd einmal jährlich.
Pflegeoptimierte Pflanzflächenvorbereitung und Pflanztechnik:
Oberboden ist meist mit Unkrautsamen bzw. austriebsfähigen Rhizom- oder Wurzelstücken durchsetzt. Reine Schotter- bzw. Splittbeete haben sich bei Bepflanzung mit trockenheitsverträglichen Stauden als sehr pflegeleicht bewährt (S-Konzept, siehe Messer & Kircher, 2003; Kircher, 2008). Zudem sorgen sie für standfesten Wuchs und ein gut gegliedertes Relief in der Pflanzung. Bei neu geschaffenen Pflanzflächen handelt es sich immer zumindest für einige Jahre um gestörte Standorte. Es bestehen somit gute Keimungsbedingungen für Arten der Ackerbrachen (R-Strategen), die leider meist nicht zum Gestaltungsthema passen. Unkrautkontrolle ist also selbst bei S-Konzeptpflanzungen auf Schottersubstraten notwendig. Eine optimierte Pflanzflächenvorbereitung jedoch hilft, den Zeitbedarf für diese Unkrautkontrolle erheblich zu reduzieren.
Eine häufige Quelle von Unkräutern sind die eingebrachten Stauden selbst, wenn in ihren Topfballen entsprechender Fremdbewuchs, wenn auch nur als Samen, steckt. Da sich diese Verunreinigungen in der Regel nur in der obersten Substratschicht befinden, sollte diese beim Austopfen konsequent abgeschält und entfernt („abgerandelt“) werden.
Mindestens 5 cm dicke Mulchschichten aus Kies oder Splitt (8-16mm) sorgen für rasches Abtrocknen der Beetoberfläche, behindern das Keimen von Unkräutern und reduzieren die Evaporation. Da von angrenzenden Rasen- oder befestigten Flächen aus leicht Unkrautsamen eingeweht oder –gespült werden, sollten besonders die Ränder des Beetes dick abgemulcht sein. Kies ist als Mulch günstiger als Splitt, da er aufgrund der geringeren Oberfläche der runden Körner rascher abtrocknet. Rinde kann aufgrund des hohen C:N-Verhältnisses, eventueller hoher Mangangehalte (induzierter Fe-Mangel) und enthaltener Gerbstoffe Schäden vor allem an Freiflächenstauden verursachen. Durch die Mineralisierung ist die unkrautvermindernde Wirkung von Rindenmulch auch nicht nachhaltig.
Tipps für die Pflegepraxis
Bewässern von Staudenpflanzungen ist selbst bei reinen Schottersubstraten nur in der ersten und eventuell zweiten Vegetationsperiode notwendig, sofern das Pflanzenmaterial optimal auf den Standort abgestimmt wurde. Ausgesprochene Prachtstaudenpflanzungen können eventuell auch später eine künstliche Bewässerung erfordern. Es empfiehlt sich die Verlegung einer Tröpfchenbewässerung. Bei manuellem Gießen ist es günstiger, selten durchdringend zu bewässern als häufig in geringer Intensität, um die Wurzeln zu tiefgehendem Wachstum anzuregen.
Auf Substraten mit bindigen Bestandteilen ist Düngung nur bei entsprechend anspruchs-voller Artenauswahl notwendig (Prachtstauden). Je grobkörniger das Substrat jedoch ist, um so eher kann eine regelmäßige Applikation mit stickstoffbetonten Düngern sinnvoll sein. In Wildstaudenpflanzungen haben besonders Zwiebel- und Knollenpflanzen einen hohen Nährstoffbedarf. Auf reinen Schotterbeeten wird die Ausbringung von 5 bis 10 g N/m² im zeitigen Frühjahr, zB. als Triabon, empfohlen (Kircher 2005). Nach Juli sollte kei-ne Düngung mehr erfolgen.
Individuelle Rückschnittmaßnahmen bei Einzelarten sind nur in besonderen Prachtstaudenpflanzungen im Repräsentativgrün vertretbar. Gut kombinierte Staudenmischungen können komplett zu einem oder zwei Zeitpunkten im Jahr gemäht werden (Kietsch & Kircher, 2005). Für die meisten Pflanzungen wird als Mahdtermin der Spätwinter, unmittelbar vor Austrieb der Frühjahrsblüher (Geophyten) empfohlen. In wiesenhaften Anlagen auf eher frischen Böden und bei Gehölzunterpflanzung kann das mit dem Rasenmäher zerkleinerte Mähgut als Mulch auf den Flächen verbleiben (Kreislaufbewirtschaftung). Bei Schotterbeeten mit Xerophytenbepflanzung sollte es abtransportiert werden (Aushagerung). In sehr schneereichen Gegenden ist es günstiger, bereits im Herbst zu mähen. Die Schneelast könnte sonst die Triebe und Blätter zu Boden drücken und Fäulnis begünsti-gen.
Nur in Pflanzungen aus kurzlebigen Arten (Sommerflor) ist Hacken als Maßnahme der Unkrautregulierung zu vertreten. Durch die ständige massive Bodenstörung wird Unkrautsamen immer wieder zur Keimung angeregt. In langlebigen Staudenpflanzungen sollten regelmäßig (fünf- bis sechsmal jährlich) Kontrollgänge stattfinden. Unkräuter müssen möglichst frühzeitig herausgezogen oder mit Distelstecher ausgehebelt werden, um den Boden bzw. das Substrat möglichst wenig zu stören. Dadurch wird mittelfristig der Jäteaufwand stark absinken. Standörtlich optimierte Pflanzungen können im ersten Jahr einen Pflegebedarf von bis zu 15 Minuten pro Quadratmeter verursachen, der aber nach zwei bis drei Jahren auf unter zwei Minuten fallen kann (Riedel et al., 2007).
Gut abgestimmte Pflanzungen verlangen frühestens nach 8 bis 10 Jahren eine Renovierung. Zu dominant gewordene oder vergreiste Stauden können ausgestochen und Teilstücke wieder eingepflanzt werden. Günstiger ist jedoch ein komplettes Auswechseln gegen Ersatzarten oder die Neuanlage der Gesamtfläche.
Pflanzungen, die nach einigen Jahren zum Verfilzen neigen, lassen sich oft durch eine zusätzliche Komplettmahd im Juni wieder zu guter Struktur bringen. Es können auch zu kräftig gewordene Einzelarten durch selektiven Rückschnitt geschwächt und damit ein attraktives Gesamtrelief wieder hergestellt werden.
Zusammenfassung
Die Pflege von Staudenpflanzungen lässt sich zeitlich optimieren, wenn bereits in der Planung neben der ästhetischen Wirkung auch die Standortqualität berücksichtigt wird. Analog zu visuell ansprechenden natürlichen und halbnatürlichen Pflanzengemeinschaften sind Häufigkeit von Bodenstörungen und Verfügbarkeit von Ressourcen am Standort sowie Lebensdauer und Konkurrenzkraft der Pflanzen entscheidend für das jeweilige Pflegekonzept. Im öffentlichen Grün sind häufig stresstolerante Arten auf Schotterbeeten zu sehen. Das Substrat trocknet oberflächennah rasch aus. Dies unterstützt bei Beachtung einiger praktischer Tipps eine sehr zeitsparende Pflege. Eine entsprechend abgestimmte Pflanzenauswahl ermöglicht Rückschnitt durch Komplettmahd zu einem einzigen Zeitpunkt im Jahr und sehr geringen Aufwand für die Unkrautkontrolle.
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