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-   Kernbeiträge
Bundesgartenschau 2011: Koblenz verwandelt

  Stadtentwicklung aus dem Blickwinkel der Landschaftsarchitektur

Stephan Lenzen, Joachim Evers, Claudia Späth
Am 15. April öffnet die Stadt Koblenz ihre Pforten zur Bundesgartenschau 2011. Den auswärtigen Besuchern präsentiert sich die Stadt als Gastgeber einer blühenden Gartenschau. Den Koblenzern zeigt sich ihre Stadt in neuem Licht: Koblenz hat sich verwandelt. Mit der Idee einer innerstädtischen Bundesgartenschau bot sich ein neuer Weg im Umgang mit dem öffentlichen Raum. Die BUGA wurde zum Instrument einer Stadtentwicklung von innen heraus.
Luftbildaufnahme Koblenzer Schloss mit Schlossvorplatz, Zirkularbauten, Schlossgarten und Rheinstufen. Foto: Frey-Pressebild, Bildrechte: BUGA Koblenz 2011 GmbH / RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten
Luftbildaufnahme Koblenzer Schloss mit Schlossvorplatz, Zirkularbauten, Schlossgarten und Rheinstufen.
Foto: Frey-Pressebild, Bildrechte: BUGA Koblenz 2011 GmbH / RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten
 
Seit je her füllen das Kurfürstliche Stadtschloss, das Deutsche Eck, die beeindruckende Festung Ehrenbreitstein sowie die Ufer von Rhein und Mosel die Seiten der Reiseführer. Die Bundesgartenschau konzentriert sich nun auf die „Zwischenräume“. So wird im Zuge der BUGA ein neues Augenmerk auf die öffentlichen Freiräume der Koblenzer Innenstadt gelegt.

Der öffentliche Raum, der die weithin bekannten Attraktionen miteinander verbindet und zusammenhält ist in die Jahre gekommen. Mit Hilfe einer konsequenten gestalterischen Qualifikation wird er nun aus der Sicht der Landschaftsarchitektur neu in Wert gesetzt und langfristig in das öffentliche Bewusstsein zurückgeholt.

Die alleinige gestalterische Aufwertung der Flächen wäre dabei jedoch zu kurz gegriffen. Für eine nachhaltige Veränderung und Verbesserung galt es bestehende funktionale Probleme zu analysieren und zu lösen. Ein gedanklicher Spaziergang vom Stadtschloss zum Deutschen Eck zeigt, wie mit Hilfe landschaftsarchitektonischer Lösungsansätze eine zeitgemäße Stadtentwicklung initiiert wurde.

Gesamtareal der Bundesgartenschau 2011 mit den räumlichen Schwerpunkten Koblenzer Schloss, Deutschem Eck und Festung Ehrenbreistein. Foto: RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten

Gesamtareal der Bundes-
gartenschau 2011 mit den
räumlichen Schwer-
punkten Koblenzer
Schloss, Deutschem Eck
und Festung Ehrenbreistein.
Foto: RMP Stephan Lenzen
Landschaftsarchitekten 

Belebung des Schlossensembles

Am deutlichsten wird der strukturelle Wandel der Koblenzer Innenstadt wohl auf den Flächen rund um das Kurfürstliche Stadtschloss mit dem Schlossvorplatz, den Innenhöfen der Zirkularbauten sowie den ehemaligen kurfürstlichen Gartenanlagen der Kaiserin Augusta.

Der Lauf der Zeit und damit verbundene politische und gesellschaftliche Entwicklungen führten zu einem grundlegenden Wandel des Schlossensembles in Erscheinungsbild und Nutzung. Über Jahrhunderte oblag dem Kurfürstlichen Schloss und seinem Vorplatz eine zentrale gesamtstädtische Bedeutung. Nach dem Ende des I. Weltkrieges wurde das Schloss verstaatlicht. Nach und nach verschwanden die kurfürstliche Residenz und ihr Umfeld aus dem Blick der Öffentlichkeit.

Zu Beginn der BUGA-Planungen trat der Schlossvorplatz nur noch als Parkplatz in Erscheinung. Koblenzer Bürger nahmen ihn wenn, dann im Rahmen von Freiluftveranstaltungen wahr – darüber hinaus blieb er ungenutzt. Die historische Anlage war nur noch in Grundzügen erkennbar – es bot sich dringender Handlungsbedarf. Zum Auftakt der BUGA präsentieren sich das Kurfürstliche Schloss und der Schlossvorplatz nun mit neuer stadträumlicher und inhaltlicher Bedeutung. Der Schlossvorplatz wurde mit neuen Nutzungen belegt und die großzügigen Flächen wieder zurück in die Öffentlichkeit geholt.

Voraussetzung für diesen Wandel war zunächst die Verlagerung der Pkw-Stellplätze. Durch den Neubau eines Parkplatzes südlich des Schlosses und einer Tiefgarage unter dem Schlossplatz sowie eine Zufahrtsbeschränkung des Platzes selbst, entstand eine autofreie Schlossmitte. Mit Hilfe dieser Umstrukturierungen und einer zeitgemäßen Gestaltsprache ist der Schlossplatz nunmehr ein vielfältig nutzbarer öffentlicher Raum. Die Einbindung neuer Nutzungsangebote, wie ein Kinderspielplatz und eine Skateanlage, erfolgte unter Berücksichtigung der Historie des Ortes.

Auch die Innenhöfe der Zirkularbauten am Rand des großzügigen Schlossvorplatzes überzeugen nunmehr durch eine neue Gestaltung und Nutzung. In der Vergangenheit ebenfalls als Parkplatz genutzt, präsentieren sich die Innenhöfe heute als öffentliche qualitätsvolle Aufenthaltsbereiche für Spaziergänger, Gäste und Angestellte der in den Zirkularbauten ansässigen Einrichtungen.

Blick über den Schlossvorplatz in Richtung Zirkularbauten. Foto: RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten
Blick über den Schlossvorplatz in
Richtung Zirkularbauten.
Foto: RMP Stephan Lenzen Land-
schaftsarchitekten 
Während der Bundesgartenschau erfolgt über den Schlossvorplatz der Hauptzugang zum Gartenschauareal. Der historischen Schlossachse folgend, gelangen die Besucher über den Schlossvorplatz in das Kurfürstliche Schloss. Dieses öffnet fortan seine Türen für die Besucher. So lädt im Foyer künftig eine gastronomische Einrichtung zum Verweilen ein. Durchquert der Besucher das Schlossfoyer, so gelangt er in den rückseitig gelegenen Schlossgarten. Ursprünglich als privater Gartenraum der Kaiserin Augusta konzipiert, steht der Garten nun tagsüber für die Bürger und Gäste der Stadt offen. In den Abendstunden wird er geschlossen und kann für besondere Abendveranstaltungen gebucht werden.

Innenhof mit Wasserspiegel, Zirkularbauten Koblenzer Schloss. Foto: RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten
Innenhof mit Wasserspiegel,
Zirkularbauten Koblenzer Schloss.
Foto: RMP Stephan Lenzen Land-
schaftsarchitekten
Zu Beginn der BUGA-Planungen erinnerten nur noch wenige Elemente an den nach den Entwürfen des Gartenarchitekten Peter Joseph Lenné. gestalteten Schlossgarten. Anlässlich der BUGA erhielt der Garten ein neues Erscheinungsbild. Seine Neugestaltung ermöglichte es, die Rückseite des Kurfürstlichen Schlosses in ihrer Präsenz zu stärken und das Schloss in seiner attraktiven Lage am Rhein neu in Szene zu setzen. Durch die behutsame Zurücknahme des Baumbestandes ist das Schloss wieder Teil der Stadtsilhouette und vom Rhein aus erlebbar. Der Schlossgarten selbst stellt heute keine Sackgasse mehr dar. Indem die historische Begrenzungsmauer an zwei Stellen geöffnet wurde, gelangt der Besucher nun durch den Garten bis unmittelbar an den Rhein.

Die Öffnung des Schlosses und der neue Durchgang zum Ufer stehen jedoch im Widerspruch zum historischen Bild des introvertierten Gartenraumes. Aus diesem Grund wurde eine geschickte Wegeführung entwickelt, die den Eindruck eines „Durchgangszimmers“ verhindert. Zwei gegensätzliche Ziele – nämlich die Schaffung einer für das Stadtgefüge neuen zentralen Verbindung zwischen Schloss und Fluss sowie die Wiederbelebung des Schlossgartens als eigenständiger Gartenraum – konnten auf diese Weise realisiert werden.

Stufenanlage am Schloss Koblenz. Foto: RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten
Stufenanlage am Schloss Koblenz.
Foto: RMP Stephan Lenzen Land-
schaftsarchitekten
Als Verbindung zwischen Stadt und Fluss kommt auch der neuen Treppe am Schloss eine wesentliche Funktion zu. Eine etwa 100 m lange Sitzstufenanlage wurde in die Uferböschung hinein gebaut. Hier gelangt der Spaziergänger direkt bis an das Wasser. Stadträumlich bildet die Treppe einen „Gegenpol“ zum Deutschen Eck. Durch Ihre exponierte Lage bietet sie eine hohe Aufenthaltsqualität, so dass zu erwarten ist, dass sich die bisherige Publikumskonzentration am Deutschen Eck nun auf den gesamten innerstädtischen Uferabschnitt des Konrad-Adenauer-Ufers verteilt.

Ein weiterer Zugang zur Uferpromenade ist über die Stresemannstraße in Verbindung mit Clemens- und Reichenspergerplatz möglich. Sowohl die Stresemannstraße als auch die Plätze wurden entsprechend dieser Zielstellung umgestaltet und im stadträumlichen Gefüge neu positioniert. Die Verkehrsführung rund um die Plätze wurde verändert und bestehende Stellplätze verlegt. Aus den ursprünglich getrennten Plätzen entsteht auf diese Weise ein zusammenhängender Stadtpark. Auf der ehemals zum Parken genutzten Fläche findet sich heute ein schattiger Bouleplatz wieder. Der Grünraum markiert zukünftig die historische Achse zwischen der Koblenzer Innenstadt, dem Schloss sowie dem Rheinufer.

Eine Stadt am Fluss mit neuem Gesicht

Das Rheinufer ist für die Stadt Koblenz ein ganz zentraler Freiraum – und das nicht erst mit der Bundesgartenschau. Gerade in touristischer Hinsicht ist das Ufer seit je her der zentrale Anziehungspunkt. Allerdings schien die Fläche zu Beginn der Planungen in gestalterischer und funktionaler Hinsicht „in die Jahre gekommen“. Eine Neugestaltung war erforderlich. Das Wissen über die Bedeutung des Rheinufers für die Stadt brachte dabei eine große Verpflichtung: Die ganzheitliche Entwicklung des Areals musste auf einem tragfähigen und nachhaltigen Gestaltungansatz basieren, der über eine reine Flächensanierung hinaus geht.

Eine großzügige Uferpromenade für Bürger und Gäste der Stadt

Wie schon am Kurfürstlichen Schloss wurde auch am Rheinufer konsequent gehandelt und der Individualverkehr aus dem öffentlichen Raum heraus genommen. Straßen und Parkplätze wurden der Promenade zugeschlagen. Grundsätzlich blieben die Flächen – vor allem für die Andienung der Schiffanlieger sowie Unterhalt und Pflege – dennoch befahrbar und damit flexibel.

Rheinufer – Kaiserin Augusta Anlagen am Koblenzer Schloss. Foto: RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten
Rheinufer – Kaiserin Augusta An-
lagen am Koblenzer Schloss.
Foto: RMP Stephan Lenzen Land-
schaftsarchitekten
Städtische Ufer sind für viele Nutzergruppen attraktiv und somit zumeist stark frequentiert. So wird auch das Koblenzer Rheinufer intensiv von Fußgängern, Fahrradfahrern, Schiffstouristen und Gästen der Gastronomie genutzt. Konkurrierende Interessen und Ansprüche führten in der Vergangenheit immer wieder zu Konflikten. Indem der Rheinboulevard künftig in drei Promenadenabschnitte gegliedert ist, sollen solche Nutzungskonflikte gemindert und der hohe Nutzerdruck koordiniert werden. Trotz zahlreicher Höhenzwangspunkte gelang es zudem, die gesamte Uferpromenade barrierefrei auszubilden.

Die obere, der Stadt zugewandte Promenade ist Teil des Fernradweges und folgerichtig als ein Fahrweg ausgebildet. Er ist entsprechend einer hohen Belastungsklasse ausgebaut, denn auf diesem Fahrweg behält sich die Stadt auch eine zukünftige Buslinienstrecke vor. Im mittleren Promenadenbereich wurde der wertvolle Baumbestand integriert. Unter dem Platanendach findet sich Platz zum Verweilen. Hier befinden sich auch die Kassen- und Wartezonen der Schiffsanleger. Die zahlreich vorhandenen Kleinarchitekturen, wie Kioske und Kassenhäuschen erhielten ein einheitliches Erscheinungsbild und wurden nach Möglichkeit zusammengefasst. Sowohl dieser Bereich, als auch die untere Promenade sind den Fußgängern vorbehalten. Fahrradfahrer müssen hier absteigen. Die untere Promenade lädt zum ungestörten Flanieren ein und ermöglicht dem Spaziergänger einen freien Blick auf den Rhein.

Städtische Uferpromenade in Richtung Deutsches Eck. Foto: Lars Behrendt, Bildrechte: BUGA Koblenz 2011 GmbH
Städtische Uferpromenade in Rich-
tung Deutsches Eck.
Foto: Lars Behrendt, Bildrechte:
BUGA Koblenz 2011 GmbH
Parallel zu den Maßnahmen der Bundesgartenschau wurde die historische Ufermauer saniert sowie die Ver- und Entsorgung der Schiffsanleger neu geplant. Damit ist die Rheinpromenade nun auch aus technischer Sicht zukunftsfähig aufgestellt. Im Zuge beider Maßnahmen bot sich die Möglichkeit, die bestehenden Steigeranlagen neu zu ordnen. So konnte sowohl deren Anzahl reduziert werden, als auch ihre Positionierung auf den Abschnitt zwischen Stresemannstraße und Deutschem Eck eingeschränkt werden. Dem Spaziergänger offenbart sich damit ein unverstellter Blick ausgehend von der Promenade in die Landschaft bzw. umgekehrt auf die Stadtsilhouette und das Kaiser-Wilhelm-Denkmal.

Mit der Umgestaltung der Rheinuferpromenade entstand für Koblenz ein öffentlicher Freiraum, der in dieser Großzügigkeit seines Gleichen am Rhein sucht.

Stadtentwicklung sichtbar machen

Die intensive Auseinandersetzung mit dem öffentlichen Raum machte deutlich, dass am Rheinufer von Koblenz zwei sehr unterschiedliche Stadträume unmittelbar aneinander grenzen. Einerseits die von Lenné geplanten Kaiserin Augusta Anlagen bis auf Höhe des Kurfürstlichen Schlosses. Andererseits das innerstädtische Ufer in Richtung Norden bis zum Umfeld des Deutschen Ecks. Die Uferabschnitte waren ursprünglich durch ganz unterschiedliche Nutzungen geprägt. Die im englischen Landschaftsstil angelegten Kaiserin Augusta Anlagen waren als bürgerliche Flaniermeile konzipiert. Mit dem Ausbau des innerstädtischen Abschnitts konnte hingegen erst nach Schleifung der Stadtmauer, fast ein halbes Jahrhundert später, begonnen werden. Bis zu diesem Zeitpunkt war das städtische Rheinufer Verkehrs- und Umschlagplatz. Der alte Kranturm, später Pegelhaus, und der historische Brückenkopf sind Zeugnis davon. Mit zunehmendem Rheintourismus verschwand die gewerbliche Nutzung nach und nach. Die ursprüngliche Grenze zwischen den Uferabschnitten löste sich auf.

Es war ein wichtiges Anliegen der BUGA-Planungen, dieses Zeugnis der Stadtentwicklung für die Gäste und Bürger der Stadt wieder sichtbar zu machen. Die Abschnitte wurden entsprechend unterschiedlich gestaltet. Die Zäsur wird durch die neu gestaltete Stresemannstraße markiert. Als breite Fußgängerachse mündet sie über Natursteintreppe in einem Auftaktplatz am Rheinufer.

Rund um das Deutsche Eck

Das Deutsche Eck ist zweifelsohne der prominenteste Ort der Stadt. Das monumentale Denkmal, welches Kaiser Wilhelm II. zu Ehren seines Vaters errichten ließ, ist seit seiner Einweihung 1897 ein Wahrzeichen von Koblenz und der wichtigste touristische Anziehungspunkt. Zur Errichtung des Kaiser Wilhelm Denkmals wurde unter großem Aufwand eine vorgelagerte Landzunge eigens aufgeschüttet und befestigt. Es entstand ein „neues“ Deutsches Eck. Der Zusammenfluss von Rhein und Mosel wurde prägnant in Szene gesetzt.

Bis zu Beginn der BUGA-Planungen wurde die Fläche zwischen Denkmal und altem Deutschen Eck als Bushalteplatz genutzt. Darüber hinaus blieben die Flächen unbeachtet. Im unmittelbaren Umfeld des Denkmals sammelten sich Touristen. Für die Koblenzer selbst bot sich kaum ein Anreiz zum Aufenthalt.

Zur Bundesgartenschau wird dieser „Stadtraum“ zwischen Denkmal und dem ursprünglichen Deutschen Eck ganz neu entdeckt. Der Busparkplatz wurde verlagert und Raum für einen innerstädtischen Park geschaffen. Es entstanden großzügige Rasenfelder und Flächen für Feste und Veranstaltungen im unmittelbaren Umfeld der historischen Bauten. War dieser Ort bislang vorrangig für Touristen interessant, so werden nun auch die Koblenzer Bürger angesprochen. Der bereits bestehende Biergarten sowie ein von dem Landschaftsarchitekturbüro Dreiseitl neu gestalteter Wasserspielplatz fügen sich harmonisch in den Gesamtpark ein. Innerhalb der historischen Mauern des benachbarten Blumenhofes erweckte das Büro „die 3 Landschaftsarchitektur“ Stadtgeschichte zum Leben. Im Rahmen der Planungen zur BUGA entstand so ein vielfältiges Freiraumensemble mit neuen, attraktiven Nutzungsmöglichkeiten.

Peter-Altmeier-Ufer: Die Verbindung zur Altstadt

Ein Großteil der Touristen wird auch zukünftig mit dem Reisebus die Stadt besuchen. Auf einen zentralen Anfahrpunkt für Busse konnte somit nicht verzichtet werden. Vormals am Deutschen Eck gelegen, wurde der Parkplatz jetzt an das Peter-Altmeier-Ufer verlagert. Der Vorteil hier: Da die gegenüberliegenden Wohnhäuser zurück versetzt stehen, befinden sich an der Straße keine direkten Anlieger. Der neue Platz soll nur für kurzes Halten, nicht für dauerhaftes Parken genutzt werden. Indem er in direkter Nachbarschaft zum PKW Stellplatz liegt, konnte der Verkehr und die erforderlichen befestigten Flächen sinnvoll gebündelt werden. Die Versieglung wurde auf ein Minimum reduziert. Durch das Nachpflanzen von Bäumen konnte der gärtnerische Gesamtcharakter des Ufers erhalten bleiben. Die Nutzung der Promenade konzentriert sich künftig auf den unmittelbaren Uferbereich und rückt noch weiter von der Straße ab. Die Wiederverwendung des alten Natursteinpflasters ist eine Reminiszenz an die alte Hafennutzung an der Mosel. Das Pflaster spannt aus gestalterischer Sicht den Bogen von Altstadt bis zum Kaiser Wilhelm Denkmal. Zur Verbesserung des Gehkomforts wurde ein Wegeband in beschichtetem Asphalt eingelegt.

Luftbildaufnahme Festung Ehrenbreitstein mit Festungspark. Foto: Frey-Pressebild, Bildrechte: BUGA Koblenz 2011 GmbH / RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten
Luftbildaufnahme Festung
Ehrenbreitstein mit
Festungspark.
Foto: Frey-Pressebild,
Bildrechte: BUGA Koblenz
2011 GmbH / RMP
Stephan Lenzen Land-
schaftsarchitekten
Ein Festungsplateau wird zum Park

Im BUGA-Sommer 2011 steht der Festungspark Ehrenbreitstein als der größte Ausstellungsbereich mit Blumenhallen sowie Schau- und Themengärten im Fokus der Aufmerksamkeit. So ist bereits der Weg auf das Plateau über eine Seilbahn ein spektakulärer Anziehungspunkt für die Besucher.

Auf der Festung entstand ein offener Wiesenraum, in dem sich gerade Wegeachsen wie Schusslinien kreuzen. Die Parkgestaltung ist auf wenige Materialien und Ausstattungselemente reduziert. Es entstand ein robustes Freiraumgerüst, das alle Möglichkeiten der Nutzung offen lässt. Der Eingangsbereich der Festung wurde durch das Berliner Landschaftsarchitekturbüro Topotek1 gestaltet. Einen großen Gesamtpark vor Augen, wurden die Wegeachsen bis an das Werk Bleidenberg verlängert und der Park in gleicher Manier nach Norden vervollständigt.

Aktuell entwickelt die Stadt Koblenz verschiedene Szenarien für zivile Nachnutzungen der benachbarten Fritschkaserne. Bis diese Entwicklung abgeschlossen ist, hat der Park Zeit zu wachsen. Es erfolgt sozusagen eine „Stadtentwicklung im Vorgriff“ – aus Sicht der Grünentwicklung eine optimale Situation. Um auch heute schon die Nutzung des Parks zu fördern, wurde die alte Ruine des Werkes Bleidenberg aktiviert. Hier entstand im Rahmen der BUGA ein großer Abenteuerspielplatz. Dieser Spielplatz wird nicht nur für Anwohner und Gäste der Festung und der Jugendherberge von Interesse sein. Aufgrund seiner Größe und Komplexität wird er sich darüber hinaus auch zu einem Besuchermagneten mit überregionaler Anziehungskraft entwickeln. Ein zweiter Besuchermagnet befindet sich an der westlichen Hangkante des Plateaus. Ausgehend von einem Aussichtsbauwerk können die Besucher des Plateaus den weiten Blick über die Stadt Koblenz hinaus auf das Rheintal genießen.

Ob die Koblenzer sich den Festungspark dauerhaft – auch nach der BUGA – zu Eigen machen? Diese Frage lässt sich heute noch nicht mit Gewissheit beantworten. Klar ist jedoch, dass mit den Planungen zur Gartenschau der Grundstein für einen 16 ha großen Naherholungsraum gelegt wurde, der den Bürgern die Möglichkeit stadtnaher Erholung mit Raum für Sport-, Spiel und Entspannung bietet.

StadtLandschaft Bundesgartenschau: nachhaltige Perspektiven für Koblenz

Mitten in der Stadt und gezielt für die Stadt – mit der Bundesgartenschau 2011 hat sich das Zentrum an Rhein und Mosel für die Zukunft aufgestellt. Vom Deutschen Eck über die Rheinpromenade bis zum Schloss und zur Festung Ehrenbreitstein bilden künftig hochwertige Grün- und Freiräume eine lebendige Stadtlandschaft. Unter der Leitidee „Bewährtes weiterentwickeln“ haben wir die jeweiligen Charaktere der prägenden Orte gestärkt und neu definiert. Durch die gemeinsame gestalterische Sprache ist eine verbindende Folge aus Plätzen, Wegen und Grünanlagen entstanden. Zwischen Schloss und Deutschem Eck erhält Koblenz eine neue Verzahnung der Innenstadt mit dem Rheinufer. Die hohe Aufenthaltsqualität in den öffentlichen Räumen sowie die optimierten Verkehrsstrukturen werden weit über das Großereignis hinaus wirken – für Koblenz als lebenswerten Ort zum Wohnen, als attraktiven Standort zum Arbeiten sowie als blühendes Ziel für den Tourismus. Wir denken, dass Koblenz das Wesen einer BUGA interpretiert und genutzt hat, um ein halbjähriges Event mit der langfristigen Förderung der Stadt – sogar einer ganzen Region – zu verknüpfen.

Historisches Wasserbecken – ein Relikt aus dem Schlossgarten der Kaiserin Augusta. Foto: RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten
Historisches Wasserbecken – ein
Relikt aus dem Schlossgarten der
Kaiserin Augusta.
Foto: RMP Stephan Lenzen Land-
schaftsarchitekten
Bauen im historischen Kontext

Die Bedeutung des historischen Erbes von Koblenz ist unbestritten und im Stadtzentrum allgegenwärtig. Koblenz markiert das südliche Ende des Oberen Mittelrheintales, was 2002 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen wurde. Hier lässt sich Stadtgeschichte an den Kirchen, Wohnhäusern und Denkmälern wie in einem Buch studieren.

Für die Planungen anlässlich der Bundesgartenschau bedeutete dies immer wieder ein Abwägen und Vermitteln im Spannungsfeld zwischen den Zielen der Denkmalpflege und der Schaffung eines lebendigen und vitalen Ortes für die Bewohner.

Eine neue Entwurfshaltung

Das neue Schlossumfeld zeigt, dass sich bei einem sorgfältigen und zugleich zeitgemäßen Umgang mit dem Erbe beide Ziele durchaus miteinander vereinen lassen.

Nicht die Rekonstruktion stand im Vordergrund der Neugestaltung, sondern das Herausarbeiten von historischen Grundstrukturen. So ist der Schlossvorplatz weiterhin durch historische Wegeachsen geprägt. Die ursprüngliche kreisförmige Platzmitte ist nicht mehr vorhanden. Von einer Rekonstruktion und der Betonung der Mitte wurde abgesehen und stattdessen der gestalterische Bezug zwischen Vorplatz und Gebäude herausgearbeitet.

Der Vorplatz wird heute durch großzügige Rasenkarrees geprägt, die sich durch ein 40 cm breites Betonbord als Stufe gegenüber umgebenden Flächen absetzen. Das zentrale Wegekreuz wird dezent durch vier angezogene Rasenflächen akzentuiert.

Auf die Platanenreihen entlang der Platzränder wurde in Planung und Ausführung besondere Rücksicht genommen. Der Strauchaufwuchs und Ziergehölze wurde entfernt. Eine neu gepflanzte Lindenreihe ergänzt das Bild. Die Baumreihen betonen die achsiale Strenge – der Vorplatz selbst bleibt frei. Während der Gartenschau werden diese Flächen als „blühende Krone“ inszeniert. Nach der BUGA vermitteln die Flächen Weite – eine „Stadtlichtung“ im dichten Zentrum.

Das gleiche zurückhaltende Gestaltungsprinzip fand auch für das Schlossrondell Anwendung. Während der BUGA befindet sich hier der befestigte Eingangsbereich. Nach der BUGA unterstreichen schlichte Rasenfelder eine einheitliche, stadträumliche Figur.

Zurückhaltung auch bei der Materialwahl: wassergebundene Wegedecke für die zentrale Achse, beschichtete Asphaltflächen in gleicher Optik für die befahrenen Bereiche. Die Gebäudevorflächen wurden mit Natursteinpflaster aus Grauwacke befestigt. Das Ganze schlicht und zeitlos, dem historischen Umfeld angemessen.

Ein Spielplatz vor dem Schloss: die Integration neuer Nutzungen

Die Gestaltung wird nicht als Selbstzweck verstanden. Das Ziel war, die Flächen einer angemessenen, neuen Nutzung zuzuführen, um sie dadurch in den öffentlichen Stadtraum einzufügen.

Die Akteure wagten einen mutigen Schritt. Sie integrierten einen Spielplatz für Kleinkinder sowie einen Skateplatz in das Schlossvorfeld und zeigen: Dieser Stadtraum steht allen offen. Ein ganz neuer Ansatz – auch für die Gestaltung der Innenhöfe in den Zirkularbauten.

Der frühere „Sattelplatz“ vor den Pferdeställen wurde in den letzten Jahrzehnten als Parkplatz genutzt. Die Neugestaltung der Innenhöfe hatte eine hohe Aufenthaltsqualität zum Ziel.

Bei einer strengen Rekonstruktion blieben die Plätze allerdings leer und damit aus heutiger Sicht nicht nutzbar. Stattdessen entstanden zwei öffentlich nutzbare Gartenräume mit Wasserspiegel und kleinem Veranstaltungspatz, die den „leeren“ Vorplatz ergänzen. Die vornehm zurückhaltende Gestaltung ist unter strengen denkmalpflegerischen Gesichtspunkten falsch. Mit Augenmerk auf die neue Nutzung jedoch richtig.

Neue Elemente lesbar machen

Die Pergola – eine leichte Stahlkonstruktion als neues Element. Foto: RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten
Die Pergola – eine leichte Stahlkon-
struktion als neues Element.
Foto: RMP Stephan Lenzen Land-
schaftsarchitekten
Auch bei dem rückseitigen Schlossgarten stellte sich die Frage nach Art und Weise der Neugestaltung. Gewählt wurde ein ähnlicher Ansatz wie im Umgang mit dem Schlossvorplatz. Zunächst erfolgte auch hier die intensive Analyse des Bestandes. Der Schlossgarten wurde mit Kriegsschutt verfüllt und die Anlagen in der Folgezeit mehr oder weniger sich selbst überlassen. Das historische Wasserbecken und der dahinter erhöht liegende Aussichtsplatz zählen zu den wenigen historischen Elementen, die den ursprünglichen Garten bestenfalls erahnen ließen. Gleiches gilt für die verbleibenden Exemplare des originalen Baumbestandes. Die Relikte wurden selbstverständlich in die Planung eingebunden. Untersuchungen des Baugrundes ergaben darüber hinaus keine Spuren. Es konnte nicht in Gänze geklärt werden, in welchem Umfang die Lennéschen Planungen auch tatsächlich realisiert wurden.

Im nächsten Planungsschritt galt es die Frage nach den gestalterischen Grundzügen Lennés zu beantworten. Hierfür wurde das vorhandene Plan- und Bildmaterial genutzt. Sie zeigen den introvertierten Privatgarten der Kaiserin mit abgesenkten Parterreflächen. Zum Rhein hin wurde der Garten durch zwei längliche Baukörper mit langen Pergolengängen gefasst. Der Parterregarten war über Treppen zu erreichen – gleich einem klassischen Senkgarten waren die Pflanzungen aus erhöhter Position zu betrachten.

Die Grundfläche des Gartens bildet in ihren symmetrischen Abmessungen die Gebäudefläche ab. Sein Grundriss ist konsequent aus der Schlossarchitektur abgeleitet. Aus diesem Konstruktionsprinzip resultiert auch der Halbkreis als wiederkehrendes Gestaltungselement.

Der Garten wurde in diesen Grundstrukturen wiederhergestellt. Zu Gunsten des Baumbestandes wurden dabei geringfügige Anpassungen in Kauf genommen. Gründungsarbeiten brachten wider Erwarten Fundamente der historischen Pergola zu Tage. Die anschließende archäologische Aufnahme bestätigte den angenommenen Grundriss bis auf wenige Zentimeter genau. Die Pergola stand ursprünglich auf zwei begehbaren Sockelbauwerken. Diese wurden rekonstruiert, wodurch der Garten seine historische Raumkante zurück erhielt. Die Pergola selbst ist als neues Element ablesbar. Anstelle der ursprünglich schweren Steinpfeiler tritt heute eine leichte Stahlkonstruktion.

Der Entwurf des Schmuckparterres hebt sich ebenfalls von seinem historischen Vorbild ab. Bei der Gliederung der Beete wurde das Prinzip des Kreisbogens aufgegriffen und neu interpretiert. Das historische Erbe wird durch eine zeitgenössische Gestaltung ergänzt.

Die Toranlage – Öffnung der Infanteriemauer zur Rheinpromenade. Foto: RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten
Die Toranlage – Öffnung der Infan-
teriemauer zur Rheinpromenade.
Foto: RMP Stephan Lenzen Land-
schaftsarchitekten
Neue Gartenpforten

In neuer Gestalt wird der Schlossgarten zu einem Publikumsmagneten. Der Garten soll dabei zukünftig nicht nur vom Schloss aus, sondern auch von der Rheinseite erreichbar sein. Es entsteht eine neue Stadtverbindung, die es zur Zeit der Kaiserin nicht gegeben hat. Es handelte sich ursprünglich um einen privaten Gartenraum, der zum Rhein hin durch eine hohe Natursteinmauer abgeschirmt war. Mit geschickter Wegeführung wurde nun eine fußläufige Verbindung hergestellt, die den introvertierten Charakter des Gartens wahrt. Es wurden zwei Mauerdurchbrüche geschaffen, die sich in den Dimensionen an den weiter nördlich gelegenen historischen Durchbruch orientieren. Durch eine umlaufende Stahllaibung wirkt die Öffnung wie eingeschnitten. Auch hier wird der nachträgliche „Eingriff“ nicht versteckt, sondern als solcher schlicht und zeitgemäß thematisiert.

Naturstein bis Beton

Vom zeitgemäßen Umgang mit bewährten Materialien

Nicht wenige Besucher erwarten auf einer Gartenschau neue Materialen für den Freiraum und deren Verwendung kennen zu lernen. Auf der Suche nach spektakulären Neuheiten werden sie in Koblenz, zumindest in den dauerhaften Anlagen, auf den ersten Blick enttäuscht. Anspruch war hier, den Entwurf aus dem Ort heraus zu entwickeln, mit einer Materialverwendung die nicht um Aufmerksamkeit ringt sondern sich souverän in die Umgebung einfügt. Ziel war ein zeitgemäßer Umgang mit klassischen Materialien. Dieser Anspruch galt für die Planungen rund um das Stadtschloss und insbesondere bei der Frage nach dem richtigen Oberflächenmaterial für die Promenaden an Rhein und Mosel.

Basaltpflaster am Moselufer neu verlegt

An den Ufern bot sich zu Beginn der Planungen ein sehr unterschiedliches Bild: Auf der Moselseite waren noch große Flächen mit altem Natursteinpflaster vorhanden. Das Pflaster ließ den ursprünglichen Hafencharakter erahnen. Mit dem Abriss vorhandener Schichten kamen weitere Pflasterflächen zum Vorschein. Das Bild des alten Hafens verdichtete sich. Das Pflaster wurde aufgenommen und die rötlichen Porphyrsteine heraus sortiert. Die neue Verlegung des Basalts, wie auch schon im Bestand, ungebunden. Heute sehen die Flächen wieder aus wie neu! Die Zeit scheint spurlos an dem Stein vorbeigegangen zu sein.

Grauwacke als neues Material der Rheinpromenade

Verlegearbeiten am Konrad-Adenauer-Ufer. Foto: Lars Behrendt, Bildrechte: BUGA Koblenz 2011 GmbH
Verlegearbeiten am Konrad-
Adenauer-Ufer.
Foto: Lars Behrendt, Bildrechte:
BUGA Koblenz 2011 GmbH
Verglichen mit dem Moselufer zeigte sich dem Besucher bisher am Rheinufer ein ganz anderes Bild. Der Plattenbelag war zu einem großen Teil beschädigt und machte einen unansehnlichen Eindruck. So war der alte Waschbetoncharme der 70er Jahre nur noch sporadisch zu erahnen. Schuld daran war ein Schichtaufbau der den heutigen Anforderungen nicht mehr gerecht wird. So wurde die etwa 5 cm starke Betonplatte zum Teil gebunden, zum Teil ungebunden auf Asphalttragschichten verlegt. Angesichts einer Promenade die mehr einem Flickwerk glich, stellte sich die Frage: Was ist das richtige Material für das Koblenzer Rheinufer? Dies wurde mit allen Beteiligten von Beginn an mit größter Sorgfalt umfassend diskutiert. Dabei handelt es sich keinesfalls nur um einen ästhetischen Aspekt. Bei einer Fläche von 12.000 m² waren die technischen und wirtschaftlichen Belange mindestens gleichbedeutend.

Zunächst stand die grundsätzliche Entscheidung zwischen Naturstein und Beton. Neben dem Aspekt der Haltbarkeit des Materials war hier vor allem auch dessen Alterungsprozess zu berücksichtigen. Ist der Belag auch noch in 10 oder 20 Jahren ansehnlich? Die Kosten für die Verwendung von Natursteinplatten lagen zur Planungsphase am Konrad Adenauer etwa 40 Prozent über den Kosten der Betonvariante. Trotzdem fiel die Entscheidung am Ende zugunsten des Natursteins! Die Bundesgartenschau wurde auch in der Materialauswahl als Chance für eine nachhaltige Investition in die Zukunft erkannt.

In der Frage nach der Herkunft des Materials bestand von Beginn an Einigkeit darüber, dass ein regionaltypisches Material verwendet werden sollte. Im Fall von Koblenz kamen somit Basalt bzw. Basaltlava oder Grauwacke in Frage. Die Anforderungen an das Material sind hoch:

Das Ufer ist für die Andienung der Schiffe, die Pflege und den Unterhalt komplett befahrbar. Die Stadt Koblenz lässt offen, ob in der Zeit nach der BUGA eine Stadtbuslinie das Ufer abfährt. Der stadtseitige Promenadenbereich muss vorsorglich dieser besonderen Belastung standhalten können. Des Weiteren ist das regelmäßig auftretende Rheinhochwasser ein Thema – genauso wie auch die starke Inanspruchnahme durch die verschiedenen Nutzer – einschließlich der gastronomischen Einrichtungen. Vor diesem Hintergrund wurden beide Natursteine auf ihre Tauglichkeit geprüft. Entsprechende Referenzprojekte wurden angeschaut und Musterflächen erstellt. Es entstanden zum einen Flächen aus Basalt mit unterschiedlicher Oberflächenbeschaffenheit sowie Flächen mit geflammter Grauwacke. Die Entscheidung fiel schließlich nach ästhetischen Gesichtspunkten: Die gesamte Promenade erhielt einen einheitlichen Belag aus Grauwacke.

Im nächsten Schritt galt es die Frage nach der Verlegung zu beantworten. Basierend auf dem gestalterischen Entwurf ergaben sich Formate von 20 cm Breite in freien Längen von 45 bis 80 cm. Damit handelt es sich nach den Regelwerken um eine sogenannte Sonderbauweise. Zur Beratung und Unterstützung in Sachen Bauart wurde deshalb Erich Lanicca als renommierter Schweizer Fachgutachter hinzugezogen.

In der Frage zwischen gebundener und ungebundener Bauweise scheiden sich die Experten. Beide Bauweisen haben Vor- und Nachteile. Dazu kommen wirtschaftliche Aspekte. So ist beispielsweise der hohe Investitionspreis für eine gebundene Bauweise mit langfristiger Pflege abzuwägen. Auch stellte sich die Frage nach künftig erforderlichen Reparaturen oder etwa dem Aufwand bei Öffnungen für Leitungen. Die Entscheidung fiel am Ende aufgrund der Plattenlängen zugunsten der gebundenen Bauweise. Folgender Regelaufbau wurde entwickelt:
• 10 cm Stein
• 5 cm Mörtel
• 12 cm Wasserdurchlässiger Asphalt (WDA)
• Schottertragschicht

Im Bereich der potenziellen Busspur wurde der Regelaufbau entsprechend der zu erwartenden Belastung folgendermaßen angepasst:
• 15 cm Stein
• 5 cm Mörtel
• 20 cm Drainbetontragschicht
• Schottertragschicht

Als Fuge wurde eine einschichtige Fuge gewählt. Für die erhöhte Flankenhaftung wurden Rillen in die Steine eingefräst. Dehnfugen wurden als sogenannte Wartungsfugen an längs verlaufenden Anschlüssen gesetzt. Erforderliche Querfugen werden nach der BUGA an den Stellen mit Rissbildung eingeschnitten und als Scheinfuge ausgebildet.

Neben dem Aufbau ist vor allem auch die Qualität des Materials von entscheidender Bedeutung für den dauerhaften Bestand der Promenade. Da es sich bei der Grauwacke streng petrographisch um einen Sandstein und damit um ein Schichtgestein handelt, musste hier ein besonderes Augenmerk auf die Qualitätssicherung des Materials gelegt werden. Die Werte der Prüfzeugnisse sind nicht für alle Lagen des Steinbruches anwendbar. Je nach Horizont im Bruch schwanken die Eigenschaften. Aus bestimmten Lagen ist der Stein für die gestellten Anforderungen nicht geeignet. Vor diesem Hintergrund fiel der Entschluss ein entsprechendes Qualitätsmanagement zu installieren. Durchgeführt wurde dieses von dem Büro RMC Rock Mineral Consulting. Die Überwachung der einzelnen Chargen begann bereits beim Abbau vor Ort und der Verarbeitung im Steinbruch. Sie ging über den Transport und endete bei der Abnahme auf der Baustelle.

Abschließend entstand in Zusammenarbeit mit Erich Lannica und der Stadt Koblenz eine ausführliche Pflege- und Wartungsanleitung für die künftige Betreuung der Promenade. Der hohe planerische Aufwand und die umfangreiche Qualitätssicherung gewährleisten den Bestand der Promenade langfristig.

Tragebänder ermöglichten die Positionierung von Betonfertigelementen. Foto: RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten
Tragebänder ermöglichten die
Positionierung von Betonfertig-
elementen.
Foto: RMP Stephan Lenzen Land-
schaftsarchitekten
Einfassungen aus Betonfertigteilen

Ein zentrales Element des gestalterischen Entwurfes sind die Einfassungen. Dies gilt gleichermaßen für die Bereiche rund um das Schloss, wie auch für die Uferpromenaden und den Park am Deutschen Eck. Überall erscheinen die Einfassungen als wiederkehrendes Element, das die unterschiedlichen Bereiche gestalterisch zusammen hält. Im Schlossgarten wurden die Einfassungen aus Bandstahl oder in Natursteinplatten geplant und in Verbindung mit den Abdeckplatten der Natursteinmauern entwickelt. In allen anderen Bereichen ist die Einfassung aus Betonfertigteilen, die als Schwellen die Standartabmessungen von 240 x 40 x 15 cm haben. Auf eine entsprechende Ausführung wurde besonderes Augenmerk gelegt. Alle erforderlichen Elemente wurden passgenau angefertigt. Es gibt Winkelelemente, Radiensteine, Rampensteine sowie Aussparungen für die Integration von Mastleuchten. Es erfolgte kein Schnitt vor Ort.

Auch die Einfassungen am Konrad-Adenauer-Ufer sind eine Besonderheit. Für die vorhandenen Platanen wurden Felder in der Promenade ausgespart und mit wassergebundener Wegedecke befestigt - ein Kompromiss zwischen Baumstandort und Nutzung. Aus der Not eine Tugend gemacht, wurden die Felder und vor allem deren Einfassung zu einem wichtigen Entwurfsbestandteil.

Mit 80 cm wurde die Breite der Einfassungen so gewählt, dass Ausstattungselemente wie Lampen, Abfallbehälter und Bänke direkt integriert werden konnten. Gleiches gilt für die Abdeckplatten der Ufermauer mit einem Regelmaß von 140 x 115 x 30 cm. In diese wurde das Geländer eingebunden.

Eine besondere Herausforderung stellten die Höhen-Zwangspunkte im Promenadenquerschnitt dar. Gelöst wurde die Problematik mit Hilfe von rampenartigen Stufen. Gleichzeitig dienen sie als Gestaltungselement und gliedern die Längsrichtung der Promenade. Die sogenannten Schleppstufen wurden maßgeschneidert – jedes Bauteil wurde detailliert geplant. Zusätzlich erfolgte eine Schal- und Bewehrungsplanung über den Hersteller. Angesichts der Dimensionen musste ein Zuschnitt auf der Baustelle vermieden werden. Im Sinne eines überzeugenden Gesamtbildes sollte auf Ankerösen verzichtet werden. Daher wurden Tragbänder, ähnlich einem Autogurt, integriert und nach der Verlegung abgeschnitten.

An die Fertigteile wurden hohe ästhetische und technische Anforderungen gestellt. Ein 20 Tonnen schweres Rampenelement sollte die gleiche Optik aufweisen, wie eine 200kg schwere Blockstufe. Gewünscht war eine helle, sandige Oberfläche – möglichst mit Zuschlägen aus der Region.

Zahlreiche Bemusterungen waren nötig, bis die richtige Betonrezeptur für den Spagat zwischen passender Optik und Statik gefunden wurde: Zur Herstellung der Fertigteile wurden ausschließlich Rheinsand und Rheinkies verwendet. Als Zement wurde ein Portland Kalksteinzement gewählt, der mit sieben Prozent Kalksteinmehl heller als der übliche Portlandzement ist. Der Beton wurde so durch sein höheres Wasserrückhaltevermögen geschmeidiger und die Verarbeitungseigenschaften verbesserten sich.

Entgegen der üblichen Verfahrensweise, wurde nicht die Schalunterseite, sondern die geglättete Oberseite als Ansichtsfläche gewählt. Diese wurde anschließend Wasser-Sand gestrahlt. Durch den Glättvorgang wurden die Kornteile nach oben gezogen, so dass nach dem Strahlvorgang eine Matrix aus Sandkörnern sichtbar wurde. Diese Arbeitsweise ist aufwendiger als die Schalunterseite zu nehmen und bedarf einer fein abgestimmten Sieblinie. Im Ergebnis konnten so auch große Bauteile mit der gleichen sandigen Optik hergestellt werden.

Der Strahlvorgang erfolgte mit einem Druck von ca. 500 bar. Gegenüber der Oberflächensäuerung ist diese Vorgehensweise umweltschonender. Obwohl zwei unterschiedliche Fertigteilwerke produzierten, unterscheiden sich die Oberflächen nur in Nuancen. Im Ergebnis präsentiert sich dem Besucher ein einheitliches Gesamtbild.

Epoxidharz-beschichtete Asphaltflächen – eine Alternative zur wassergebundenen Wegedecke. Foto: RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten
Epoxidharz-beschichtete Asphalt-
flächen – eine Alternative zur
wassergebundenen Wegedecke.
Foto: RMP Stephan Lenzen Land-
schaftsarchitekten
Alternativen zur Wassergebundenen Wegedecke

Bei den Park- und Gartenwegen historischer Anlagen handelt es sich klassischer Weise zumeist um wassergebundene Wegedecken. Auch wenn in den letzten Jahrzehnten der Wegeaufbau, das Material und die Einbautechnik weiter optimiert wurden: der Belag zeigt bei einer regelmäßigen Befahrung Verschleißspuren, die bei fehlender Pflege den Weg auf Dauer stark beeinträchtigen. In Koblenz bestand dieses Problem am Schlossvorplatz. Hier sollen sich auch künftig Taxi-Vorfahrt und Andienung befinden.

Um trotz der Belastungen künftig ein ansprechendes Erscheinungsbild sicherzustellen, wurden die Flächen nun als normale Asphaltdecke ausgebildet, die mittels einer Epoxidharzbeschichtung eine Einstreudecke erhielt. Das Einstreumaterial wurde auf das Material der vorgesehenen wassergebundenen Wegedecken abgestimmt. Allein die Feinkornanteile mussten ausgesiebt werden, weil sonst die Haftung verloren gehen würde. Im Ergebnis entstand eine Oberfläche, die sich optisch nicht von den wassergebundenen Flächen unterscheidet. Die Beschichtungstechnik stammt aus dem Straßenbau und gilt als äußerst dauerhaft und verschleissfest. Hier ist es eher das Einstreumaterial selbst, was nachgibt. Nicht jedoch der Kleber. Neben den Flächen vor dem Schloss wurden auch die Promenadenflächen an den Kaiserin-Augusta-Anlagen auf diese Weise befestigt. Hier wurde die Farbigkeit auf die in städtischer Regie erstellte Promenadenanlage abgestimmt.

Auch am Moselufer kam diese Befestigungsalternative zum Einsatz. So entstand innerhalb des Promenadenbelages aus vorhandenem Großsteinpflaster ein barrierefreier Wegestreifen, der das gesamte Ufer von der westlich angrenzenden Altstadt bis zum Denkmal verbindet. Zum Jahresende 2010 waren die Flächen entlang der Ufer weitgehend fertiggestellt. Die Hochwassertaufe im Januar 2011 wurde erfolgreich bestanden.

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