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HHL in Rekordzeit errichtet

  Neues Gebäude punktet mit Ausstattung und Platz

Ines Bauer 
Leben ist eingekehrt in der neuen Geschäftsstelle des Fachverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (FGL) Hamburg. Nach der Einweihung des Neubaus im Juni 2009 haben die Verbandsmitglieder und Auszubildenden nicht nur die Büro- und Ausbildungsräume, sondern auch die Außenanlagen begeistert in Besitz genommen. Schon sehr lange gab es den Wunsch, ein neues Schulungsgebäude für die Aus- und Weiterbildung zu finden, in dem auch die FGL-Geschäftsstelle einen angemessenen Platz bekommt.
Im modernen Hamburger Haus des Landschaftsbaus gibt es nun Platz für das Schulungszentrum und die Geschäftsstelle des FGL Hamburg. Fotos: HHL
Im modernen Hamburger Haus des Landschaftsbaus gibt es nun Platz für das Schulungszentrum und die Geschäftsstelle des FGL Hamburg.
Fotos: HHL
 
Uralte Schulbaracke hatte ausgedient

Das alte Berufsbildungszentrum Landschaftsbau (BZL) arbeitete seit 1988 in einem Schulgebäude aus den Zwanzigerjahren, dass mit dem Charme der Siebziger renoviert worden war. Azubis, Ausbilder und Seminarbesucher klagten über zu niedrige Innenraumtemperaturen im Winter. Gerade zu dieser Jahreszeit machten sich die fehlende Bodendämmung oder Unterkellerung, die zu dünnen Wände und die nur einfach verglasten Fensterscheiben bemerkbar. Die technische Ausstattung entsprach lange nicht mehr dem Standard. Die Sanitäranlagen waren zwar 1987 renoviert worden, jedoch nicht besonders ansehnlich. Auch die alten Keramikrohre und die Sickergrube bedurften einer dringenden Überholung.

Das alte Berufsbildungszentrum Landschaftsbau arbeitete seit 1988 in einem renovierten Schulgebäude aus den zwanziger Jahren.
Das alte Berufsbildungszentrum
Landschaftsbau arbeitete seit 1988
in einem renovierten Schulgebäude
aus den zwanziger Jahren.
Die marode BZL-Baracke erforderte dringendes Handeln. Bereits im Jahr 2000 begannen die Sammlung der Ideen und Planungen für ein neues Überbetriebliches Ausbildungszentrum. Sechs Jahre lang suchte man vergeblich nach einer Lösung. 2006 entschied sich der FGL Hamburg für einen Abriss der Baracke und einen Neubau, der auch die Geschäftsstelle umfassen sollte. Die Geschäftsstelle des Fachverbandes befand sich bis dahin in den Gebäuden der Handwerkskammer Hamburg am Holstenwall.

Niedrig-Energie-Standard und Dachbegrünung

Das neue Gebäude und die Außenanlagen wurden ohne Hilfe und Zuschüsse der Stadt finanziert. Im Juli 2008 begann der Bau des neuen Hauses nach halbjähriger Planungsphase. Das Bauprojekt kostete rund 700.000 Euro. „Fast alles fand schon seinen Platz. Die Anlage bietet zahlreiche Orte des Lernens und praktischen Übens und ist zu einem beliebten grünen Treffpunkt geworden“, freut sich FGL-Geschäftsführer Dr. Michael Marrett-Foßen auf einem Rundgang über das neue Gelände.

Im Dezember 2007 begannen die Planungen für das Hamburger Haus des Landschaftsbaus (HHL). Auf dem alten Fundament des alten Berufsbildungszentrums, Hellgrundweg 45, wurde das neue Gebäude gebaut. Der Hamburger Verband konnte das Erbbaurecht von der Stadt Hamburg erwerben. Hatte der Fachverband doch über Jahre das 14.000 m² große Grundstück gepflegt und gut in Schuss gehalten. Große Teile des Grundstücks mit seinem alten Baumbestand sind als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Nach dem Abriss des alten Gebäudes im August 2008 entstand aufbauend auf dem alten Fundament der moderne Holzrahmenbau mit Niedrig-Energie-Standard, Dachbegrünung und Solarnutzungsoption. Während der Bauzeit wurde der Unterricht der Überbetrieblichen Ausbildung in die leerstehende, nahe gelegene Tischlerei des Stadtbezirks Altona verlegt.

Kredite von Mitgliedern

Aufbauend auf dem alten Fundament entstand der neue Holzrahmenbau mit Niedrig-Energie-Standard, Dachbegrünung und Solarnutzungsoption.
Aufbauend auf dem alten Funda-
ment entstand der neue Holz-
rahmenbau mit Niedrig-Energie-
Standard, Dachbegrünung und
Solarnutzungsoption.
Nach dem Richtfest im Oktober 2008 startete der Innenausbau des Hauses und bereits im Winter begann der Umzug in den Neubau nach nur viermonatiger Bauzeit. Endlich fanden die Überbetriebliche Ausbildungsstätte und die Geschäftsstelle einen gemeinsamen Arbeitsbereich auf einer rund 500 m2 großen Nutzfläche. Das Hamburger H+M Planungsbüro und der Architekt Jürgen Eick entwarfen das HHL. Die ersten Ideen für die Außenanlagen im Frontbereich stammten von der Landschaftsgestalterin Heike Redeker, die aus langer Verbundenheit eine erste Entwurfsplanung erarbeitete. Um die Durch- und Umsetzung des Bauprojektes kümmerten sich neben dem Architekten, der Geschäftsführer und der Vorsitzende des Bauausschusses Diethard Possehn.

Für einen Teil der Finanzierung des Hauses stellten die Verbandsmitglieder großzügig Kredite zur Verfügung. „Ohne die Unterstützung der Mitglieder wäre das Haus nicht entstanden“, erklärt Marrett-Foßen. Alle packten kräftig mit an. So haben einige Mitglieder unentgeltlich Maschinen, Geräte oder Manpower für den Bau der Außenanlagen zur Verfügung gestellt. Viele Azubis halfen bei kleinen Umgestaltungen und der Pflege der Außenanlagen. In Rahmen der Themenwoche „Begrünung von Bauwerken“ bekam eine Klasse eine besonders verantwortungsvolle Aufgabe. Diese „Elitetruppe“ sollte sich um die Dachbegrünung des Hauses, die später für alle sichtbar ist, kümmern. „Es war eine sehr schöne und spannende Zeit“, so der Geschäftsführer. Der gesamte Fachverband sei stolz auf das Ergebnis und das Engagement seiner Mitglieder, Azubis, Ausbilder, Mitarbeiter und der vielen weiteren Helfern.

Kleine Oase in der Großstadt

Durch die üblichen Kostensteigerungen bei einem Neubau versuchte der Verband Geld zu sparen, wo es nur ging. Er erstand beispielsweise die Spinde für die Umkleiden der Azubis aus Insolvenzverkäufen eines Fitnessstudios und die Stühle bei einer Kinoauflösung. Das HHL ist längst ein Lieblingstreffpunkt geworden. Auffallend oft werde es von den Mitgliedern und Gästen als Besprechungs- oder Tagungsort vorgeschlagen oder gewünscht, lacht Marrett-Foßen. Das idyllische, grüne Fleckchen punktet durch Ruhe und Schönheit des Ortes sowie durch seine großen, hellen und gut ausgestatteten Seminarräume. Außerdem sei man geschwind wieder in der Großstadt.

„Ohne die Unterstützung der Verbandsmitglieder wäre das Haus nicht entstanden“, erzählt FGL-Geschäftsführer Dr. Michael Marrett-Foßen. Foto: Neue Landschaft
„Ohne die Unterstützung
der Verbandsmitglieder
wäre das Haus nicht ent-
standen“, erzählt FGL-Ge-
schäftsführer Dr. Michael
Marrett-Foßen.
Foto: Neue Landschaft
Im oberen Bereich des Hauses fanden die Geschäftsräume des Verbandes ihren Platz. Helle, großzügige Büros und ein kleiner Empfangsbereich bieten eine schöne Arbeitsatmosphäre. Das Highlight des Obergeschosses ist das begrünte Dach. Von hier aus hat der Besucher einen Überblick über das ganze Gelände und es ist schwer vorstellbar, dass sich dieser ruhige, in der Natur liegende Ort mitten in Hamburg, nur einen Steinwurf vom HSV-Fußballstadion entfernt, befindet.

Alles, was man zum Lernen braucht

Der untere Bereich ist mit den Schul- und Konferenzräumen sowie Ausbilderzimmern das Reich für den Unterricht und den fachlichen Austausch. Gleich am Eingang begrüßt die Besucher eine Wissenstafel, die dazu einlädt, sein Pflanzenwissen zu überprüfen. Das Erdgeschoss ist mit Umkleiden, Toiletten und Waschräumen bestens ausgestattet. Auch hier ist alles hell und freundlich. Alle Böden der Lehrräume sind mit strapazierfähigem Belag ausgelegt. Auf die technische Ausstattung wie Beamer, Leinwände und Projektoren wurde ebenfalls großen Wert gelegt, damit die Aus- und Weiterbildung unter professionellen Bedingungen stattfinden kann.

Draußen wartet ein Übungsparcours

Die Außenanlagen wurden ebenfalls als Lernorte gestaltet, die speziell dem Nachwuchs viele praktische Übungsmöglichkeiten bieten. In der „Sandkiste“ können die Auszubildenden sich in kleinen Prüfungsgewerken oder beim Natursteinpflastern ausprobieren. Es gibt einen Übungsplatz für die Gehölzkunde, eine Anlage zum Teichbau sowie alle Ausrüstungswerkzeuge und Sägen, um Motorsägen-Lehrgänge durchzuführen. Auch Baumaschinenkurse und Seilkletterseminare werden regelmäßig angeboten, Platz dafür gibt es ebenfalls reichlich. In den Werkstätten sind die Arbeitsmaterialien, Werkzeuge und Maschinen untergebracht. Werkbänke und Übungsräume ermöglichen Training bei jedem Wetter. Ein Teil des Geländes wird zur Pflanzung und Gestaltung genutzt. „In diesem ‚kleinen’ Garten dürfen unsere Schüler schon mal ihre Phantasie spielen lassen und freuen sich, dass ihre Leistungen der Nachwelt erhalten bleiben“, erzählt der seit 25 Jahren erst am BZL dann im HHL tätige Ausbilder Joachim Timm. In direkter Nachbarschaft zum Schulungszentrum befindet sich der Altonaer Friedhof, für den die Azubis die Pflege der Bäume übernehmen. Dort sei immer genügend „Übungsmaterial“ für bestimmte Ausbildungs- oder Baumpflegekurse zu finden.

Die Außenanlagen des HHL wurden als Lernorte gestaltet, die speziell dem Nachwuchs viele praktische Übungsmöglichkeiten bieten.
Die Außenanlagen des HHL wurden
als Lernorte gestaltet, die speziell
dem Nachwuchs viele praktische
Übungsmöglichkeiten bieten.
Vom Dach des modernen Neubaus betrachtet, gleichen die Außenanlagen einem regelrechten Übungsparcours, der je nach Jahreszeit andere praktische Aufgaben bereithält. Das Besondere sei, so Timm, dass die Schüler das Ergebnis ihrer Arbeit sehen können und die Anlage mit und durch sie wächst. Das sei die beste Motivation. Für die Zukunft sollen draußen immer neue Ideen verwirklicht werden und ein sich wandelndes Antlitz garantieren. Die Planungen zum Bau einer Schautischanlage und eines Schüttgutlagerplatz sind in vollem Gange.

Großes Tauffest mit Tücken

Die Einweihung des Hamburger Hauses wurde im Juni 2009 mit einem Sommerfest groß gefeiert. Mitglieder und Gäste, darunter Hamburgs Umweltsenatorin Anja Hajduk, trafen sich zum ersten Mal zu einem Familienfest im Hellgrundweg. Die Senatorin taufte das neue Gebäude auf den Namen „Hamburger Haus des Landschaftsbaus“. „Frau Hajduk war vor der Taufe sehr aufgeregt“, erzählt der Geschäftsführer. Bei einer Schiffstaufe misslang der Senatorin schon einmal das Schleudern einer Flasche. Statt zu Zerbrechen, baumelte diese unversehrt an der Leine. Auf keinen Fall wolle sie noch einmal zum möglichen Unglücksbringer werden. Vorsorglich präparierten die Mitarbeiter der Geschäftsstelle die Einweihungsflasche, um so den taufenden Ehrengast zu beruhigen. Doch um ganz sicher zu gehen nutzte die Senatorin all ihre Kraft und „schleuderte die Taufflasche mit unglaublicher Wucht“, worauf diese sofort in unzählige Splitterteile zersprang. Viele, der in unmittelbarer Nähe stehenden Personen, konnten dadurch ein kleines Erinnerungsstück des „Zuckerglases“ mitnehmen.

Glücksbringerin: Hamburgs Umweltsenatorin Anja Hajduk taufte das HHL im Juni 2009 mit ganzer Kraft.
Glücksbringerin: Hamburgs Um-
weltsenatorin Anja Hajduk taufte
das HHL im Juni 2009 mit ganzer
Kraft.
Auch die Sonne gesellte sich glücklicher Weise zu den Feiernden. Womit man schon nicht mehr gerechnet hatte, da die Vorbereitungen bei strömenden Regen stattfanden. Die extra aufgebauten Zelte konnten also getrost auch mal verlassen und die schöne Umgebung erkundet werden. Als Höhepunkt wartete auf die Gäste ein Blick aus der luftigen Höhe eines Hubsteigers über das HHL.

Größeres Kursangebot

Das Potenzial, des neuen Schulungszentrums soll in Zukunft noch weiter ausgeschöpft werden. Die Zahl der Kurse für die überbetriebliche Ausbildung und Weiterbildungskurse sowie Seminare werde weiter steigen. An der Ausweitung der Inhalte arbeite man ebenfalls. Der Standort soll die Schüler ansprechen und sie in Ihren Möglichkeiten motivieren.
Zudem findet im HHL ein Vorbereitungskurs für die Meisterprüfung im Garten- und Landschaftsbau in Voll- und Teilzeitform statt. Auch werden in regelmäßigen Abständen Vorbereitungskurse zum Fachagrarwirt Baumpflege und Baumsanierung angeboten.

Die hellen Schulungsräume sind technisch sehr gut ausgestattet.
Die hellen Schulungsräume sind
technisch sehr gut ausgestattet.
Schließlich brauche man gut ausgebildete Fachkräfte im GaLaBau, so Marret-Foßen. Unterstützung holt sich das HHL-Team bei vielen Fachleuten, die sie als Referenten ins Haus holen, darunter Prof. Gerd Helget von der Hochschule RheinMain Geisenheim, der Landschaftsarchitekt Harald Schäfer, Rechtsanwältin Birgit Eggers oder Ulrike Timmermann, Diplom-Ingenieurin an der Staatlichen Fachschule für Agrarwirtschaft Landshut. Ebenfalls regelmäßig finden Seilkletter-Kurse statt, die von der Münchner Baumkletterschule geleitet werden.

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