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Die Trockenmauer
  Ein traditionelles Bauwerk ohne Bindemittel

Uwe Bienert
Uwe BienertAls Trockenmauern werden im Bauwesen Mauern aus Naturstein oder Beton bezeichnet, die ohne Bindemittel (Mörtel, Kleber etc.) erstellt werden. Ihre Stabilität erhalten sie durch ihr enormes Gewicht und ihre teilweise Schräglage zum Hang (Dosierung oder Anlauf). Sie werden in erster Linie als Schwergewichtsmauern, Stützmauern oder als niedrige, frei stehende Mauern ausgeführt.
Die für den Mauerbau anzuwendende DIN 1053 beschreibt die Trockenmauer ausschließlich als Mauerwerk aus Bruchsteinen. Dieser Mangel der DIN 1053 wird in der Praxis regelmäßig widerlegt. Alle Regeln für Mauerverbände aus dem Bereich des Mörtelmauerbaues können auf Trockenmauern angewendet werden.

Die Bauformen von Mauern

Mauern können in verschiedenen Formen gebaut werden. Dabei kommen für die Trockenmauer nicht alle Formen in Betracht. Der Vollständigkeit wegen nenne ich sie an dieser Stelle jedoch alle.

Von einem „einhäuptigen Mauerwerk“ wird gesprochen, wenn die Mauer nur von einer Seite (Haupt) sichtbar ist. Für diese Bauweise kommen in erster Linie nur Stütz- und Futtermauern in Frage. Bei diesen Mauern befindet sich der nicht sichtbare Teil im Hang. In Gegensatz zum einhäuptigen Mauerwerk kann man beim „zweihäuptigen Mauerwerk“ mindestens zwei Seiten sehen. Diese Mauern stehen frei und haben somit keinen Hanganschluss.

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Grafiken: Uwe Bienert

Eine Spezialform dieses Mauerwerkes ist der Pfeiler, bei dem man auf Grund seiner Bauweise und Funktion vier Seiten sehen kann. Der Bau einer „einwandigen Mauer“ ist in der Praxis recht schwierig und erfordert einen großen Technikeinsatz. Die Bezeichnung ist leicht irreführend, weil sie nicht auf die Anzahl der senkrechten Wände hinweist sondern auf die eine horizontale Schicht. Aus Stabilitätsgründen werden diese Mauern nicht größer als 1,30m gebaut und bestehen entweder aus aneinandergereihten Monolithen (großen Blöcken) oder aus bearbeiten palisadenähnlichen Säulen.

Der Querschnitt der „zweiwandigen Mauer“ verrät etwas über die Namensgebung. Zwei Mauerwände stehen sich gegenüber und sind über einzelne Binder verbunden. Die Hohlräume zwischen den Mauern werden mit Material der Korngröße 16/32 gefüllt. Große Steine in der Mauerkrone schließen die Mauer ab.

Die Kombination aus den beiden vorher beschriebenen Mauern ist die „ein- und zweiwandige Mauer“. Bei ihr werden die unteren zwei Drittel mit mittelgroßen Steinen zu einem zweiwandigem Mauerwerk aufgebaut und das obere Drittel wird überwiegend aus großen Blöcken errichtet. Die Mauern werden nicht höher als 1,50 m gebaut und haben im Mauerfuß eine Dicke von ca. 0,70 m.

Bei den „Verblendmauern“ dient der Sichtbare Stein der Mauer nur als Zierelement zur „Verblendung“ oder zum „Verdecken“ eines unansehnlichen Baukörpers.

Dieser Betonkörper wird vor Ort aus Ziegeln aufgemörtelt, aus Beton gegossen oder aus großen Fertigteilen zur Mauer aufgebaut. Das sichtbare Mauerwerk hat keine statische Funktion. Verblendmauern werden nicht als Trockenmauern gebaut sondern immer als Mörtelmauern.

Bautechnische Funktionen

Die Funktionen einer Mauer sind sehr weit gefasst. Prinzipiell unterteilt man sie in Mauern zur Befestigung von Hängen (Stütz- und Futtermauern) und freistehenden Mauern.

Die „Futtermauer“ wird an Hängen eingesetzt bei denen in Hang ein bindiger, selbsttragender Boden vorherrscht. Sie erfüllt in erster Linie die Funktion der Verblendung. Dabei schützt sie den Hang vor Witterungseinflüssen und von außen einwirkenden Kräften. Die Einbautiefe und die Dosierung (oder Anlauf) kann damit geringer sein als bei einer Futtermauer. Ist eine Futtermauer mehr als 25 Grad in den Hang geneigt spricht man von einer Böschungsmauer.

Sie findet sehr oft im Wasserverbau, also in der ingenieurbiologischen Bauweise, ihre Anwendung.

Ein genaues Augenmerk ist beim Bau von Futtermauern auf die Hintermauerung zu legen. Diese muss sorgfältig ausgeführt werden, da sie dafür verantwortlich ist, dass die Mauer im Hang verankert ist und den Hang damit stabilisiert.

Bei den „Stützmauern“ handelt es sich um so genannte Schwergewichtsmauern. Diese Bezeichnung beschreibt alle Mauern, die ihre Stabilität durch ihr enormes Gewicht erhalten. Sie können Hänge aus nicht bindigem Material abfangen und dienen zu deren Befestigung.

Freistehende Mauern dienen nicht zur Befestigung von Hängen, sondern eher als Sicht-, Lärm- und Windschutz, oder werden als Sitzmauern konzipiert. Die Mächtigkeit und die Dosierung hängen dabei stark von dieser Funktion ab.

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Regeln beim Trockenmauerbau

Neben den in den nebenstehenden Grafiken aufgeführten Regeln sind beim Bau von Trockenmauern noch folgende Dinge zu beachten:

Die Dosierung oder der Anlauf

Natursteinmauern sind materialaufwendig, besonders wenn sie als Stützmauern (Schwergewichtsmauern) verwendet werden. Um Material zu sparen, Oberflächenwasser schnell abfließen zu lassen und die Statik zu erhöhen, erhalten sie daher oft einen vorderen oder/und hinteren Anlauf (Dossierung). An der Sichtseite verhindert die Dossierung gleichzeitig ein optisches „Überhängen“ der Mauer. Die Neigung beträgt ca. 10 bis 20 % der Mauerhöhe.

Die Gründung

Unter Gründung versteht man das Absetzen eines Bauwerkes auf den Baugrund. Hierbei übernimmt das Gründungsbauwerk zwei wichtige Funktionen: Es muss erstens die Lasten sicher in den Untergrund leiten und zweitens den Baukörper vor Schäden schützen. Aus diesen Gründen ist es wichtig, das richtige Fundament zu wählen. Bei den Fundamenten unterscheiden wir zwischen labilen Fundamenten und stabilen Fundamenten.

Während die labilen Fundamente ohne Bindemittel aus gestampften oder anderweitig verdichteten Schichten bestehen, sind die stabilen Fundamente aus Beton gegossen oder aus Steinen gemauert.

„Labile Fundamente“ werden aus unterschiedlich vielen Schichten mit einer Einzeldicke von 0,05-0,10 m eingebaut und schichtenweise verdichtet. Dabei müssen diese Fundamente nicht frostfrei sein, d.h. sie sind nur 0,40-0,80 m hoch. Als Material werden Kies, Splitt und Schotter in den Körnungen von 0/32, 0/45 und 0/56 verwendet. Sie werden auf dem gewachsenen Boden gegründet und müssen waagerecht verlaufen. Der Mauerfuß sitzt in der letzten Fundamentschicht eingebettet um die nötige Verbindung zwischen Mauer und Fundament herzustellen und einen sauberen Bodenanschluss zu gewährleisten.

Das Fundament sollte die Mauer um etwa 0,05 m bis 0,10 m überragen und Wasser ableitende Eigenschaften besitzen. Dabei sollte die Oberkante des Fundamentes 0,05m bis 0,10m unter der unter der vorgesehenen Geländeabschlußhöhe liegen.

Mit diesem labilen Fundament ist die Voraussetzung geschaffen, dass sich minimale Bewegungen der Mauer (durch Temperaturunterschiede u. ä.) im Fundament abgefangen werden und die Stabilität des Bauwerkes erhöht wird.

„Stabile Fundamente“ sind hauptsächlich Betonfundamente, bei denen Zuschlagstoffe mit hydraulischen Bindemitteln (Zementen) zu festen, starren Massen verbunden werden. Sie werden nur für gemörtelte oder geklebte Mauern verwendet. Diese Fundamente sind frostfrei gegründet, d.h. ihre Einbautiefe beginnt bei 0,80 m. Bei größeren Mauern sollte ein Baustatiker hinzu gerufen werden. Sie spielen beim Bau von Trockenmauern keine Rolle.

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Entwässerung

Von Trockenmauern ist, wie bei allen Bauwerken, Wasser fern zu halten. Das Bauwerk Mauer ist zu entwässern. Dabei kommt es auf viele Faktoren an. Zum einen auf die bautechnischen Details, wie Höhe und Hanganschluß, zum anderen auf das Bauumfeld, wie Bodenart und Bodenwasser, ist dabei besonderes Augenmerk zu legen.

Gerade Mauern mit Hanganschluß sind für Oberflächen und Bodenwasser besonders anfällig. Wasser bildet im Boden eine Art Gleitfilm in dem die Bodenbestandteile weniger Kraftschluß haben und somit der Boden hinter der Mauer ins rutschen geraten könnte. Bei feuchten Böden erhöht sich der Bodendruck hinter der Mauer.

Der klassische und sehr wirksame Aufbau einer Mauerentwässerung besteht aus einer hinter der Mauer befindlichen Packlage aus Schotter (z.B. 16/32), die sich bis ins Fundament der Trockenmauer fortsetzt.

Unterstützt wird dieser Aufbau durch ein zusätzliches Textilvlies, welches die Aufgabe eines Filters hat und die feinen Bodenteile von der Packlage getrennt hält. Der Abfluss des anfallenden Wassers kann über die Sickerschlitze oder wie hier im Bild über ein flexibles Dränrohr erfolgen. Dabei soll das Rohr ein Gefälle von 1-2 % in seiner Längsachse haben.

Die Mauerkrone

Die Gestaltung und die technische Bauweise des oberen Abschlusses der Mauer, der so genannten Mauerkrone, hängen stark von der Mauerart und dem verwendeten Material ab. Während bei Ziegel und Klinkermauern traditionell eher auf das Aufsetzen einer Rolle zurück gegriffen wird, ist im Natursteinmauerbau immer noch die Abdeckplatte oder der Abdeckstein die zweckmäßigste Variante. Aber auch andere alternative Abdeckungen, wie beispielsweise bepflanzte Mauerkronen, Dachziegel- oder Holzschindelabdeckungen, sind im Mauerbau durchaus anzutreffen.

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Sicherheit und Statik

Trockenmauerbau hängt von vielen unterschiedlichen, schwer kalkulierbaren Faktoren ab. Aus diesem Grund dürfen Trockenmauern nicht für statisch belastete Bauteile verwendet werden.

Trockenmauern erfordern das Wissen eines Statikers und sind auch von diesem zu planen. Dabei ist die dafür vorgeschriebene Höhe von Bundesland zu Bundesland verschieden. Während in Brandenburg Trockenmauern an 1,50 m genehmigungspflichtig sind, liegt die genehmigungspflichtige Höhe in Berlin beispielsweise bei 2,00 m.

Nächsten Monat lesen Sie: „Trockenmauer und Pflanzen“

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