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-   Kernbeiträge
Staudenmischpflanzungen auf Freiflächen

  Chancen und Grenzen im öffentlichen Grün in Süddeutschland 

Johannes Winter 
An der FH-Weihenstephan wurde im Rahmen einer Bachelorarbeit ein aktuelles Meinungsbild über Staudenmischpflanzungen im öffentlichen Grün erstellt. Erfahrungen und Fakten der besuchten Städte wurden zusammengetragen und es wurde beurteilt, ob das Konzept der Staudenmischpflanzung die Planer überflüssig werden lässt. Untersucht wurde jeweils eine Pflanzung in dreiunddreißig Städten in Süddeutschland.
Moderne Mischpflanzung am Wissenschafts-Kongresszentrum in Darmstadt; Planung: SHK Landschaftsarchitekten. Fotos, Grafiken: Johannes Winter
Moderne Mischpflanzung am Wissenschafts-Kongresszentrum in Darmstadt; Planung: SHK Landschaftsarchitekten.
Fotos, Grafiken: Johannes Winter
 
Die Datenerhebung wurde anhand einer Bestandsaufnahme, einer visuellen Bonitur und einer detailierten Befragung der Verantwortlichen der Pflanzung durchgeführt. Verfasser: Johannes Winter; Betreuerin: Prof. Dr. Swantje Duthweiler

Einleitung

Der derzeitig hohe Kostendruck im öffentlichen Grün zwingt die zuständigen Gartenamtsleiter und Stadtgärtner sich nach pflegereduzierenden Bepflanzungsmöglichkeiten umzusehen. Das seit einigen Jahren existierende Konzept der Staudenmischpflanzung verspricht, auf der Basis von pflanzensoziologischen Erkenntnissen und durch eine dynamische Weiterentwicklung des Artenspektrums, eine Reduzierung der pflegerischen Eingriffe. Das ungewohnte und neue Konzept wurde erst sehr verhalten eingesetzt, erfreut sich aber gerade in den letzten drei bis vier Jahren immer größerer Beliebtheit.

Leider ist bis heute wenig bekannt, wie sehr sich das Konzept der Staudenmischpflanzung wirklich für das Stadtgrün eignet. Die bisher sehr intensiv erforschten Silbersommer-Anlagen sind oft nicht der Belastung der harten Wirklichkeit des öffentlichen Grüns ausgesetzt vgl. KIRCHER (2001).

So ergaben sich folgende Fragestellungen:
-  Wird das Konzept im öffentlichen Grün angewendet?
-  Werden getestete Sortimente verwendet?
-  Welche Probleme tauchen bei der Anwendung auf?
-  Welche Rolle spielt dabei der Fachplaner?

Grundlagen

Die Mischpflanzung

Der Begriff Mischpflanzung hat seinen Ursprung in der Pflanzenverwendung. Statt, wie bei einer traditionellen Wechselflor- oder Staudenbepflanzung auf Flächenstrukturen wie z.B. Mono-, Block- oder Mosaikpflanzungstypen zurückzugreifen, wird auf ein erprobtes Artenspektrum in festgelegten Mengenanteilen zurückgegriffen. Die verwendeten Arten ergänzen sich im besten Fall in ihren jahreszeitlichen Aspekten, Lebensformen, Wuchshöhen und ihren Ausbreitungsstrategien. Das Ergebnis sollte ein weitgehend selbstregulierendes System sein. Wichtig ist nicht der Erhalt einzelner Arten, sondern eines Vegetationsbildes, bei dem in Maßen eine Artenverschiebung geduldet wird. Aussaat und Fremdbewuchs stören nicht bzw. sind erwünscht. Bei Anwendung des gleichen Sortiments auf unterschiedlichen Flächen ergeben sich unterschiedliche Vegetationsbilder. Dies ist auf die standortbezogene Veränderung der einzelnen Arten zurückzuführen vgl. BORCHARDT/EVERT (2007), S.13.

Flächendeckender, aber monotoner Einartbestand.
Flächendeckender, aber monotoner
Einartbestand. 
Die Vor- und Nachteile

Die derzeitigen fachlichen Meinungen über Mischpflanzungen gehen in verschiedene Richtungen. Klar ist, dass es wie bei jedem Bepflanzungstyp Vor- und Nachteile gibt.

Alternativen

Der verantwortungsvolle Umgang mit den Flächen in Städten und Gemeinden obliegt den zuständigen Behörden. Sie haben oft die Wahl, wie sie mit den ihnen zur Verfügung stehenden Flächen verfahren. Die Alternativen zur Staudenmischpflanzungen sind vielfältig. Zum einen steht ihnen offen die Flächen zu versiegeln, zum anderen mit dem „Baustoff Pflanze“ zu arbeiten. Hier besteht die Möglichkeiten einen Gehölzbestand oder einen Einartbestand anzulegen, sowie Stauden oder Einjährige (Sommerblumen) in anderen Bepflanzungstypen zu verwenden.

Vorteile

Eine detailierte Pflanzungsplanung fällt weg und lediglich die genau festgelegten Mengenanteile sind vom Planer zu bestimmen. Die bereits getesteten und erprobten Mischungen geben hier eine hervorragende Hilfestellung und eine hohe Anwendungssicherheit. Durch Wegfallen eines Pflanzplanes entfällt ebenso das Abstecken im Gelände, welches bei einer hohen Artenvielfalt sehr zeitaufwendig sein kann.

Ein weiterer Vorteil ist sicherlich der reduzierte Pflegeaufwand, der anhand vieler Untersuchungen dokumentiert wurde. Die Konzepte der Mischungen wurden so ausgelegt, dass langfristig stabile Pflanzungen entstehen. Die Dominanz der kurzlebigen Arten wird im Laufe der Zeit durch langlebige und ausdauernde Arten abgelöst. Die Erhaltungspflege, welche bei regulären Staudenpflanzungen oft sehr hoch ist, wird durch die vorher optimierte Standort- und Artenabstimmung um ein Vielfaches verringert.

Der im Hermannshof/Weinheim getestete Indianersommer in Bestform. Foto: Till Hofmann
Der im Hermannshof/Weinheim ge-
testete Indianersommer in Best-
form.
Foto: Till Hofmann
Auf Dauer gesehen, entstehen durch die Staudenmischpflanzungen spannende und abwechslungsreiche Vegetationsbilder mit hohem Erlebniswert. Die angestrebten Strukturen und Texturen sollen die Pflanzung ganzjährig wirken lassen vgl. BUND DEUTSCHER STAUDENGÄRTNER (2010).

Nachteile

Die momentan bekannten Nachteile sind in der teilweise aufwendigen Anlage und der nachhaltigen Pflege zu finden. Die Ausführung einer Staudenmischpflanzung ist aufgrund des meist notwendigen Bodenaustausches mit einem höheren Aufwand verbunden, als z.B. die Versiegelung der zu bepflanzenden Fläche. Aufgrund der Verwendung eines großen Artenspektrums kann es vorkommen, dass die Arten nicht oder nur fehlerhaft geliefert werden können. Bei der Pflege ist zu berücksichtigen, dass eine hohe Qualifikation des Pflegepersonals von Nöten ist, um auf Dauer eine qualitativ gute Pflege zu gewährleisten.

Aktuelle, getestete Freiflächen-Sortimente

Da seit einigen Jahren an den Staudenmischungen geforscht wird, ist es nicht verwunderlich, dass bereits eine Vielzahl an erprobten Freiflächen-Sortimenten verfügbar ist. Derzeit sind es etwa 29 getestete Mischungen, von denen die meisten für trockene und sonnige Standorte konzipiert wurden. An Sortimenten für den trockenen Schatten wird geforscht.

Auf die einzelnen Sortimente soll hier nicht eingegangen werden. Mehr über die getesteten Sortimente findet der interessierte Leser auf stauden.de.

Der Faktor Stress

Wichtig für die Anwendung von Staudenmischpflanzungen auf offenen, trockenen Freiflächen ist der Faktor Stress. Dieser dient vor allem der Reduzierung der Pflege. Unkraut soll sich durch die extremen Standortbedingungen gar nicht erst ansiedeln, oder durch die wuchskräftigere, angepflanzte Konkurrenz verdrängt werden. Dies wird vor allem durch eine Optimierung des Standorts (Bodenaustausch oder Aufbringung von mineralischem Mulchmaterial) erreicht.

Ergebnisse

Ergebnisse zur Planung

Finanzierung

Probleme bei der Finanzierung der Pflanzung gab es laut Aussagen der Städte keine. Schwieriger gestaltet sich dagegen die Unterhaltung der Pflanzung. Was zur Folge hat, dass bei der Anlage der Pflanzung mehr in deren pflegereduzierten Charakter investiert werden sollte.

Silbersommerpflanzung im Gewerbegebiet Talhaus in Hockenheim; Planung: Matthias Degen.
Silbersommerpflanzung
im Gewerbegebiet Tal-
haus in Hockenheim; Pla-
nung: Matthias Degen.
Fertigmischung oder eigene Kreation?

Oft stellt sich die Frage: Zurückgreifen auf getestete Sortimente oder lieber eine individuelle Eigenkreation? Die Mischung „Silbersommer“ ist das am häufigsten verwendete Sortiment in den untersuchten Städten. Es ließ sich feststellen, dass es in der Anwendung äußerst erfolgreich ist. Die anderen vorgefundenen Mischungen funktionierten auch sehr gut, werden allerdings deutlich verhaltener verwendet. Der eigenen kreativen Planung eines Mischpflanzensortiments steht selbstverständlich nichts im Wege, wie die Untersuchung eindeutig zeigte. Individuelle Lösungen für Ortseingangsbereiche, Parkplätze, Verkehrskreisel usw. werden immer wieder äußerst erfolgreich angewandt. Einige der befragten Stadtgärtner erwiesen sich so als sehr experimentierfreudig. Sie veränderten die Sortimente und passten sie den lokalen Bedürfnissen an. Dies erforderte teils auch die Hilfe eines externen Planers und ist nicht so einfach, wie auf bereits ausgiebig getestete Sortimente zurückzugreifen.

Der Herbstaspekt einer von vielen Silbersommer-Pflanzung in Erlangen; Planung: Christoph Kintopp.
Der Herbstaspekt einer
von vielen Silbersommer-
Pflanzung in Erlangen;
Planung: Christoph
Kintopp. 
Ein weiterer Aspekt, der sich innerhalb der Einführung von Arten und der Züchtung neuer Sorten immer mehr in den Vordergrund drängt, ist die teilweise invasive Ausbreitung einzelner Pflanzen. Hier sollte der kundige Planer darauf achten, Pflanzen zu verwenden, die sich nicht in die umgebende Landschaft hin ausbreiten.

Der passende Ort

Aus den einzelnen Gesprächen ließ sich entnehmen, dass es sehr wichtig ist Staudenmischpflanzungen nicht überall einzusetzen. Sonst kann es zu einer Art Reizüberflutung kommen und die Schönheit der Stauden kann nicht mehr wahrgenommen werden. Laut den Aussagen der Städte sind die wichtigsten Standorte für repräsentative Pflanzungen die stark frequentierten Stadteingänge. Aber auch die Flächen vor wichtigen Gebäuden und großen Plätzen. Im Allgemeinen gilt bei Staudenmischpflanzungen: je größer die Fläche desto größer die Wirkung.Allerdings fanden sich auch in einigen Städten und Gemeinden kleine Flächen die überzeugen konnten. Dabei ist bei kleinen Flächen an Fußgängerüberwegen, Kreuzungen und Einmündungen schon bei der Planung darauf zu achten, dass die Verkehrssicherheit gewährleistet werden kann. Hohe Gräser und Stauden sollte man hier nur unter Berücksichtigung der Richtlinien von Anfahrsicht, Annäherungssicht und Haltesicht verwenden vgl. RAS-K-1 (2001).

Die Chance der Fachplaner

Dass bei Mischpflanzungen der Planer überflüssig wird, ist eines von vielen Vorurteilen gegen das Konzept der Staudenmischpflanzung. Die Aussage kann aufgrund der vorliegenden Ergebnisse und der geführten Gespräche nicht bestätigt werden. Natürlich lässt sich vereinzelt beobachten, dass es nicht nötig ist die Planung zu vergeben, weil das Konzept Staudenmischpflanzung die Erstellung eines Pflanzplanes hinfällig macht. Dies ist aber in den untersuchten Städten die Ausnahme. Nach Aussage der Städte werden fachlich hochversierte Planer nicht nur beauftragt, um individuelle Lösungen zu finden, sondern auch, um das Fachwissen und den Erfahrungsschatz von außen zu nutzen. Hier liegt eine Chance für Fachplaner mit dem Schwerpunkt Pflanzenverwendung.

Ergebnisse zur Ausführung

Bodenaustausch

Bei fast allen untersuchten Pflanzungen wurde vorher ein Bodenaustausch vorgenommen. Die Verwendung von magerem Substrat mit hohem mineralischem Anteil geht meist einher mit der Angabe eines niedrigen Pflegeaufwandes.

Die Substrat-Frage

Seit Jahren arbeitet die Stadt Groß-Umstadt erfolgreich mit Staudenmischpflanzungen; Planung: Anke Elsner. Foto: Anke Elsner
Seit Jahren arbeitet die Stadt Groß-
Umstadt erfolgreich mit Stauden-
mischpflanzungen; Planung: Anke
Elsner.
Foto: Anke Elsner 
Trotz der Angaben für Bodenverhältnisse für die einzelnen Mischungen, tauchte immer wieder die Frage nach dem richtigen Substrat auf. Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten, da jede Mischung ihre eigenen Ansprüche an den Standort hat und sich die fertigen Mischungen regional unterscheiden. Es konnte beobachtet werden: je magerer das Substrat ist, desto pflegereduzierter ist die Pflanzung, jedoch auch weniger attraktiv.

Bodenverbesserer

Der Einsatz von bodenverbessernden Stoffen ist auch bei den Staudenmischpflanzungen vereinzelt anzutreffen. Neben Bentonit, das wegen seiner erhöhten Wasserspeicherfähigkeit verwendet wird, finden auch industriell gefertigte Zuschlagsstoffe ihre Anwendung. In Einzelgesprächen konnten positive Meinungen dazu festgestellt werden.

Zeitpunkt der Mulchung

Die Regensburger Stadtgärtner verwenden Wandkies als Substrat.
Die Regensburger Stadtgärtner
verwenden Wandkies als Substrat.
Die Mulchung erfolgte bei den einzelnen Städten und Gemeinden je nach Arbeitsablauf. Bewährt hat es sich, auf kleinen Flächen nach dem Pflanzen zu mulchen und auf großen Flächen allerdings vorher. Dies ist aber abhängig von der jeweiligen Situation. Eine Stadt berichtete, dass nach dem Pflanzen die leeren Pflanzen-Container als Schutz über die Pflanzen gestellt werden und dass dadurch deutlich weniger Ausfälle durch Verschüttung zu verzeichnen sind.

Mulchmaterial

In den meisten Städten wurde die Pflanzung mit einer mineralischen Mulchschicht versehen. Organische Mulchmaterialien wie z.B. Rindenhäcksel wurden auf Freiflächen gar nicht verwendet. Der Unkrautdruck auf den mineralisch gemulchten Flächen wird im Großen und Ganzen als niedrig eingeschätzt. Erfreulicherweise lässt sich feststellen, dass meistens auf Mulchmaterial zurückgegriffen wird, das in näherer Umgebung gewonnen wird. Eine Ausnahme ist hier der Einsatz von Lava als Substrat und Mulchmaterial.

Die Beschaffung der Pflanzen

Bei der Pflanzenbeschaffung gab es meistens weniger Probleme als bei bei der Sortenechtheit und Qualität der Pflanzware.

Verwendung von Geotextilien

Mit Hilfe eines Blasgerätes wird Lavasplitt auf der Pflanzfläche verteilt. Foto: Anette Schött
Mit Hilfe eines Blasgerätes wird
Lavasplitt auf der Pflanzfläche ver-
teilt.
Foto: Anette Schött 
Aufgrund der Untersuchungen und der Aussagen der Städte kann man feststellen, dass bei den Staudenmischpflanzungen auf Freiflächen vermehrt Geotextilien eingesetzt werden. Durch die Gespräche konnte festgestellt werden, dass diese den Unkrautbewuchs zumindest reduzieren und Wurzelunkräutern vorbeugen. In der Regel werden die Geotextilien vor dem Pflanzen und dem Mulchen auf den vorbereiteten Pflanzflächen verlegt und mit mineralischen Material zehn bis zwölf Zentimeter bedeckt (die Vlies-Lage sollte beim Pflanzen möglichst nicht verletzt werden, da dies den Unkrautbewuchs stärker hemmt). So stehen die Stauden also direkt in der Mulchschicht, vorerst ohne Kontakt zum Substrat. Die widerstandsfähigen Stauden wurzeln so ohne Probleme durch das Vlies in das Substrat. Lediglich ein erhöhter Gießaufwand im ersten Jahr ist zu verzeichnen. Dieses Modell wurde von dem Fachbereich „Straßenbereich und Grünflächen“ der Stadt Mannheim entwickelt und ist in seinen Anlagekosten etwas teurer, aber dafür sehr pflegereduziert.

Ergebnisse zur Pflege

Das Vorurteil gegenüber der Pflegbarkeit

Das die Pflege von Staudenflächen vielen der untersuchten Städte und Gemeinden schwierig erscheint, lässt sich aufgrund der Befragung bestätigen. Viele der befragten Städte reagieren darauf, indem sie ihre Führungskräfte schulen oder Fachkräfte einstellen.

Der reversible Pflegeaufwand

Staudenmischpflanzung am „Keltenkreisel“ in Büdingen; Planung: Anette Schött.
Staudenmischpflanzung am
„Keltenkreisel“ in Büdingen; Plan-
ung: Anette Schött.
Aufgrund der langjährigen Erfahrungen einiger Städte und Kommunen lässt sich beobachten, dass sich der Pflegeaufwand zunächst deutlich verringert, sich aber nach ca. zwei Jahren wieder erhöht. Dies lässt sich darauf zurückführen, dass sich organisches Material in den Zwischenräumen des mineralischen Mulch akkumuliert. Es zersetzt sich Humus und bildet so Nährstoffe und Substrat für angeflogene Samenunkräuter. Durch eine Erneuerung der Deckschicht aus mineralischem Mulch (alle zwei bis drei Jahre, je nach Bedarf) könnte das Problem behoben und die langfristige Minimierung der Pflege gewährleistet werden.

Die kontinuierliche Pflege

Durch die intensiven Gespräche mit den Ansprechpartnern der Städte und Gemeinden konnte festgestellt werden, dass nicht nur viele der verantwortlichen Führungskräfte Wert auf eine kontinuierliche Pflege legen, sondern dass auch im Personalstamm des Pflegeteams eine gewisse Kontinuität herrschen muss. Nur so ist eine qualitativ hochwertige Pflege zu gewährleisten.

Die Motivation der Pflegekräfte

Aufbau der Pflanzung nach dem Mannheimer Modell.
Aufbau der Pflanzung nach dem
Mannheimer Modell.
Aufgrund der Sachlage ist festzustellen, dass der Erfolg einer Staudenmischpflanzung keineswegs davon abhängt, ob ein gelernter Gärtner oder ein Hilfsarbeiter die Fläche betreut oder pflegt.

Entscheidend ist die Motivation, die richtige Delegation und der Wissensstand der Pflegekräfte. Die Mitarbeiter entsprechend zu motivieren, ist einer der ausschlaggebenden Faktoren, die zum Gelingen einer Staudenmischpflanzung beitragen. Es ist wichtig, dass sich die Pflegekräfte mit ihrer Arbeit identifizieren. Neben der richtigen Mitarbeiterführung ist auch die regelmäßige Dokumentation und Bewertung (die mit den Mitarbeitern besprochen werden sollte) wichtig. Solche Leistungskontrollen können oft Hilfe zum gewünschten Ergebnis sein. Durch gezielte Fortbildungsmaßnahmen ist ein Fachwissen zu erreichen, das für die komplizierte Pflege von artenreichen Staudenmischpflanzungen ausreicht. Hier sind die Führungskräfte gefragt, welche ihre zuständigen Kräfte ermuntern sollten, solche Fortbildungen zu besuchen. Auf der anderen Seite müssen solche Kurse speziell zum „Umgang mit Mischpflanzungen im öffentlichen Grün“ vermehrt angeboten werden, um die Problematik und den sicheren Umgang nachhaltig zu vermitteln. Hier sind Fachverbände, Schulen und Hochschulen gefragt, die auf diese Weise auch zur Verbesserung des öffentlichen Grüns beitragen können. Man sollte darauf achten, die Kurse im Winter anzubieten, da dann das Pflegepersonal die Zeit dafür am besten aufbringen kann.

Vergabe der Pflege

Die derzeitige Tendenz, Ausführung und Pflege auszulagern, ist kritisch zu sehen. Zum einen ist das Finden der Pflegefirma, welche die nötige Qualität liefert, oft schwer bis unmöglich. Zum anderen ist der Zugriff auf externe Fachfirmen, gerade was Motivation und Fachwissen beträgt, sehr gering. Von der Kontinuität des Personals ganz zu schweigen (die Identifikation mit der Pflanzung ist hier erschwert).

In der Ausschreibung ist die geforderte Qualität immer genau festzulegen. Weiter sollte bestimmt werden, dass die Pflegemaßnahme vorher bei dem Bauherrn anzumelden und die Pflegeergebnisse anhand einer Leistungskontrolle zu überprüfen sind. Über das Auslagern der Ausführung einer Pflanzung und deren Pflege, äußerten sich allerdings einige der befragten Städte auch sehr positiv.

Sicherheitsvorschriften

Selten erwähnt wurde der Aufwand, der betrieben werden muss, um die Sicherheit bei der Pflege der Flächen einzuhalten. Zwei der untersuchten Städte bemängelten hier fehlende Sicherheitsvorschriften seitens des Gesetzgebers. Viele der untersuchten Flächen liegen als Verkehrsteiler in stark befahrenen Straßen und die Frage nach gesetzlich geregelten Vorschriften ist hier durchaus gerechtfertigt.

Sonstige Ergebnisse

Staudenmischpflanzung an der Mannheimer Augustaanlage; Planung: Fachbereich Straßenbetrieb und Grünflächen Mannheim.
Staudenmischpflanzung an der
Mannheimer Augustaanlage; Pla-
nung: Fachbereich Straßenbetrieb
und Grünflächen Mannheim. 
Die Akzeptanz der Staudenmischpflanzungen

Bei den Auftraggebern innerhalb der Stadtverwaltung ist die Akzeptanz sehr gut. Die Städte sehen in dem Staudenmischpflanzungskonzept einerseits eine Aufwertung des öffentlichen Grüns, andererseits wird es teilweise als kostengünstige Chance der Flächenentsiegelung gesehen. Des Weiteren ist festzuhalten, dass es eine deutliche Abhängigkeit der Akzeptanz der Auftraggeber, zwischen der Akzeptanz bei den Nutzern und dem mit der Pflege der Pflanzung verbundenen Aufwand gibt. Ergebnis der Befragung war, dass man in den Grünflächenämtern in der Regel der Meinung ist, dass eine hohe Zufriedenheit der Bürger mit dem Stadtbild, einen erhöhten Aufwand einer Staudenmischpflanzung gegenüber einer extensiven Rasen- oder Gehölzfläche rechtfertigt.

Die Untersuchung ergab, dass die Akzeptanz der Bürger hoch ist. Könnte aber laut Aussagen der befragten Ansprechpartner größer sein. Dies ließe sich auf das Verständnis der Nutzer zurückführen, denen der wilde Charakter einer Pflanzung manchmal zu unästhetisch ist. Hier ist in jedem Fall der kreative Planer gefragt, der die Pflanzungen rhythmischer und strukturierter planen oder auslegen sollte. Dies scheint den Bürgern besser zuzusagen, als eine wilde, wiesenartige Zufallsverteilung. Es lässt sich durch das mangelnde Verständnis der Bevölkerung für Wildnis in der Stadt erklären. Eine weitere Möglichkeit, die Akzeptanz bei den Bürgern zu erhöhen, ist die Berichterstattung über die regionale Presse. Auch Führungen die an interessierte Bürgerinnen und Bürger gerichtet sein können, versprechen Erfolge hinsichtlich der Akzeptanz bei den Nutzern.

Das Problem Salz

Laut den Aussagen der untersuchten Städte und Gemeinden ist Streusalz kein Problem für die Staudenmischpflanzungen. Die Ausnahme ist eine Fläche an einer hochfrequentierten Bundesstraße in Neumarkt in der Oberpfalz. Nach Aussagen der Stadt hat die dort angewandte Mischung nur in Teilen funktioniert. Wahrscheinlich ist der Spritzradius der Autos zu groß und die Salzkonzentration zu hoch. Die Fläche wird Anfang des neuen Jahres mit anderen Arten ergänzt und man darf gespannt sein auf die Ergebnisse des Härtetests.

Nach den Aussagen weniger Städte sind ihre Staudenmischpflanzungen, welche an hoch frequentierten Straßen liegen, nicht von Salzschäden betroffen, weil dass mineralische Substrat durchlässig ist. Bei einer Stadt wird nach Aussage im zeitigen Frühjahr das Salz mit Hilfe einer Wässerung ausgespült.

Die Bürger und Stadtgärtner stehen voll hinter der raumwirksamen Staudenmischpflanzung an der B3, Ortseingang Bensheim; Planung Cassian Schmidt/Ulrich Mattern-Guther. Foto: Cassian Schmidt
Die Bürger und Stadtgärtner stehen
voll hinter der raumwirksamen
Staudenmischpflanzung an der B3,
Ortseingang Bensheim; Planung
Cassian Schmidt/Ulrich Mattern-
Guther.
Foto: Cassian Schmidt++
Die Rückkehr der Stauden in die Städte

Die Ergebnisse der Arbeit lassen den Rückschluss zu, dass wieder vermehrt Stauden im öffentlichen Grün der befragten Städte eingesetzt werden. Dies ist auf das Konzept „Staudenmischpflanzung“ zurückzuführen, welches dort breite Anwendung findet. In beinahe jeder besuchten Stadt waren Mischpflanzungen zu finden, oft auch auf großen Flächen und in großer Anzahl. Den Aussagen der Städte nach sind noch einige neue Mischpflanzungen in Planung. 

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